Jugend in Österreich Generation Alaba

Österreichs Jugend verehrt den Fußballspieler David Alaba vom FC Bayern München. Schüler wie Paul, 14, und Stefan, 16, eifern ihm nach. Sollte es aber mit der Profi-Karriere nicht klappen, müssen sie sich wenig Sorgen um die Zukunft machen.

DPA

Er hat als erster Österreicher das Champions-League-Finale gewonnen - und plötzlich interessiert sich die alpenländische Jugend fast mehr für Fußball als für Skifahren. Der Bayern-München-Spieler David Alaba ist in seiner Heimat ein Idol geworden. Viele Jugendliche in Österreich bewundern die Karriere des 21-Jährigen, manch einer würde selbst gern ein Leben als Profikicker führen. In einer Zeit, da die meisten jungen Leute im Land aus finanzieller Sicht eher sorgenfrei in die Zukunft blicken, bleibt Zeit für Wünsche und Träume.

Schnell passen sich Paul, 14, und Stefan, 16, den Fußball auf einem Trainingsplatz am Rande Wiens zu. Ein Leben ohne Fußball können sich die Jugendlichen nicht vorstellen. Bei ihrem Verein SV Aspern begann auch Alaba seine Karriere. Die beiden Jungen träumen davon, selbst einmal als Profis den Durchbruch zu schaffen, bleiben aber realistisch: "Ich gehe jetzt nicht davon aus, dass es so sein wird", sagt Paul.

Sensiblerer Umgang mit Migranten

Trotzdem seien Alabas Erfolge ein großer Ansporn. "Er ist einfach ein Vorbild, wenn man weiß, was er alles geschafft hat", findet Paul. "Ich habe auch schon mal mit ihm gespielt", wirft Stefan stolz ein.

Fotostrecke

8  Bilder
Einmal um die Welt: So leben Jugendliche
Noch im vergangenen Jahr begrüßte der Tiroler Landeshauptmann Günther Platter den Nationalspieler Alaba wegen seiner dunklen Hautfarbe auf Englisch mit "How do you do?". Heute kennt jedes Kind den Österreicher, der in Wien geboren wurde und nigerianisch-philippinische Wurzeln hat. "David Alaba spielt die Rolle des Aushängeschilds perfekt", schrieb die Zeitung "Die Presse".

Sein Migrationshintergrund spielt bei seinen beiden jungen Fans in Wien keine Rolle: "Ich sehe ihn einfach als Wiener an. Mein bester Freund ist zum Beispiel auch Ägypter", erzählt Stefan. Und Paul sagt über Alaba: "Er ist einfach da aufgewachsen und ist genauso wie jeder andere."

Erfolgreiche Leitfiguren wie Alaba seien ein wichtiger Anstoß für eine offenere Gesellschaft, sagt Volker Frey von der Anti-Rassismus-Initiative Zara. "Einzelne Vorbilder wirken gerade bei Jugendlichen sehr gut", erläutert Frey, der auch in Schulen arbeitet. Alaba könnte mit seinem Werdegang durchaus für Abbau von Vorbehalten gegen Migranten sorgen. "Ich glaube schon, dass der Umgang mit anderen Fußballern mit Migrationshintergrund dadurch sensibler wird", sagte Frey.

Optimistischer Blick in die Zukunft

Alaba ist seit dem Champions-League-Sieg über alle sozialen Schichten hinweg zur Identifikationsfigur geworden, Jugendliche in Arbeiter- wie Villenbezirken tragen begeistert sein Trikot. Auch im kleinen Vereinslokal des SV Aspern hängt ein handsigniertes Bayern-Trikot des Spielers. Er selbst hat es einmal vorbeigebracht. Die Besuche werden zwar seltener, motivieren die jugendlichen Kicker aber jedes Mal enorm, sagt Nachwuchstrainer Andreas Liebhard. Alaba ist sich seiner Verantwortung bewusst. Er wolle ein "Vorbild für die jungen Spieler" sein, sagte er.

Die beiden Schüler Paul und Stefan blicken optimistisch auf ihr weiteres Leben. So wie viele andere Jugendliche in Österreich auch. Dies zeigt eine repräsentative Umfrage der Regierung aus dem vergangenen Jahr: So sehen 79 Prozent der 14- bis 24-Jährigen ihre Zukunft positiv. Eine knappe Mehrheit geht auch davon aus, relativ leicht einen Job zu finden. Österreich hat die EU-Finanzkrise bislang relativ gut überstanden. Von den 15- bis 24-Jährigen sind etwa acht Prozent arbeitslos gemeldet, ein im EU-Schnitt vergleichsweise geringer Wert.

