Neue Studie In Ganztagsschulen fehlen Millionen Plätze

Die Mehrheit der Eltern wünscht sich eine Ganztagsschule für ihr Kind - oft vergebens. Eine Studie der Bertelsmann Stiftung zeigt: In Deutschland fehlen rund 2,8 Millionen Plätze.

Ganztagsschule in Hamburg (Archiv): Fast jedes dritte Kind besucht ganztags eine Schule
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Ganztagsschule in Hamburg (Archiv): Fast jedes dritte Kind besucht ganztags eine Schule


Eltern wollen, Experten fordern, Politiker versprechen sie - trotzdem verlangsamt sich der Ausbau der Ganztagsschulen in Deutschland, zeigt eine am Donnerstag veröffentlichte Studie der Bertelsmann Stiftung. Daraus geht hervor: Im Schuljahr 2012/13 besuchte fast jeder dritte Schüler (32,3 Prozent) ganztags die Schule - die Nachfrage liegt allerdings deutlich darüber. "Der Ausbau der Ganztagsschulen muss beschleunigt werden", fordert deswegen Stiftungsvorstand Jörg Dräger.

Durchgeführt hat die Analyse "Ganztagsschulen in Deutschland: Die Ausbaudynamik ist erlahmt" - wie schon im Jahr zuvor - der renommierte Bildungsforscher Klaus Klemm. Schon damals monierte die Stiftung den stockenden Ausbau und plädierte für einen Rechtsanspruch auf Ganztagsschulen, eine Forderung, die sie nun wiederholt. Das sei der entscheidende Hebel für einen bedarfsorientierten Ausbau in Deutschland, sagte Dräger.

Dabei gab es eine Zeit in Deutschland, in der das Angebot stark wuchs: Zwischen 2003 und 2009 förderte die Bundesregierung im Rahmen des Programms "Zukunft Bildung und Betreuung" den Ausbau mit vier Milliarden Euro. In dieser Zeit kamen pro Jahr rund 175.000 Plätze dazu, schreibt Bildungsforscher Klemm. Seitdem das Programm ausgelaufen ist, sind es jährlich nur noch rund 104.000 Ganztagsschüler mehr.

Wo gibt es die meisten Ganztagsschulen? (Größere Ansicht? Bitte auf's Bild klicken.)
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Wo gibt es die meisten Ganztagsschulen? (Größere Ansicht? Bitte auf's Bild klicken.)

Zu wenig, um den Bedarf zu decken: Klemm beruft sich auf die Jako-Bildungsstudie, wonach sich 70 Prozent der Eltern einen Ganztagsplatz für ihr Kind wünschen. Dementsprechend würden in Deutschland derzeit 2,8 Millionen Plätze fehlen.

Allerdings unterscheidet sich das Angebot von Bundesland zu Bundesland erheblich: In Sachsen besuchten im vergangenen Schuljahr 79,1 Prozent eine Ganztagsschule, in Bayern nur 12,4 Prozent. Würden die fehlenden Plätze in Deutschland peu à peu geschaffen, kostet das jährlich 1,7 Milliarden Euro zusätzlich, berechnet Klemm.

Grafik: Wo besuchen die meisten Schüler eine Ganztagsschule?
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Grafik: Wo besuchen die meisten Schüler eine Ganztagsschule?

Zwar steht in der Präambel des Koalitionsvertrages von CDU/CSU und SPD: "Ausbau und Qualität von Kitas und Ganztagsschulen verbessern den Bildungserfolg der Kinder." Allerdings darf der Bund derzeit in Schulen gar nicht dauerhaft investieren, das verhindert das sogenannte Kooperationsverbot, das mit der Föderalismusreform im Jahr 2006 festgeschrieben wurde. Um das wieder zu lockern, muss das Grundgesetz geändert werden. Darüber wird streiten Bildungspolitiker seit langem.

