YouTube-Hit eines Lehrers "Superlässig, gar nicht stressig"

Nein, dieser Lehrer schleppt sich nicht sehnsüchtig in den Ruhestand, Dirk-Christian Stötzer geht mit Wehmut. Zum Abschied hinterlässt er Kollegen und Schülern einen Coversong: "Schule ist supergeil".

Ein Interview von

Pädagoge Stötzer über den Lehrerberuf: "Ich wollte einfach Danke sagen"
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Pädagoge Stötzer über den Lehrerberuf: "Ich wollte einfach Danke sagen"


Zur Person
Der 66-jährige Pädagoge Dirk-Christian Stötzer hat mehr als 30 Jahre in einer Berliner Schule Musik, Mathe und Informatik unterrichtet, danach wechselte er in die Berliner Schulbehörde. Ende Juni geht er in den Ruhestand - sein Abschiedsgeschenk an seine Kollegen wurde zum YouTube-Hit.
SPIEGEL ONLINE: Sie haben sich diese Woche mit einem besonderen Geschenk in den Ruhestand verabschiedet: Mit Sonnenbrille, Vollbart, schwarzem Pulli und Anzug mimen Sie in einem Musikvideo Friedrich Liechtenstein und covern seinen "Supergeil"-Erfolgshit. Warum?

Stötzer: Ein paar Kollegen und ich haben überlegt, dass wir zu meinem Abschied noch etwas Lustiges machen wollen. Und da es doch eine gewisse Ähnlichkeit von mir mit dem Original Friedrich Liechtenstein gab, kamen wir auf dieses Video.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben es vor zwei Tagen bei YouTube veröffentlicht, inzwischen hat schon die "Bild"-Zeitung über Sie berichtet, der "Tagesspiegel", die "Berliner Zeitung". Fühlen Sie sich wie ein echter Star?

Stötzer: Überhaupt nicht. Das war auch nicht meine Absicht. Ich wollte nach 41 Dienstjahren in der Berliner Schule einfach Danke sagen.

SPIEGEL ONLINE: Freuen Sie sich denn über das große Interesse?

Stötzer: Teils, teils. Zuletzt stand das Telefon zu Hause nicht still, das hat meine Frau schon etwas genervt. Ich finde es etwas schade, dass die Öffentlichkeit vor allem darauf schaut, ob in der Schule ein Wasserfleck an der Decke ist oder ob die Toiletten schmutzig sind. Ich würde mir wünschen, dass man auch so mal sagt: Das ist ein schöner Beruf, und ihr macht einen guten Job.

SPIEGEL ONLINE: Sie singen: "Schule ist supergeil" und: "superlässig, gar nicht stressig" - da werden sicherlich viele Lehrerkollegen protestieren.

Stötzer: Ich habe den Beruf nie als stressig empfunden.

SPIEGEL ONLINE: An anderer Stelle stehen Sie mit Schülern in der Kantine, halten ein Salatblatt in der Hand und singen: "Superlecker, kein Gemecker, superfruchtig, superduftig", oder: "Supersauber, supergeil. Sehr gute Toiletten übrigens".

Stötzer: Das ist ein Fake, ich mag überhaupt keinen Salat. Und ich weiß auch, dass nicht an allen Schulen die Toiletten so sauber sind wie an meiner alten Schule. Das Video ist auch ein bisschen ironisch gemeint.

SPIEGEL ONLINE: Ein Kommentar bei YouTube lautet: "Haha bei so nem gechillten Lehrer würde ich auch immer freiwillig kommen". Waren Sie schon zu Schulzeiten so gechillt?

Stötzer: Früher war der Hüftschwung vielleicht sogar noch ein bisschen besser.

SPIEGEL ONLINE: Welchen Tipp geben Sie anderen Lehrern, damit sie auch nach 41 Dienstjahren sagen: Ich hatte einen supergeilen Job?

