Ungleiche Bezahlung Aufstand der Grundschullehrer

Sie verdienen bis zu 1500 Euro weniger pro Monat als ihre Kollegen an Gymnasien - und wollen nun in eine höhere Besoldungsstufe: Bundesweit kämpfen Grundschullehrer für mehr Geld. Einige Länder konnten sie schon überzeugen.

Lehrer in Bad Waldsee (Baden-Württemberg) fordern eine Besoldung nach A13
GEW BW

Lehrer in Bad Waldsee (Baden-Württemberg) fordern eine Besoldung nach A13


Ricarda Kaiser, 41, findet ihr Gehalt ungerecht. Sie arbeitet seit 18 Jahren als Grund- und Hauptschullehrerin, in Baden-Württemberg wird sie dafür nach der Besoldungsgruppe A12 bezahlt - und das bedeutet derzeit mindestens 3500 Euro brutto im Monat. Ein Lehrer an einem Gymnasium bekommt mindestens 600 Euro mehr. Da die Summe in den einzelnen Besoldungsgruppen je nach Dienstzeit und Lebensumständen steigt, kann die Spanne im Extremfall sogar bis zu 1500 Euro monatlich betragen.

Beim Lehramt für Gymnasien liegt der Schwerpunkt auf den Unterrichtsfächern, das Studium dauert in der Regel ein Jahr länger. Aber rechtfertigt das eine lebenslang bessere Bezahlung?

An Gemeinschaftsschulen verdienen ausgebildete Grund- und Hauptschullehrer weniger Geld als ausgebildete Real- oder Gymnasiallehrer, "obwohl sie dieselben Kinder unterrichten", ärgert sich Kaiser. Einige ihrer Kollegen bildeten gerade neue Lehrer für die Sekundarstufe II aus, "die mehr verdienen als sie selbst". Zudem seien die Aufstiegschancen in den einzelnen Besoldungsgruppen für Grundschullehrer viel geringer als für Kollegen an Gymnasien.

Wettbewerb zwischen den Bundesländern

Wie viel Geld Lehrer bekommen, entscheidet jedes Bundesland selbst. Die Bildungsgewerkschaft GEW fordert seit Längerem eine einheitliche Bezahlung für Lehrer, unabhängig davon, an welcher Schule sie unterrichten.

Berlin und Brandenburg haben bereits reagiert. In beiden Bundesländern werden nun auch Grundschullehrer nach A13 für Beamte und nach E13 für Angestellte bezahlen. Laut GEW ist die Gehaltserhöhung aber noch längst nicht bei allen angekommen. Ausnahmen gibt es zum Beispiel für Lehrer, die ihre Ausbildung in der DDR gemacht haben.

Aber auch andere Bundesländer geraten wegen des wachsenden Lehrermangels bei der Bezahlung unter Druck. So versucht etwa Berlin, Lehrer mit dem Spruch: "Wir zahlen besser!" abzuwerben. Nordrhein-Westfalen hat schon angekündigt, die Besoldungsstufen anzugleichen.

In anderen Bundesländern wie Baden-Württemberg wird es dagegen wohl vorerst bei der ungleichen Bezahlung bleiben, zumindest für Grundschullehrer. Lehrkräfte für Haupt-, Werkreal- und Realschulen sollen in Zukunft wie Gymnasiallehrer besoldet werden - müssen dafür ab Wintersemester 2015/16 aber auch zehn statt acht Semester studieren, heißt es auf Anfrage des SPIEGEL.

Zudem sollen 5000 Hauptschullehrer, die in Baden-Württemberg an Realschulen oder Gemeinschaftsschulen unterrichten, weiterqualifiziert und dann nach A13 besoldet werden. Alle Grund- und Hauptschullehrer Baden-Württembergs in die Besoldungsgruppe A13 einzustufen, sei finanziell nicht umsetzbar, heißt es vom Ministerium für Kultus, Jugend und Sport. Und eine höhere Besoldung löse auch den bundesweiten Lehrermangel nicht.

"Die Grundschullehrer sollen auch etwas vom Kuchen bekommen"

Ricarda Kaiser sieht das anders: Eine faire Bezahlung könne dem Lehrkräftemangel gerade an Grundschulen entgegenwirken und den Job auch für Männer attraktiver machen, meint sie.

