Ländervergleich Bayerische Viertklässler im Noten-Stress

Grundschüler in Bayern müssen einen bestimmten Notenschnitt erreichen, um aufs Gymnasium zu wechseln. Das setzt sie unter Druck, wie ein Vergleich mit Hessen zeigt. Dort haben Eltern mehr Einfluss darauf, welche Schulen ihre Kinder besuchen sollen.

Bayerische Grundschüler (Archiv): Am meisten gestresst mit einem Notendurchschnitt von 2,6
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Bayerische Grundschüler (Archiv): Am meisten gestresst mit einem Notendurchschnitt von 2,6


Vier Jahre haben Kinder für die Grundschule Zeit. Dann entscheidet sich schon, wie ihr zukünftiger Bildungsweg vorerst aussieht - wer aufs Gymnasium gehen darf und wer nicht. Das setzt viele Grundschüler und auch ihre Eltern unter Druck, wie eine Studie der Universität Würzburg über die Verhältnisse in Bayern und Hessen ergab. Der Druck ist offenbar umso größer, je weniger die Eltern selbst über den Schulwechsel entscheiden können.

In Bayern etwa sind es die Lehrer der Grundschule, die Kinder anhand ihres Notendurchschnitts für eine weiterführende Schule empfehlen. In Hessen können die Eltern entscheiden, auf welche Schule sie ihre Kinder nach der vierjährigen Grundschulzeit schicken wollen. Eltern in Bayern fühlen sich durch die bindende Regelung gestresster als Eltern in Hessen, die sich nicht an die Empfehlung der Grundschullehrer halten müssen. Dies ergab die Studie, für die mehr als 1600 Eltern aus Bayern und Hessen gefragt worden sind, wie belastend für sie und ihre Kinder das Übertrittsverfahren ist.

Die Kinder erleben es ähnlich: In Bayern leiden Grundschüler am meisten unter Stress. Von der dritten bis zur vierten Klasse, in der die Empfehlungen der Lehrer näher rückt, steigt die Belastung "dramatisch" an, wie die Wissenschaftler herausgefunden haben.

In Bayern darf die Durchschnittsnote in den Fächern Deutsch, Mathematik sowie Heimat- und Sachkunde nicht schlechter als 2,3 sein, damit Lehrer die Kinder für das Gymnasium empfehlen können. Ein Schnitt schlechter als 2,6 reicht nur für eine Empfehlung für die Mittelschule (früher Hauptschule). Die Wissenschaftler haben untersucht, wie sehr diese Notendurchschnitte die Kinder beeinflussen. Dabei haben sie herausgefunden, dass Viertklässler mit einer Durchschnittsnote von 2,6 in ihrem letzten Zeugnis am stärksten unter Stress leiden.

In Hessen hingegen nimmt die Belastung der Eltern ab, wenn ihre Kinder in die vierte Klasse kommen. Sie sind auch insgesamt zufriedener mit der Übertrittsregelung in ihrem Bundesland.

kha



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