Stötzer: Man muss auf das Positive achten, und es gibt genug Positives. Wenn man das immer im Blick hat, dann hält man auch 41 Jahre durch.

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insgesamt 25 Beiträge
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dieteroffergeld 10.05.2014
1. Ja und weiter?
Was soll an diesem Herrn so lustig oder interessant sein? Ich weiß nicht? Profilneurose etwa-soll auch bei solchen Leuten eintreten. Es gibt 'ne Menge Lehrerinnen und Lehrer, die gern und auch lange an Schulen tätig waren. Zumal er seine letzten Jahre wohl in der Administration und nicht mehr an der Front verbracht hat. Also irgendwie geriert sich der ältere Herr eher etwas dümmlich denn locker. Aber wenn er's braucht!
cucco 10.05.2014
2. Ungleiche Belastung bei Schulfächern
Schauen wir uns die Fächer dieses Lehrers an: Informatik , Mathe, Musik. Die ersten beiden Fächer sind reine Entspannungsfächer für den Lehrer. Da gibt es Notendruck und wenig Interpretationsspielraum. Wenn er dieselebn Klassen, die er in Musik unterrichtet auch in den beiden anderen Fächern hat, kann ihm kaum ein Schüler an den Karren fahren, wenn der Schüler nicht seine eigene grob fahrlässig aufs Spiel setzt. Sehen wir uns danach die Gehaltsstufe als Oberstudiendirektor an, mit praktisch 100% Gehaltvolumen, das in der in der Pensionszeit winkt. Als meine Classmates im 1. Semester Mathe studierten, war das Niveau sehr viel höher, als es jemals ein Abiturient erlebt. Also von Fortbildungszwang während der üppigen Schulferien kann während seines Arbeitslebens keine Rede sein. Es gibt eine Menge Lehrer, die ähnliches sagen, es gibt auch eine Menge Lehrer mit weniger günstigen Fächern. Die leiden sehr oft unter hartem Stress. Wer einen Premium Job sucht, Mint - Fächer studiert und menschlich gute Qualitäten hat, findet kaum einen bequemeren und lukrativeren Job als den des Lehrers.
Jens_Loewe 10.05.2014
3. optional
super geil - meine Schule war es wirklich - aber das war noch noch einem anderen Staat im gleichen Land...
erdbeertoertchen 10.05.2014
4. Der deutsche Bildungskindergarten mal wieder ...
Zitat von dieteroffergeldWas soll an diesem Herrn so lustig oder interessant sein? Ich weiß nicht? Profilneurose etwa-soll auch bei solchen Leuten eintreten. Es gibt 'ne Menge Lehrerinnen und Lehrer, die gern und auch lange an Schulen tätig waren. Zumal er seine letzten Jahre wohl in der Administration und nicht mehr an der Front verbracht hat. Also irgendwie geriert sich der ältere Herr eher etwas dümmlich denn locker. Aber wenn er's braucht!
Wenn Sie den Artikel aufmerksam gelesen hätten und ihren kleinkarierten Zynismus mal sein lassen könnten, hätten Sie sehr wohl bemerken können, daß der Herr nach 41 Berufsjahren ein positives Resümee ziehen und junge Menschen zum Ergreifen des Lehrerberufs ermutigen wollte. Ich kann daran nichts Schlimmes erkennen, im Gegenteil finde ich die Lust, mit der wir Deutschen gerne auf Lehrer, die unsere Kinder zu Vertretern einer Bildungsrepublik ausbilden sollen, eindreschen, schizophren.
maxzweistein 10.05.2014
5. Supergeiles Video...
...und die Herren (ja, sind ganz sicher Herren) Poster 1 und 2 tun mir leid. Nummer 1 kennt wahrscheinlich die Originalversion des Covers nicht und verkennt ein großartiges Abschiedsvideo als "Profilneurose", Nummer 2 läßt typisch deutsches Dauergenöle vom Stapel. Mein Beileid. Und Daumen hoch für Herrn Stötzer!
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