Ehemalige Leistungssportlerin "Aus dem Unterricht ist wenig hängengeblieben"

Im Profisport habe sie mehr gelernt als in der Schule, sagt Steffi Burkhart. Die 32-Jährige sieht sich als Sprachrohr der Generation Y - und plädiert für Schulfächer wie "Glück" oder "Verantwortung".

Steffi Burkhart
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Ein Interview von


SPIEGEL ONLINE: Frau Burkhart, Sie sprechen an diesem Freitag auf dem Deutschen Schulleiterkongress in Düsseldorf vor Rektoren aus dem ganzen Land darüber, was Schule leisten müsste. Wo hapert es in Ihren Augen?

Steffi Burkhart: Es geht mir nicht darum, gegen Schulen oder Lehrer zu schießen. Aber die Wirtschaft braucht dringend mehr Nachwuchskräfte, die wissen, was sie wollen und können: junge Menschen, die Verantwortung übernehmen und kreativ denken, die motiviert sind und gleichzeitig teamfähig. Doch diese Fähigkeiten vermitteln die Schulen zu wenig. Dort geht es vor allem um Noten und Versetzungen, die Lehrer kontrollieren und weisen an. In einem solchen System kann man Kinder nicht ausreichend individuell fördern.

Zur Person
    Steffi Burkhart, Jahrgang 1985, versteht sich als Botschafterin der Generation Y, also der zwischen 1980 und 2000 Geborenen. Sie hält hauptberuflich Vorträge in deutschen Firmen und arbeitet nebenbei als Publizistin und Dozentin für Wirtschaftspsychologie an Kölner Hochschulen. Bis 2001 war sie elf Jahre lang als Leistungssportlerin in Rhythmischer Sportgymnastik aktiv.

SPIEGEL ONLINE: Dabei versuchen viele Lehrer genau das: Jedem Schüler gerecht zu werden. Manche Schulen haben sich dafür völlig neue Konzepte ausgedacht.

Burkhart: Ja, es gibt Leuchtturmprojekte. Doch das Korsett unseres Bildungssystems ist trotzdem zu eng. Die Schulen müssten Kinder viel mehr mitentscheiden lassen, was und wie sie lernen wollen. Nur so können sie üben, eigenständig Lösungen zu entwickeln und sozial zu handeln.

SPIEGEL ONLINE: Wie kann das aussehen?

Burkhart: Es gibt an Schulen bereits Schulfächer wie "Verantwortung übernehmen" oder "Herausforderungen meistern" oder das Schulfach "Glück". Das sind großartige Ansätze, denn darin lernen Kinder, dass sie ihrem eigenen Weg folgen müssen. Wir müssen Schülern mehr Freiräume geben, damit sie experimentieren und kreativ arbeiten können - ohne Noten und Bewertung.

Quiz: Das Fach gibt's nicht. Oder doch?

SPIEGEL ONLINE: Dass sie sich auch Wissen aneignen müssen, ist zweitrangig?

Burkhart: Das Fachwissen, welches wir für die Arbeitswelt brauchen, verändert sich ständig. Und junge Menschen wechseln in ihrem Berufsleben häufig ihren Job. Deshalb ist es wichtiger zu lernen, wie man sich schnell in neue Themen einarbeitet.

SPIEGEL ONLINE: Bildungsexperten und Politiker fordern seit Langem, Schulen digital besser auszustatten. Wie wichtig ist Ihnen das?

Burkhart: Das ist ein Pfeiler, der in den Unterricht integriert werden muss. Schüler müssen die Technik anwenden lernen, und mehr als das: Viele Unternehmen haben große Schwierigkeiten, Mitarbeiter zu finden, die die digitalen Märkte verstehen und vorantreiben und neue Geschäftsmodelle entwickeln.

SPIEGEL ONLINE: Wie schlimm war Ihre eigene Schulzeit?

Burkhart: Ich war ein hibbeliges Kind und konnte schwer stillsitzen. Meine Noten waren nicht besonders gut, und aus dem Unterricht damals ist wenig hängen geblieben. Der Erfolg, den ich jetzt habe, hat mit Schule nichts zu tun. In meinen elf Jahren als Leistungssportlerin habe ich mehr gelernt, zum Beispiel Disziplin, Ehrgeiz, Selbstmotivation.



insgesamt 31 Beiträge
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Seite 1
pressionist reloaded 09.03.2018
1. In der Schule wir Allgemeinbildung vollzogen ...
... und die soll nun auch noch geopfert werden ... damit die Leute noch dümmer und noch mehr der Manipulation des Systems ausgeliefert sind ohne Hinterfragen zu können. Sekundärtugenden kommen zuallererst von zu Hause. Und glücklich werde ich, wenn ich etwas Erschaffen kann. Ich glaube in diesem Interview wird der Bock zum Gärtner gemacht. Solche unqualifizierten und unsausgewogenen Interviews kann spiegel sich sparen. Ich bin auch kein Freund von Frontalunterricht und habe für das Kind auch einen modernen Schultyp gewählt. Aber dennoch ... die Basis müssen Fächer sein, die zum Verstehen und Verändern unserer Umgebung beitragen. Glück und Verantwortung kommen dann von ganz allein!
td66 09.03.2018
2. Irgendwas mit Medien
Ich nehme mal an Frau Steffi Burkhart macht irgendwas mit Medien. Soviel Erfahrung wie die im Profisport gemacht hat, muss einfach für Industrie 4.0 geeignet sein. Denn junge Menschen wechseln sehr oft Ihren Job (ah ja?). Die Schulend sollten weider merh darauf achten, dass Kinder Rechtschreibung, Mathematik und Naturwissenschaft lernen. Da kommt das Glück von ganz alleine!
grommeck 09.03.2018
3. Hier kann man gut sehen und lesen wie das Bildungssystem versagt hat.
Schulfach „Verantwortung übernehmen“...... Geht’s noch! Nicht lesen und schreiben können, von Geschichte keine Ahnung, von Mathe nur addieren wenn’s geht und Rio liegt am Schwarzen Meer, weil Erdkunde ist auch unwichtig. Was für eine Blödsinn.
werdercale 09.03.2018
4.
Nachwuchskräfte, die wissen, was sie wollen und können: Sieht aus wie 16 und spricht wie eine 12 jährige. Woher sollen die gerade aus der Schule entlassenen wissen was sie wollen ? Das wissen sie oft mit Mitte 20 noch nicht. Armes Deutschland, ich fürchte um meine Rente.
t_mcmillan 09.03.2018
5.
Schön, dass sie in ihrer Zeit als Profilsportlerin so viel gelernt hat. Aber alles hat seine Zeit. Und die Schule ist für anderes Lernen da. Für die Lehrer wird ihr Vortrag ein Pflichttermin sein. Ich glaube nicht, dass die Schüler sich von ihr wirklich vertreten sehen. "die Wirtschaft braucht dringend mehr Nachwuchskräfte, die wissen, was sie wollen und können: junge Menschen, die Verantwortung übernehmen und kreativ denken, die motiviert sind und gleichzeitig teamfähig." Um zu wissen, was man kann, muss man erst mal etwas lernen. Auch Verantwortung würde ich nicht einem Jungspund, der sich vor allem für kreativ und motiviert hält, übergeben. Die Knochentour von unten oder eine - nach traditionellen Maßstäben - fundierte Ausbildung (mit oder ohne Studium) wirkt irgendwie solider. Ist aber natürlich uncool. Mit ihrem kreativen Nichtswissen kann man sicher manchen gut machen. Meine ich völlig unironisch. Aber für die meisten wird der Weg über die Ausbildung besser sein.
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