Besonders eklatant sei die unfaire Bezahlung bei Schulleitern. "Ein Grundschulleiter bekommt meist nur eine Zulage von 150 Euro im Monat, muss aber noch weiter unterrichten. Und wenn es keinen Hausmeister gibt, muss der Schulleiter auch schon mal Schnee schippen und das Klopapier wechseln", sagt Kaiser.

Der Ärger über die ungerechte Bezahlung ist ein Grund, warum sich Kaiser seit Jahren im Personalrat und in der GEW engagiert. Derzeit hat sie gemeinsam mit der GEW mehrere Protestaktionen gestartet. In dieser Woche besucht sie beispielsweise mehrere Schulen und verteilt dort Gebäck mit der Aufschrift "A13". "Die Grundschullehrer sollen schließlich auch etwas vom Kuchen bekommen", sagt sie.



insgesamt 198 Beiträge
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newliberal 30.11.2017
1. Ich lach micht tot,
wenn ich das Material sehe das auf unsere Kinder losgelassen wird. So durfte ich in der ersten Klasse den Kommentar der Lehrerin unter den Hausarbeiten meines Sohnes zur Kenntnis nehmen "Leider viel es dir schwer..." Genau so, ich habe es nicht geglaubt, gleich gescannt und an alle Freunde und Verwandte geschickt - die denken nämlich sonst man übertreibt. Erst mal die deutsche Rechtschreibung verinnerlichen, dann Forderungen stellen !
ichbinnurich 30.11.2017
2. Ein Jahr länger
Woher kommt diese Information? Ich studiere aktuell an der Uni Bielefeld und dort studieren Gym/Ge Lehrämtler genauso lang wie alle anderen Lehramtsstudenten. Andere Aussagen bzgl. anderer Universitäten sind mir nicht bekannt.
karatekid 30.11.2017
3. Nicht so kurzschlüssig bitte!
"In anderen Bundesländern wie Baden-Württemberg wird es dagegen wohl vorerst bei der ungerechten Bezahlung bleiben, zumindest für Grundschullehrer." In einem berichtartig daherkommenden Text muss das "ungleich" heißen, nicht "ungerecht". Gleiches kann nämlich ungerecht sein. Die häusliche Arbeitszeit liegt in Primarstufe und Sek I um Welten unter der Arbeitszeit für Sek II. Dafür braucht es einen Ausgleich. Allerdings sieht die Arbeitszeit auch zwischen den Fächern sehr ungleich aus. Und das finde ich persönlich ungerecht.
womo88 30.11.2017
4. Alles Firlefanz!
Ich war lange genug an ener Beruflkichen Schule. Als nächstes klagen dann die Gymnasiallehrer, weil sie unterschiedlich bezahlt werden, zumindest in Hessen. Da erhält der Studienrat A 13 und der Oberstudienrat A 14, aber nicht heder Studienrat kann an einer Schule Oberstudienrat werden, weil es für jede Schule nur eine begrenzte Menge an Oberratsstellen gibt. Früher wurde das Problem so gelöst: Wer am längsten da war, wurde Oberrat. Inzwischen ist es ja so, dass man als Oberrat noch eine Zusatzaufgabe benötigt. Man kann also z. B. vom Studienrat zum Oberstudienrat aufsteigen, wenn man für den Kopierraum verantwortlich ist. Die Verantwortlichkeit konzentriert sich darauf, darauf zu achten, dass genügend Papier vorhanden ist und den Service zu rufen, wenn mal ein Kopierer ausfällt ...
Zottelbär 30.11.2017
5. Es wird Zeit
Eine Anhebung der Grundschullehrerbesoldung ist vernünftig. Eine entsprechende Erhöhung wird zwar schon länger gefordert, aber erst jetzt, wo die Not immer größer wird, scheint man aufzuwachen. Der Lehrerjob allgemein ist, nicht zuletzt wegen des starken Zuzugs u. a. aus dem Mittelmeerraum und dem Nahen und Mittleren Osten, seit ein paar Jahren nicht einfacher geworden. Es ist somit nur gerecht, wenn auch für Lehrer an den hiesigen Schulen etwas abfällt.
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