Gewichtheberin Julia Schwarzbach Deutschlands stärkste Auszubildende

Sie hält mit 193 Kilo den deutschen Rekord im Gewichtheben: Damit ist Julia Schwarzbach, 25, Deutschlands stärkste Auszubildende. Bei der WM in Kasachstan stemmte sie 182 Kilo mit blutender Hand - und verhalf ihrem Team zur Olympia-Quali.

DPA

Erfolg hatte Gewichtheberin Julia Rohde schon: Vize-Europameisterin von 2011, deutsche Meistertitel, nationale Rekorde. Für einen weiteren, inoffiziellen Titel musste sie sich nicht mal anstrengen. In London 2012 und vier Jahre zuvor in Peking war sie "schönste Gewichtheberin" der Olympischen Spiele.

Damals war Rohde noch Sportsoldatin und lebte vom und für das Gewichtheben. Heute ist der Sport nur noch eine Nebenbeschäftigung, eine Art reichlich anstrengedes Hobby: Hauptberuflich ist die 25-jährige und gerade 1,55-Meter-große Sächsin, Auszubildende in einem Heidelberger Krankenhaus, sie will medizinische Fachassistentin werden. Gewichte von mehr als 100 Kilo stemmt sie nur noch, wenn es der Lehrberuf zulässt.

Seit Februar heißt die Leistungssportlerin nicht mehr Rohde, sondern Schwarzbach. Sie heiratete ihren langjährigen Freund und Gewichtheber-Kollegen Tom Schwarzbach, Europameister im Stoßen 2012. Nicht nur ihr Nachname und Beruf, auch das Aussehen von Julia Schwarzbach hat sich stark verändert: Die Haare sind nicht mehr blond und lang, sondern rotbraun und kurz. "Als sie mir vor einiger Zeit in der Gewichtheberhalle Hallo sagte, habe ich sie erst gar nicht erkannt", gesteht der frühere Frauen-Trainer Thomas Faselt, der jetzt die Nachwuchsathleten ausbildet.

"Die Ausbildung hat natürlich Vorrang"

Am Montag war Schwarzbach bei den Weltmeisterschaften im kasachischen Almaty angetreten und erlebte einen Tiefschlag: Sie riss sich die rechte Hand an der Hantel auf. Mit stark blutender Wunde setzte sie den Wettkampf fort und kam in ihrer Gewichtsklasse bis 53 Kilogramm auf 182 Kilo im Zweikampf - Platz 15. Das reichte für elf Punkte in der deutschen Olympia-Qualifikation für Rio. "Toll, dass sie durchgehalten hat", sagt Bundestrainer Oliver Caruso. Zum ihrem deutschen Rekord (193 kg), mit dem sie in London Olympia-Elfte wurde, fehlten in Almaty trotzdem einige Kilo.

Die Ausbildung habe für sie natürlich Vorrang, sagt Schwarzbach. "Ich muss bis 20.30 Uhr arbeiten. Da habe ich für Training einfach nicht mehr so viel Zeit." Übrig geblieben ist nur noch die Hälfte des früheren Übungspensums, als sie geförderte Sportsoldatin war. "Jule hat jetzt schwere Bedingungen", sagt Caruso. "Zuletzt mussten wir sonntags trainieren."

Wenn die Nationalmannschaft zu Lehrgängen fährt, kann Julia Schwarzbach meist nicht mit. "Einmal war sie für vier Tage dabei. Dafür musste sie Urlaub nehmen", sagt Caruso. Für die WM zeigte sich die Klinik großzügig, bewilligte eine Freistellung. Schwarzbach hätte auch zu Hause bleiben können, um sich in ihre Schulbücher zu vertiefen. "Ich will den Mädels helfen, dass sie bei Olympia in Rio dabei sein können", sagt sie. Ziel ist, zwei Frauen nach Rio zu entsenden.

Als einzige Frau in der Leimener Männer-Trainingsgruppe fühle sie sich pudelwohl, sagt sie. In der Frauen-Gruppe sei früher reichlich gezickt worden. "Jule ist ausgeglichener geworden", sagt Faselt. "Und es ist noch etwas anders: Heute steht sie in der Halle, weil sie es will."

Mit Ehemann Tom bildet sie ein kräftiges Duo. "Cool, jetzt sind wir das stärkste Ehepaar Deutschlands", sagt sie. Beide holten bei den deutschen Meisterschaften den Titel. "Sie treiben sich gegenseitig an", sagt Caruso. In Almaty ging das nicht. Als Julia Schwarzbach am Mittwoch nach Hause flog, machte sich ihr Mann erst auf den Weg.

Fotostrecke

11  Bilder
Olympioniken als Studenten: Höher, schneller, weiter?

Franko Koitzsch/dpa/fln

insgesamt 14 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
chrissie 15.11.2014
1. warum sollen sich junge Frauen....
... oder junge Männer die Wirbelsäule und die Bänder und den ganzen Körper kaputtmachen um Metallplatten hochzuheben. Was ist das für ein Schwachsinn?
mangeder 15.11.2014
2. Früher oder später...
...Dopen sie in dieser kranken Sportart alle! Je professioneller und exzessiver man das betreibt, desto unausweichlicher wird es, sich den Körper zu ruinieren.
chrisks1991 15.11.2014
3. Spaß?
vermutlich, weil es ihnen Spaß macht. Ein Faktor den viele anscheinend nicht nachvollziehen können, sofern jemand ein Hobby hat, welches nicht das eigene ist. Und abgesehen davon wird sie vermutlich länger "fit" sein als die meisten ihrer übergewichtigen Altersgenossen.
xfüru 15.11.2014
4.
Zitat von chrissie... oder junge Männer die Wirbelsäule und die Bänder und den ganzen Körper kaputtmachen um Metallplatten hochzuheben. Was ist das für ein Schwachsinn?
Halten sie es für sinnvoller, die Knie und Bänder beim Fußball oder Skifahren hinzurichten, oder schwebt ihnen eher gemütliches Verschimmeln vor dem TV vor?
Überfünfzig, 15.11.2014
5. Die selbe Frage....
Zitat von chrissie... oder junge Männer die Wirbelsäule und die Bänder und den ganzen Körper kaputtmachen um Metallplatten hochzuheben. Was ist das für ein Schwachsinn?
....können sie auch für die unzähligen Armaturkicker stellen, die jedes WE die Notaufnahmestationen der Krankenhäuser belegen, weil sie oft völlig untrainiert und dilettantisch über den Platz laufen und entweder über die eigenen Füsse stolpern oder per Blutgrätsche aus dem Spiel genommen werden. Ich betreibe seit fast 30 Jahren mehr oder weniger intensiv BB und bisher sind meine Gelenke und Bänder in bester Verfassung, sogar deutlich besser als das Gro meiner Altersgenossen..
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.