Freiwilligendienst in KZ-Gedenkstätte "Das Kapitel Rassismus ist noch nicht abgeschlossen"

Von Lea Deuber

3. Teil: Janina Späth, 19 - "Meine Oma denkt, ich mähe hier den Rasen"


Tomke Gerstenberg

Meine Oma denkt, ich mähe hier den Rasen. In einer KZ-Gedenkstätte arbeiten, darunter kann sie sich nichts vorstellen. Aber sie ist sicher, dass es schrecklich sein muss. Auch manche Freunde waren schockiert, als ich ihnen von meiner FSJ-Stelle erzählt habe. Eigentlich sollte es ja "Work and Travel" in Australien werden, das hat aber nicht funktioniert.

So bin ich für mein FSJ nach Dachau gekommen (mehr zum KZ Dachau auf Wikipedia hier). Schrecklich ist es hier nicht. Unser Büro sieht aus wie jedes andere. Nur die Geschichtsbücher im Regal erinnern an unsere Arbeit.

Bei meinen Führungen versuche ich, möglichst sachlich zu bleiben. Was bringt es, zehn Bilder mit verhungernden Kindern zu zeigen? Die Fakten sind schockierend genug. Manchmal brauche ich auch Abstand davon. Ein Ort, der ruhiger ist und an dem ich nachdenken kann, ist der Gedenkort "Hebertshausen". Das ist ein ehemaliger SS-Schießplatz auf dem Gemeindegebiet von Dachau. Er liegt etwas außerhalb der Gedenkstätte, darum sind dort nicht so viele Besucher. Dort erschossen die Nazis über 4000 sowjetische Kriegsgefangene.

Wir haben eine Kollektivverantwortung

Dachau ist auch eine Touristenattraktion, es wird sehr viel fotografiert. Der Andrang ist aber auch ein positives Zeichen. Es gibt also ein Bewusstsein für die deutsche Geschichte. Und das zeigt auch, wie wichtig unsere Arbeit ist. Deshalb verstehe ich nicht, wieso FSJler nur 300 Euro monatlich und Wohngeld bekommen, das Geld reicht hinten und vorne nicht. Meine Eltern müssen mich unterstützen.

Was damals geschah, ist nicht nur Geschichte: Es gibt Ausgrenzung heute, es gibt Diskriminierung heute. Das ist etwas ganz Alltägliches. Unsere Generation unterliegt keiner Kollektivschuld, aber sicher einer Kollektivverantwortung.

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Seite 1
xmix 31.05.2012
1.
Zitat von sysopREUTERSKZ-Gedenkstätten sind Orte des Grauens. Simon, Tomke, Larissa, Janina und Veit sind täglich dort: Ein Jahr lang verrichten sie einen Freiwilligendienst in Theresienstadt, Dachau oder Osthofen. Hier erzählen sie, was sie antreibt. http://www.spiegel.de/schulspiegel/leben/0,1518,834498,00.html
Sehr bemerkenswert und beeindruckend was die jungen Leute da leisten!
frubi 31.05.2012
2. .
Zitat von sysopREUTERSKZ-Gedenkstätten sind Orte des Grauens. Simon, Tomke, Larissa, Janina und Veit sind täglich dort: Ein Jahr lang verrichten sie einen Freiwilligendienst in Theresienstadt, Dachau oder Osthofen. Hier erzählen sie, was sie antreibt. http://www.spiegel.de/schulspiegel/leben/0,1518,834498,00.html
Rassismus wird es immer geben. Genauso wie Terrorismus. Es mag eine schöne Vorstellung sein, dass es solche Dinge nicht mehr auf der Welt geben wird aber es ist naiv.
gemamundi 31.05.2012
3. Mit voller tiefer Dankbarkeit ....
Bin voller ehrlicher echter tiefer Dankbarkeit für diese jungen Menschen,die Grundlagen des menschlichen Zusammenlebens verstanden und verinnerlicht haben : Meine Mutter wurde 1945 von den Briten aus dem KZ Bergen-Belsen befreit. Sie war dahin verschleppt worden,weil sie junge deutsche Jüdin - oder jüdische Deutsche war. Selbst bin ich 1955,10 Jahre nach der Befreiung,in HH geboren worden.Dennoch erfuhr ich stets - in bdeutend geringerem Ausmaß als die ins KZ verschleppten Menschen,was auch hier noch in Europa Vorurteile anrichten = Lebe seit meinem 14.ten lebensjahr offen und öffentlich schwul,habe später viele Jahre lang mit meinem muslimischen und aus Palästina stammenden Mann gemeinsam gelebt ( bis zu seinem zu frühen Tod 1997 ) und habe stets nach besten Möglichkeiten und Bewußtsein auch offen politisch gehandelt - selbst in meinen Berufen; bin Dramaturg,Schauspieler,usw....Bin alt und er-lebenserfahren genug zu wissen, das die Annahme der Vergangenheit gut und notwendig ist,um die Zukunft - sei es 'nur' die eigene - zu sichern.... Danke für diesen Bericht. Danke diesen Menschen für deren Arbeit ! Shalom & Salam & Pace ...
sara100 31.05.2012
4. Sehr bewegend
Zitat von gemamundiBin voller ehrlicher echter tiefer Dankbarkeit für diese jungen Menschen,die Grundlagen des menschlichen Zusammenlebens verstanden und verinnerlicht haben : Meine Mutter wurde 1945 von den Briten aus dem KZ Bergen-Belsen befreit. Sie war dahin verschleppt worden,weil sie junge deutsche Jüdin - oder jüdische Deutsche war. Selbst bin ich 1955,10 Jahre nach der Befreiung,in HH geboren worden.Dennoch erfuhr ich stets - in bdeutend geringerem Ausmaß als die ins KZ verschleppten Menschen,was auch hier noch in Europa Vorurteile anrichten = Lebe seit meinem 14.ten lebensjahr offen und öffentlich schwul,habe später viele Jahre lang mit meinem muslimischen und aus Palästina stammenden Mann gemeinsam gelebt ( bis zu seinem zu frühen Tod 1997 ) und habe stets nach besten Möglichkeiten und Bewußtsein auch offen politisch gehandelt - selbst in meinen Berufen; bin Dramaturg,Schauspieler,usw....Bin alt und er-lebenserfahren genug zu wissen, das die Annahme der Vergangenheit gut und notwendig ist,um die Zukunft - sei es 'nur' die eigene - zu sichern.... Danke für diesen Bericht. Danke diesen Menschen für deren Arbeit ! Shalom & Salam & Pace ...
Was Sie schreiben. Es tut so gut mal jemanden zu lesen der die nötige Toleranz und Weitsicht hat. Leider ist das in den meisten Fällen nicht der Fall wie Sie eventuell auch hier in diesem Forum lesen können. Menschen mit bestimmten Vorurteilen werden immer einen Grund finden sie auch zu pflegen. Sie aber werden immer über diesen Menschen stehen. Sie bedanken sich bei diesen jumgen Menschen, und ich bedanke mich bei Ihnen.
Vorzeichen 31.05.2012
5.
Zitat von frubiRassismus wird es immer geben. Genauso wie Terrorismus. Es mag eine schöne Vorstellung sein, dass es solche Dinge nicht mehr auf der Welt geben wird aber es ist naiv.
Gerade weil es Rassismus immer geben wird, ist Aufklärung wichtig. Was diese jungen Menschen machen, ist sinnvolle und harte Arbeit, ganz bestimmt nichts für Naivlinge. Respekt und Verbeugung.
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