Handys im Unterricht Lehrer bringt Störsender mit - und wird suspendiert

Ein Lehrer in Florida war so genervt von den Smartphones seiner Schüler, dass er mit einem Störsender alle Geräte im Umkreis lahmlegte. Eine drastische Maßnahme - doch Studien zeigen: Sein Anliegen ist richtig.

Schülerin in New York: mit Handy in der Schule
Corbis

Schülerin in New York: mit Handy in der Schule

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Irgendwann hat es Dean Liptak gereicht, er hatte die Nase voll. Der Lehrer aus dem US-Bundesstaat Florida konnte seine Schüler nicht mehr ertragen, all diejenigen, die lieber auf ihr Smartphone schauten als zur Tafel. Ständig waren sie abgelenkt und unkonzentriert.

Wie soll ich so unterrichten, fragte sich Liptak. Er wollte diese ständige Unaufmerksamkeit nicht mehr länger hinnehmen und griff ein. Der Lehrer kaufte einen Störsender und nahm ihn in die Schule mit. Ist der Sender aktiviert, können Handys und Smartphones keine Signale mehr empfangen.

In den USA ist es nicht erlaubt, Störsender zu benutzen, es drohen hohe Geld- und sogar Haftstrafen. All das nahm Liptak in Kauf. Er habe genug von den Schülern, die während des Unterrichts ihre Smartphones benutzten, sagte Liptak, laut US-Nachrichtensender ABC. In einem Brief an die Schule schrieb der Lehrer, er habe dieses "große Problem bekämpfen" wollen.

Auch in Deutschland verzweifeln Lehrer regelmäßig an Kindern und Jugendlichen, die in der Schule mit ihren Smartphones beschäftigt sind. Mehr als 80 Prozent aller 12- bis 13-Jährigen haben laut der Jim-Studie ("Jugend, Information, Multi-Media") des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest ein Smartphone. Bei den 16- bis 17-Jährigen sind es 93 Prozent. Die Kinder und Jugendlichen verwenden die Geräte vor allem, um sich Nachrichten über WhatsApp oder andere Messenger zu schicken. Jeder Fünfte nutzt die Geräte demnach häufiger als 50-mal pro Tag.

Smartphone-Verbot hilft vor allem schwachen Schülern

Damit Schüler weniger abgelenkt werden, sind Smartphones an vielen Schulen im Unterricht verboten. An einigen Schulen sammeln Lehrer sie ein, wenn die Kinder und Jugendlichen sie dennoch nutzen - manchmal sogar mit der Anweisung, dass nur die Eltern sie wieder abholen dürfen. An anderen Schulen sind die Geräte sogar auch jenseits des Unterrichts unerwünscht. Im Elite-Internat Salem etwa wurde Ende vergangenen Jahres ein Smartphone-Verbot zwischen 21.30 Uhr abends und 14.30 Uhr am folgenden Tag eingeführt.

Dass so ein Verbot durchaus sinnvoll sein kann, haben nun Louis-Philippe Beland und Richard Murphy im Auftrag des Centre for Economic Performance der London School of Economics bewiesen. Die Wissenschaftler verglichen die Leistungen von Schülern in vier englischen Städten vor und nach einem Handyverbot an ihren Schulen, wie die BBC berichtet.

Die Forscher fanden heraus, dass sich die Leistungen der 16-jährigen Schüler durchschnittlich um mehr als sechs Prozent verbesserten, wenn diese ihr Handy in der Schule nicht nutzen durften. Vor allem leistungsschwache Schüler aus Haushalten mit geringem Einkommen profitieren demnach von dem Handyverbot: Ihre Leistungen verbesserten sich um mehr als 14 Prozent - so als wären sie eine Schulstunde pro Woche mehr unterrichtet worden.

Gute Schüler ließen sich indes nicht so sehr von Handys beeinflussen. Sie können sich, so die Schlussfolgerung der Wissenschaftler, offenbar besser auf den Unterricht konzentrieren, auch wenn sie ihr Handy dabei haben. Das Fazit der Forscher aus England: "Ein Handyverbot an Schulen kann Bildungslücken kostengünstig verkleinern."

Lehrer aus Florida wurde suspendiert

Vielleicht sieht man das in Florida auch so - aber Holzhammer-Methoden werden nicht geduldet: Lehrer Dean Liptak wurde für die Nutzung des Störsenders fünf Tage lang von der Schule suspendiert. Ein Gehalt erhält er in dieser Zeit nicht.

Doch Liptak hatte nicht nur die Smartphones in der Schule kurzzeitig außer Betrieb gesetzt, sondern auch andere Geräte im Umkreis. Drei Tage lang gab es nach Angaben der "Tampa Tribune" Empfangsstörungen - in der Nähe des Schulhofes steht ein Handymast. Der Schulleiter sagte: "Mr. Liptak hat nicht nur gegen das Gesetz verstoßen, er hat auch riskiert, dass sich Menschen im Notfall nicht hätten erreichen können."

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Seite 1
janne2109 04.06.2015
1. ??
warum können Eltern ihren Kindern nicht beibringen, dass ein Telefon in der Schule ausgeschaltet zu sein hat? Ach nee, stimmt- ich vergaß, die telefonieren ja auch zu Hause am Esstisch noch und die Eltern tun nichts dagegen.
Phil2302 04.06.2015
2.
Also bei uns an der Schule gibt es damit keine Probleme. Wer das Handy im Unterricht benutzt muss es abgeben, abgeholt werden darf es dann nur von den Eltern. Die bedanken sich. In den Pausen darf das Handy natürlich genutzt werden. An die "Früher war alles besser"-Fraktion: Die jungen Kinder spielen trotzdem genauso Fußball/Basketball/Fangen, wie wir früher auch.
felisconcolor 04.06.2015
3. In Deutschland
schauen Lehrer und die Schulleitung weg wenn Schüler sogar während der Klassenarbeiten und Prüfungen ihre Handys benutzen. Sie setzen da auf die freiwillige soziale Kompetenz der Schüler... So geschehen an einer Alfelder Grundschule. Früher gab es für sowas eine 6 wegen Betrug.
mimas101 04.06.2015
4. tja
Mein Nachwuchs bekam Handys als er reif dafür war. Und: Er durfte die kompletten Unterhaltskosten von seinem eigenen Taschengeld bezahlen (Vorschüsse auf das Taschengeld des nächsten Monats inklusive). Das lief so 3 oder 4 Monate und danach hatten die lieben Kleinen es gefressen: Das Handy kostet richtig Geld. Schon war dann das Gerät zwar Standby aber wurde nur noch für Notfälle genutzt. Geschadet hat es nicht, die Noten sackten auch nicht ab und sie sind auch nicht in einem Nervensanatorium gelandet wie so manche PädagogInnen, SeelenärztInnen und Co so von sich geben (besonders gerne dann wenn mal wieder eine neue Gerätegeneration auf den Markt geworfen wird). Allerdings - man kann als Lehrer auch anders reagieren: Entweder miese Kopfnoten im Zeugnis oder wahrheitsgemäße Beurteilungen nach unangekündigten Tests. Der gemeine US-Amerikaner steht halt nicht unbedingt drauf wegen schlechter Noten in einem Frikadellen-Brater bei gesetzlichem Mindestlohn zu landen.
myoto 04.06.2015
5. Und die Realität in Deutschland...
... die Smartphones bleiben. Wenn die Smartphone einkassiert werden klagen die Eltern doch gegen die Schule, weil es ja Diebstahl ist. Absolut verkehrte Welt. Und dann wundert man sich noch über Lehrermangel?
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