Schottische Schule schafft Hausaufgaben ab Ihr könnt nach Hause gehn!

Die Kinder sollen aus Freude ein Buch in die Hand nehmen, nicht aus Zwang: Eine Grundschule in Schottland macht Schluss mit den Hausaufgaben - auf Wunsch der Schüler und Eltern.

Kinder im Wald (Archivbild)
DPA

Kinder im Wald (Archivbild)


Und, was habt ihr heute auf? Hast du schon die Hausaufgaben gemacht? Was ist mit dem Deutschaufsatz? Den 175 Grundschülern - und deren Eltern - der Inverlochy Primary School in den schottischen Highlands bleiben diese Fragen von nun an erspart: Die Schule hat die Hausaufgaben abgeschafft.

Wie britische Medien berichten, hatte die Schule im vergangenen Jahr zunächst eine sechswöchige Testphase durchgeführt. Die Zeit sollten die Kinder dazu nutzen, zu spielen, zu lesen, was sie möchten oder anderen Hobbys nachzugehen, schreibt "The Times".

Nach der Testphase sollten Lehrer, Eltern und Schüler darüber abstimmen, wie es in Zukunft mit den Hausaufgaben an der Grundschule weitergeht. Knapp 80 Prozent der Schüler sowie rund 60 Prozent der Eltern stimmten laut "BBC" dafür, Hausaufgaben abzuschaffen. Von den zehn Lehrern waren fünf dafür und fünf dagegen.

Hausaufgaben sind in vielen Ländern hochumstritten, und immer mehr Schulen verabschieden sich von dem Konzept, wonach die Kinder zu Hause noch weiterüben und lernen müssen.

So haben jüngst in Spanien Familien der "Hausaufgabenflut" den Krieg erklärt und wollen nun streiken. Ziel der Kampagne sei die gänzliche Abschaffung der Hausaufgaben, sagte José Luis Pazos, der Verbandspräsident des Dachverbands der Familien mit Kindern an öffentlichen Schulen (CEAPA).

Nach einer Studie der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) von 2012 benötigen 15-Jährige in den OECD-Mitgliedsländern für die Erledigung der Hausarbeiten in der Woche im Schnitt 4,8 Stunden. In Deutschland sind es 4,7 und in Spanien 6,5 Stunden. Nach Angaben der CEAPA müssen spanische Kinder sogar oft mehr als zehn Stunden wöchentlich zu Hause büffeln. Schon Vorschüler bekämen häufig Hausaufgaben. Im Pisa-Vorzeigeland Finnland sind es hingegen laut "BBC" weniger als drei Stunden wöchentlich.

Nicht nur die Freizeit und das Familienleben leiden unter Hausaufgaben, finden die Kritiker. Hausaufgaben seien zudem ungerecht, sagt die Bildungssoziologin Jutta Allmendinger, denn sie verschärfen die soziale Kluft zwischen den Schülern: Wo im Elternhaus Ressourcen und Vorbildung vorhanden sind, gibt es tendenziell mehr Hilfe bei Hausaufgaben als in Familien ohne akademischen Bildungshintergrund.

lgr



insgesamt 70 Beiträge
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suaheli4711 08.11.2016
1. Sauber aufbereitet...
...ist anders! Es hilft wenig absolute Zahlen verschiedener Lände zu vergleichen. Wie viel Unterrichtsstunden gibt es in dem Land? Wie ist das Schulkonzept? Ganztagsschule? usw. Wären die Zeiten vergleichbar, müsste man ja die frage stellen wieso die Spanier so langsam sind, und die Finnen so schnell? Ach ...is nicht vergleichbar....schade...sinnlos
Lars65 08.11.2016
2. Schottlands Schulen
Zufällig geht meine Tochter in eine Schottische Schule. 11. Klasse sozusagen. Die machen bis 23:00 Hausaufgaben. Sonntags nur bis 20:00 :). Manche mögen das, manche lernen auch was
fatherted98 08.11.2016
3. Hausaufgaben...
...sind die Bankrotterklärung der Lehrer die ihren Schulstoff an die Schüler nicht vermitteln können....und diesen dann per Hausaufgabe das Selbsterlernen auferlegen. Fragt sich...wozu überhaupt noch Lehrer?
papaeidea 08.11.2016
4. Völlig bekloppt!
Hausaufgaben dienen der Einübung und Vertiefung des im Unterricht erworbenen Wissens. Von daher sind sie seit jeher integraler Bestandteil des Unterrichts. Und mit Bildungsgerechtigkeit hat das alles jetzt schon gar nichts zu tun! Dann müsste man doch eher bei den Eltern ansetzen, die zu Hause nicht helfen können oder (!) wollen. Es kann ja wohl nicht sein, dass aufgrund der Tatsache, dass es Eltern gibt, die dazu nicht oder nur kaum in der Lage sind, das Niveau durch die Abschaffung all dessen, was sozial oder intellektuell Schwächere nicht können, noch weiter herunterzufahren, als es in den vergangenen beiden Jahrzehnten aufgrund einer völlig am Problem vorbei gehenden Gerechtigkeitsdebatte ohnehin und zum Schaden unseres Landes und unserer Volkswirtschaft ohnehin schon passiert ist. Was bitte ist für eine Gesellschaft 'gerecht' daran, sich in Sachen Bildung immer nur an den Schwächeren zu orientieren? Wer bitte soll dann noch die Mittel erwirtschaften, die nötig sind, um die Schwächeren auch in Zukunft mitzutragen? Wann hören die ganzen 'Experten' endlich auf, so zu tun, als könnte man Intelligenz dadurch erzwingen, dass man die Guten nicht mehr fördert und fordert, weil sich alles am unteren Rand orientiert? Warum haben wir in Deutschland ein Bildungssystem, um das uns nahezu die gesamte Welt beneidet hat, kaputt gemacht, nur weil ein paar Pisa-Trottel von der OECD (die gleichen, die sich jetzt darüber beschweren, dass Auszubildende immer weniger können, wenn sie in die Ausbildung eintreten) gemeint haben, sie wüssten alles besser, genau wie jetzt ein paar schottische Eltern? Und wann merkt unsere Gesellschaft endlich, dass sie bei all dem gnadenlos an der Nase herum geführt wird von Leuten, die sich Experten nennen, von Erziehung und Bildung aber weit weniger Ahnung haben als unsere Eltern und Großeltern, die das Ganze einfach mit ihrem gesunden Menschenverstand angegangen sind? Armes Europa, Du hast Dir die Populisten redlich verdient...
misterknowitall2 08.11.2016
5. hab ich schon immer gesagt....
....aber damals wollte keiner auf mich hören. Hausaufgaben sind unsinnig, wenn man den Stoff begriffen hat. wenn nicht, hilft es auch nichts zu üben. Problem begriffen?
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