Gymnasium Schulleiter fordern bundesweites Zentralabitur

Gleiche Abi-Aufgaben in ganz Deutschland, geprüft am gleichen Tag - so wünscht es sich der Verband der Gymnasialrektoren. Versuche der Kultusminister, Abi-Aufgaben anzugleichen, geißeln die Schulleiter als "Etikettenschwindel".

Abi 2014 in Niedersachsen: Rektorenverband will bundesweit gleiche Abituraufgaben
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Abi 2014 in Niedersachsen: Rektorenverband will bundesweit gleiche Abituraufgaben


Die Direktoren deutscher Gymnasien fordern ein bundesweites Zentralabitur. Alle Abiturienten in Deutschland sollten am selben Tag die selben Aufgaben erhalten, um Vergleichbarkeit der Abschlüsse zu schaffen, forderte die Bundesdirektorenkonferenz (BDK) in einer Erklärung. Die BDK ist der größte Interessenverband der Rektoren von Gymnasien mit 2200 Mitgliedern.

Bislang ist die Erstellung der Abituraufgaben in den Bundesländern unterschiedlich geregelt: In manchen Ländern stellt das Kultusministerium die Aufgaben für alle Schüler zentral, darunter etwa Bayern und Nordrhein-Westfalen. In anderen arbeiten die Lehrer selbst die Aufgaben aus. "Darum weiß niemand, was sich hinter einer Abiturnote wirklich verbirgt", kritisierte der BDK-Vorsitzende Rainer Stein-Bastuck gegenüber SPIEGEL ONLINE.

Die von den Kultusministern beschlossene Angleichung der Abiturprüfungen in den Ländern über einen Aufgaben-Pool sei "Etikettenschwindel", kritisierte die Bundesdirektorenkonferenz. Ein Land könne seine Prüfungen aus den zentral gestellten Aufgaben zusammenstellen, müsse das aber nicht. "Damit kann das Niveau des Abiturs auch weiterhin nicht beurteilt werden", sagt Stein-Bastuck. Dieses "föderale Chaos" sei ungerecht, weil es Schüler mit härteren Prüfungen bei der Studienplatzvergabe benachteilige.

Die Kultusministerkonferenz, in der die Länder ihre Bildungspolitik koordinieren sollen, habe versagt. Die Minister hätten in den vergangenen Jahren immer mehr Sonderwege der 16 Bundesländer abgesegnet. Dabei sei nicht nur die Bildungsgerechtigkeit auf der Strecke geblieben, kritisierte der Vorsitzende Rainer Stein-Bastuck. Ein "Schulstrukturchaos" erschwere weiter den Umzug von Eltern mit Schulkindern in andere Bundesländer.

Weitere Reformen wie die schleichende Abschaffung des G8 in vielen Bundesländern lehnen die Rektoren ab: "Dass das achtjährige Gymnasium funktioniert, zeigt doch Sachsen", sagt Stein-Bastuck. In dem Land besuchen Schüler das Gymnasium seit jeher acht Jahre lang, bei den Pisa-Tests landete es ganz vorne.

Auch an seiner eigenen Schule im saarländischen Neunkirchen sehe er, dass die verkürzte Schulzeit den Schülern nicht schade: "Wir hatten noch nie so viele Aktivitäten an der Schule, egal ob Arbeitsgruppen, Sport oder Musik."

Dauer der Gymnasialzeit: Acht Jahre? Neun Jahre? Oder beides?

