Mythos und Wahrheit Gibt Deutschland zu wenig für Bildung aus?

Inklusion, Ganztagsschulen, Integration: Viele Bildungsziele kosten viel Geld. Doch stimmt es, dass Deutschland in diesem Bereich mehr knausert als andere Staaten? Der Fakten-Check.

Von Susmita Arp

BWL-Vorlesung in Hildesheim. Deutschland investiert überdurchschnittlich viel Geld pro Student
DPA

BWL-Vorlesung in Hildesheim. Deutschland investiert überdurchschnittlich viel Geld pro Student


Lehrerverbände und Medien beklagen häufig, dass Deutschland im internationalen Vergleich viel zu wenig für Bildung ausgebe. Und ja: Während die OECD-Länder im Schnitt 6,1 Prozent ihres Bruttoinlandsproduktes (BIP) für diesen Bereich aufwenden, beträgt der Anteil in Deutschland lediglich 5,1 Prozent.

Auch bleibt die Bundesrepublik hinter den Zielen zurück, die sich Bund und Länder auf dem Dresdner Bildungsgipfel 2008 selbst gesteckt haben.

Doch das ist nur die halbe Wahrheit.

Denn: In Deutschland leben weit weniger junge Menschen als in anderen Staaten. Nur 30 Prozent der Einwohner hierzulande sind unter 30 Jahre alt - und damit im typischen Alter für Kitas, Schulen oder Universitäten. Im Durchschnitt der 34 OECD-Länder, die der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) angehören, sind es dagegen 39 Prozent.

Um richtig vergleichen zu können, sollte man sich daher auch die nationalen Bildungsausgaben pro Schüler und Student anschauen - und die liegen in Deutschland 15 Prozent über dem OECD-Schnitt. So gab der deutsche Staat im Jahr 2011 umgerechnet 10.904 US-Dollar pro Schüler und Student aus - und damit nur einen Dollar weniger als das Bildungsvorzeigeland Finnland.

Diese Pro-Kopf-Ausgaben öffentlicher und privater Geldgeber verteilen sich bei uns allerdings etwas anders als in anderen Staaten. Überdurchschnittlich sind Deutschlands Investitionen in den Bereichen Kita, Oberstufe, berufliche Ausbildung und Studium. Unter dem OECD-Durchschnitt bleiben die Ausgaben für Grundschüler (- 8,6 Prozent) und für Fünft- bis Zehntklässler (-1,4%).

Ein Grund für die vergleichsweise niedrigen Investitionen in Schüler der Klassenstufen 1 bis 10 könnte sein, dass andere Staaten mehr Ganztagsschulen anbieten. Dies legt zumindest eine andere OECD-Statistik nahe: Vergleicht man die reinen Bildungsdienstleistungen - lässt also Ausgaben für Angebote wie Schulbusse oder Kantinen außer Acht - sind Deutschlands Pro-Kopf-Ausgaben für Erst- bis Zehntklässler nämlich wieder durchschnittlich.

Fazit: Deutschlands Bildungsausgaben sind in den vergangenen Jahrzehnten kontinuierlich gestiegen. Pro Schüler und Student investiert Deutschland mehr als viele andere OECD-Staaten. Ob das reicht, ist eine andere Frage. Denn es stehen gewaltige Aufgaben wie der Ausbau der Ganztagsschulen, die Inklusion, der Krippenausbau und die bessere Förderung von Migrantenkindern an.



Forum - Diskussion über diesen Artikel
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spon-facebook-10000061989 08.11.2015
1.
USA auf Platz1 der Bildungsausgaben. Das zeigt schon, wie viel man von den Werten halten kann. Ich schau mir da lieber die kaputten und verkommenen Schulen hier im Landkreis an und weiß bescheid. Woher solls auch kommen, wenn man die Unternehmenssteuern halbiert und Löhne senkt.
marthaimschnee 08.11.2015
2.
Die USA sind eigentlich ein einziger Witz in dieser Grafik, denn daß dort überdurchschnittlich viel in Bildung investiert wird zeugt nicht von Qualität und Engagement, sonder liegt daran, daß Bildung dort überdurchschnittlich teuer ist.
dd1962 08.11.2015
3. Derzeit nicht schlecht
Ich denke derzeit ist unser Bildungssystem recht gut aufgestellt. Interessant wird sein, wie es in ein bis zwei Jahren aussieht. Ob unser Bildungssystem in der Lage sein wird die neuen Herausforderungen durch die notwendige Integration von Flüchtlingen zu meistern. Dabei sehe ich Problem weniger bei den finanziellen Mitteln. Die Frage ist, wie des personell gestemmt werden kann. Lehrer in der Schule taugen nicht unbedingt auch für die Erwachsenenbildung. Und ohne fundierte Kenntnisse der Deutschen Sprache sind die Aussichten auf dem Arbeitsmarkt gleich Null.
andreaslocker 08.11.2015
4. verbeamtete Lehrer
An der Tabelle sieht man, dass die „besseren“ Länder vorne sind. Nach uns kommen Frankreich, Spanien, Korea, Estland und Tschechien. Wir könnten mit dem eingesetzten Geld sicher viel mehr erreichen, wenn der Beamtenstatus des Lehrkörpers aufgegeben würde und Bildung in einen vernünftigen Wettbewerb treten würde. Im Übrigen würde dies auch den politischen Ämtern zu Gute kommen (siehe OB’s in Bonn).
merrailno 08.11.2015
5.
Und dieses Geld versickert wirkungslos in abstruse pädagogische Konzepte, die Bildung behindern statt zu fördern, in überbordende Verwaltung deren Mitarbeiter wenn sie denn mal tätig werden müßen sofort wegen Arbeitsüberlastung in den Streik treten, In einer verweiblichten Pädagogik in der das Gefühl, die Erziehung zum politisch korrektem Menschen die Hauptsache darstellt. In der albernen Ansicht das Ganztagesschulen und damit komplett strukturierter und verplanter Tagesplan die Leistungsfähigkeit erhöhe. Der Irrglaube das Recherche im Internet, Computer im Unterricht tatsächlich zu eigenständigem, selbstständigem Arbeiten führe, die Bedienung von Webbrowser und Maus, Wikipedia und Gesellschaftsnetzwerke zu digital natives führe. Informatik ist von Computern unabhängig zu begreifen, EDV gestützte Projekte seien es Datenbankmodelle, Programmiersprachen sind einzig Relevant im Unterricht, das Hausaufgaben ab dem 3. Schuljahr schon nicht mehr ohne PC erstellt werden können ein Armutszeugnis für Lehrer. Schule ist zu einem Tummelplatz durchgeknallter, sich schamlos überhöhender Erzieher und Betreuer verkommen in denen der Lehrstoff zum Leerstoff degeneriert.
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