Doch nicht jeder Jugendliche hat die gleichen Chancen. Auch in Österreich hängt der spätere Erfolg im Beruf häufig von der Herkunft ab. Wer Eltern hat, die Akademiker sind, schafft eher einen Uni-Abschluss als Kinder, deren Mütter und Väter nur einen Schulabschluss und eine Ausbildung gemacht haben. Paul und Stefan ist auch wegen ihres Vorbilds Alaba klar, dass sie nur mit Fleiß viel erreichen werden. "Alaba war einerseits gut, aber er hat es auch wirklich gewollt und darauf hingearbeitet", sagte Paul. Deshalb lerne er viel, um in der Schule gute Noten zu haben.

Von Sandra Walder/dpa/cpa

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 19 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Prä Misse 28.08.2013
1. Schönfärberei
Wer sich die diversen Stellenangebot in Österreich, speziell in Wien anschaut, wird feststellen, dass die Bruttogehälter selten über 2000,- € liegen. Für "normale" Jobs wird Matura verlangt. Berufe, die Fachhochschule benötigen, werden mit ca. 2200,-€ angeboten. Dafür würde hier kaum einer arbeiten gehen bei vergleichbaren Jobs.
xees-s 28.08.2013
2.
Das mit den Gehältern stimmt schon, nur sind lebenshaltungskosten im Vergleich auch niedrig wie in Ostdeutschland. Und das Netto ist höher als in Deutschland, zudem gibt fast immer 14 Gehälter wovon das Urlaubs und Weihnachtsgeld faktisch Steuerfrei sind! U-Bahn, Schwimmbäder, Kinos, Handygebühren, alles sehr viel billiger als in Deutschland. Mit einem Bruttogehalt von 2000€ in Wien bräuchte man in München für vergleichbare Lebensumstände 3500€ Brutto! Zudem sind die in den Stellenanzeigen genannten Beträge Tarifmindestgehälter mit 1 Jahr berufserfahrung, in der Regel wrd um 50% bis 100% mehr bezahlt. Sollte die Frauenduskriminierung bei den Gehältern beseitgen, dass das Mndestgehalt der Position genannt werdn muss. Zudem gibt es in Österreich noch Berufe wie Maurer die auch mehrheitlich von Österrechern erlernt werden und nicht von Werksvertraglern aus Russland erledigt werden müssen. Die, auch sprachliche, Integration von Ausländern scheint mir im Gegensatz zu Deutschland gelungen!
cincinna 28.08.2013
3. Leben in A günstiger?
Schon mal die Lebenshaltungskosten von D und A verglichen? Schon mal in A im Supermarkt eingekauft? Dann wüssten Sie, lieber Kommentator Nr. 2, warum die Gehälter in A höher sind. Weil man sehr viel mehr Geld zum Leben braucht. Wie erklären Sie sich sonst die allsamstägliche Karawane österr. Autos, die im dt. Grenzgebiet die Supermärkte leerkauft?
inci2 28.08.2013
4.
Zitat von Prä MisseWer sich die diversen Stellenangebot in Österreich, speziell in Wien anschaut, wird feststellen, dass die Bruttogehälter selten über 2000,- € liegen. Für "normale" Jobs wird Matura verlangt. Berufe, die Fachhochschule benötigen, werden mit ca. 2200,-€ angeboten. Dafür würde hier kaum einer arbeiten gehen bei vergleichbaren Jobs.
Wo ist "hier"? In Deutschland verdient bei gleichen Jobangeboten 500€ bis 800€ weniger als Berufsanfänger.
der_hinterfrager 28.08.2013
5. optional
@#3 Das Leben in A ist günstiger. Ich wohne seid einem Jahr hier. Sie haben recht, dass die Lebensmittel und z.b. KFZ Steuern teurer sind. Das habe ich aber locker wieder durch das billigere Benzin und den Mietkosten (inkl. Nebenkosten) schnell wieder drin. Als Berufsanfänger hätte ich bei selben Nettogehalt in D 5000 brutto im Jahr mehr verdienen müssen. Das hätte mir in D kein Arbeitgeber bezahlt. Das Einzige, was ich hier wirklich vermisse ist gutes Bier aus Deutschland ;-)
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.