Stand: Juni 2016

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ade/dpa

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insgesamt 73 Beiträge
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Seite 1
gerd33 26.09.2014
1. Geheimhaltung???
Früher haben Lehrer aus Prinzip ihre eigenen Kinder nicht an ihrer Schule angemeldet. Heute -dank Zentralabi- gehe ich davon aus, dass Pädagogenkinder die Abi-Aufgaben vorab bekommen. Ist aus meiner Sicht verständlich und nachvollziehbar; die Loyalität zu meinem Kind ist naturgemäß größer als diem Loyalität zu meinem Dienstherren. Wenn aber bundesweites Zentralabi ansteht, dann müssen mehrere Hundert Personen in die Organisation, Druck, Verteilung etc. involviert sein. Wie soll da noch eine Geheimhaltung möglich sein? Den Skandal sehe ich kommen: Zentraler Prüfungstermin muss 1 Tag vorher abgesagt werden, weil Aufgaben im Internet aufgetaucht sind.
Robin06 26.09.2014
2. Sind die wirklich so dumm?
Die meisten Punkte gibt es nunmal nicht für die Abiprüfung, auch wenn diese 4 Fach zählen, sondern in den 2 Jahren Unterricht + LK Gewichtung. Dadurch wird nichts wirklich Vergleichbarer. Es gibt dann weiterhin Schulen die 15 Punkte nur so raushauen, wo die Abiturienten zum Schluß nur 8 Punkte in der Prüfung holen, und Schulen in den restriktiv Noten vergeben werden (im Schnitt 8 Punkte) und die Schüler schreiben im Abi dann 14 Punkte. Das Ergebnis ist dann das gleiche(!!!) oder immernoch zu ungusten einzelner Leistungsstarker (mit dem Pech an der falschen Schule zu sein), obwohl da ein eklatanter Bildungsunterschied besteht.
exeblue 26.09.2014
3. @Gerd 33 #1
Zu meiner Zeit waren auf dem Gymnasium welches ich besucht habe, mehrere "Lehrerkinder". Mangels Alternativen in der Umgebung wäre das auch gar nicht anders gegangen Ohne es wirklich zu wissen, behaupte ich aber mal, dass die vorher nichts bekannt gegeben bekommen haben. Man, was wären das sonst für Pfeifen. Föderalismus hin oder her, das Zentral-Abitur muss einfach her. Meine Kinder schrauben an ihrem Abitur in Baden-Württemberg, Nichte und Neffe in Brandenburg. Frei von jeder Wertung, Schulisch sind Unterschiede gegeben. Es wäre auch im Sinne der Schüler, Vergleichsmöglichkeiten zu schaffen... und wenn's dann halt nur die Noten sind. Denn die Bewerbungen laufen im Anschluss genauso wenig föderal wie die dementsprechende Auswahl.
rus13 26.09.2014
4.
Zitat von gerd33Früher haben Lehrer aus Prinzip ihre eigenen Kinder nicht an ihrer Schule angemeldet. Heute -dank Zentralabi- gehe ich davon aus, dass Pädagogenkinder die Abi-Aufgaben vorab bekommen. Ist aus meiner Sicht verständlich und nachvollziehbar; die Loyalität zu meinem Kind ist naturgemäß größer als diem Loyalität zu meinem Dienstherren. Wenn aber bundesweites Zentralabi ansteht, dann müssen mehrere Hundert Personen in die Organisation, Druck, Verteilung etc. involviert sein. Wie soll da noch eine Geheimhaltung möglich sein? Den Skandal sehe ich kommen: Zentraler Prüfungstermin muss 1 Tag vorher abgesagt werden, weil Aufgaben im Internet aufgetaucht sind.
Also bei mir an der Schule kamen die Aufgaben max. 1 Tag vor den Prüfungen... Denke nicht, dass man sich da großartig sorgen müsste. In anderen Ländern klappts ja auch...
m-s-p 26.09.2014
5. Macht sinn
Zur Aufklärung bezüglich der Geheimhaltung. In Hessen ist es so, dass Lehrer gebeten werden Aufgaben einzureichen. Ein kleiner Kreis an Personen im Kultusministerium stellt die jeweilige Abiturprüfung zusammen. Diese liegen auf einem verschlüsselten Server. Die Lehrer des Fachbereichs treffen sich am Morgen der Prüfung und erhalten erst wenige Stunden vor Beginn Zugang zu den Aufgaben. Dann wird der Prüfungsbogen vervielfältigt und gemeinsam durchgerechnet. Insgesamt halte ich eine zentralisierung für sinnvoll, da Vergleichbarkeit geschaffen würde. Das jetzige Verfahren ist veraltet, inkonsistent und verschlingt zu viel Geld und Zeit. Verlage müssen für jedes Bundesland spezielle Übungsbücher anbieten, das treibt die Kosten für Lernmaterial nach oben.
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