fln

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insgesamt 35 Beiträge
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Seite 1
auf_dem_Holzweg? 03.07.2014
1. Deutschland ist hier leider sehr rückständig
und geht weiterhin nicht auf die Bedürfnisse der Familien ein. Frankreich kann das. Spanien auch. Kinder sind in Deutschland zwar erwünscht, sie dürfend den Staat aber nichts kosten. Da man heutzutage 2-3 Jobs braucht um eine vierköpfige Familie über Wasser zu halten müssen beide arbeiten gehen. Die "Nachmittagsbespassung" der Kinder ist dann natürlich auf Privatrechnung zu begleichen. Danke liebe Politiker, daß ihr das genauso seht. Es sind die Familienminister, die hier gefordert sind, aber die sehen das Problem nicht, da ihre Kinder sicherlich in einer Ganztagsschule sind.
BeatDaddy 03.07.2014
2. Haltet
Eure Ausgaben im Zaum, dann muss der zweite Partner nicht Vollzeit arbeiten gehen! Und Alleinstehenden kann ich nur raten: versucht einfach mal Kompromisse einzugehen, dann habt ihr auch wieder einen Partner, mit dem man durchs Leben gehen und Kinder großziehen kann, ohne das diese eigentlich nie zu Hause sind! Dann braucht man auch keine 2,8 Millionen Ganztags-Schulplätze...
skaiser5 03.07.2014
3. Irres Lobbying
Zitat von sysopSPIEGEL ONLINEDie Mehrheit der Eltern wünscht sich eine Ganztagsschule für ihr Kind - oft vergebens. Eine Studie der Bertelsmann Stiftung zeigt: In Deutschland fehlen rund 2,8 Millionen Plätze. http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/ganztagsschulen-zu-wenig-plaetze-laut-bertelsmann-stiftung-a-978785.html
Was den Eltern fehlt, sind nicht Ganztagsschulplätze, sondern den meisten fehlt schlicht das Geld. Deshalb müssen beide Eltern voll arbeiten. Viele Eltern würden sich gern mehr um ihre Kinder kümmern, aber die Einkommen sind extrem niedrig, Abgaben und Mieten steigen und steigen dank der Europa-Politik der Bundesregierung. Es ist kaum möglich, mehr als einzwei Kinder groß zu bekommen, wenn man nicht leitender Angestellter ist. Ohne Erbschaft bleibt man arm, Vermögen kann nicht aufgebaut werden. Was fehlt, sind nicht Ganztags-Schulplätze, sondern eine Einkommenspolitik, die es erlaubt, dass Mütter oder Väter halbtags arbeiten, um sich am Nachmittag (gern!) um ihre Kinder zu kümmern... Dies hier ist eine typische Studie um Auftrag vermeintlich fortschrittlicher Menschen, die im Grunde aber nichts weiter als Industrie-Lobbying ist, um die billigen Arbeitskräfte noch besser nutzen zu können. Wir fragen uns alle, warum die Deutschen immer weniger Kinder bekommen? Hier ist eine der Antworten: Weil es ein Armutsrisiko ist! Mehr staatliche Betreuung brauchen die wenigsten Deutschen!...
evilbernd 03.07.2014
4. könnten
Zitat von sysopSPIEGEL ONLINEDie Mehrheit der Eltern wünscht sich eine Ganztagsschule für ihr Kind - oft vergebens. Eine Studie der Bertelsmann Stiftung zeigt: In Deutschland fehlen rund 2,8 Millionen Plätze. http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/ganztagsschulen-zu-wenig-plaetze-laut-bertelsmann-stiftung-a-978785.html
Eltern hier bitte mal kurz posten, ob sie wirklich Ganztagsschulen für die Kinder wollen? Die Erfahrungen in meinem persönlichen Umfeld widersprechen nämlich dieser Aussage. Da hört man eher: Kinder haben viel Stress, keine Freizeit, können nicht in den Sportverein usw.
g_bec 03.07.2014
5. Na klar
Zitat von BeatDaddyEure Ausgaben im Zaum, dann muss der zweite Partner nicht Vollzeit arbeiten gehen! Und Alleinstehenden kann ich nur raten: versucht einfach mal Kompromisse einzugehen, dann habt ihr auch wieder einen Partner, mit dem man durchs Leben gehen und Kinder großziehen kann, ohne das diese eigentlich nie zu Hause sind! Dann braucht man auch keine 2,8 Millionen Ganztags-Schulplätze...
Auf die Idee, dass man arbeiten gehen MÖCHTE, um nicht als Hausfrau zu verblöden und vom Mann abhängig zu sein, sind Sie aber schon einmal gekommen oder? Und gerade die Hausmuttis sind die schlimmsten Helikoptermamas, die die oft angeprangerten lebensuntüchtigen und egoistischen Blagen heranzüchten.
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