Gebühr fürs Schulklo Wer's schön will, muss zahlen

In einer badischen Realschule sollen Schüler für den Klobesuch künftig zehn Cent bezahlen. Eine Klasse hatte die Toiletten für ein Wirtschaftsprojekt verschönert und soll nun auch abkassieren. Wer nicht kann, dem bleibt das Standardklo. Eltern sind erbost, die Schule verteidigt den Obolus-Lokus.

Modell "Sanifair"? An einer badischen Schule müssen Schüler bald auch zahlen
DPA

Modell "Sanifair"? An einer badischen Schule müssen Schüler bald auch zahlen


Die Leiterin der Gertrud-Luckner-Realschule im südbadischen Rheinfelden muss derzeit ihre Schultoiletten verteidigen. Nicht, weil sie besonders hässlich, sondern weil sie besonders hübsch sind. Der Haken an der Geschichte: Nicht das zuständige Schulamt oder die Stadt Rheinfelden hatte für bessere Sanitäranlagen gesorgt, sondern Schüler der 8c der Realschule übten sich im Renovieren.

Im Rahmen eines Wirtschaftsprojektes nahmen sich die Schüler sechs Toilettenanlagen vor und gestalteten sie neu. Die Ausstattung der verbesserten Schulklos: hochwertige Handtücher, eine Spiegelwand in der Mädchentoilette und Duftspray. Weil es all das nicht umsonst gibt, müssen die Schüler fortan zahlen, wenn sie die schönen Toiletten benutzen wollen: Zehn Cent kostet nach den Pfingstferien das Geschäft. Wer nicht zahlen will oder kann, dem bleibt eine Alternative, die alten unrenovierten Schultoiletten.

Lehrstunde in Marktwirtschaft: Nichts ist umsonst, auch nicht Aufs-Klo-Gehen

Ob es dauerhaft bei der Zwei-Klassen-Gesellschaft auf dem Klo bleibt, will die Schule nach den Sommerferien entscheiden. Mit der Pinkelmaut sollen die Schüler ihre Ausgaben refinanzieren, das sei bei den Projekten so üblich, sagt die Schulleiterin Birgit Barth der "Badischen Zeitung". Mit den Projekten unter dem Titel WVR - Wirtschaften, Verwalten, Recht - sollen Schüler lernen, dass sich mit ihren Leistungen auch Einnahmen erzielen lassen. Für gewöhnlich produzieren die Klassen T-Shirts und andere Werbemittel für die Schule und verkaufen diese, berichtet die "Badische Zeitung".

Die unfreiwillige Botschaft des Bezahl-Lokus, dass im Leben eben nichts umsonst ist, nicht mal das Aufs-Klo-Gehen für Schulkinder, ärgert nun einige Eltern: Die Aktion beweise, dass bei den Schultoiletten offensichtlich Handlungsbedarf bestehe, sagte ein Vater dem "Südkurier". Es könne nicht sein, dass Schüler beim Toilettengang zur Kasse gebeten werden. Andere Eltern kritisieren, dass die Schüler eine Aufgabe übernehmen, für die die Stadt als Schulträger verantwortlich ist. Wenn Schüler schon selbst renovieren, dann sollten die Materialkosten übernommen und nicht von den Mitschülern eingesammelt werden. Toilettenanlagen seien für Wirtschaftsprojekte vermutlich das "pädagogisch falsche Projekt", zitiert die "Badische Zeitung" einen Elternteil.

Schulleiterin Barth war für SPIEGEL ONLINE in der Angelegenheit Bezahlklo am Mittwoch nicht zu sprechen. Der "Badischen Zeitung" sagte sie, sie könne die Aufregung zwar "ein Stück weit" verstehen, schließlich handele es sich bei der Schule um einen öffentlichen Raum. Ein "Politikum" sei das Toilettenprojekt trotzdem nicht. Sie ziehe den Hut vor den Schülern, die gemeinsam mit den Lehrern wochenlang an den Klos gearbeitet hätten. Zur Seite sprang ihr auch Rheinfeldener Hauptamtsleiterin Ingrid Aßfalg. Es sei nicht die Aufgaben der Stadt, für "Plüschqualität" beim Toilettenpapier zu sorgen, sagte sie der "Badischen Zeitung".

fln/dpa



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