Debatte über Verbot in Frankreich "Bei uns hatten alle immer das Handy an"

Frankreich will Smartphones an Schulen verbieten. Kann es so eine Regelung auch in Deutschland geben? Und wie sind die Erfahrungen mit dem bayerischen "Gerätegebot"?

Ein Handy in der Schule
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Ein Handy in der Schule

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Sie daddeln, spielen und leider mobben sie manchmal auch online - wenn Schüler zum Handy greifen, dann bekommen sie vom Unterricht nicht mehr viel mit. So ist es auf den ersten Blick verständlich, dass Frankreich nun ein weitreichendes Handyverbot an Schulen beschlossen hat.

Geräte wie Handys, Tablets oder Smartwatches sind damit an fast allen französischen Schulen verboten; die Gymnasien können das noch selbst entscheiden. Ein Traum für alle, denen das Getippe und Gewische an der Schule schon lange ein Ärgernis war.

Doch wäre so ein Totalverbot auch in Deutschland denkbar? In einem deutschen Bundesland gibt es etwas Ähnliches bereits seit 2006, in Bayern. Allerdings: Die Geräte dürfen mitgebracht werden, sie müssen jedoch ausgeschaltet im Schulranzen bleiben. So eine Regelung gilt in Frankreich bisher auch, seit 2010.

Recherche auf dem Smartphone ist auch in Bayern möglich

Ausnahmen durch den jeweiligen Lehrer sind in Bayern möglich. Damit bleibt den Schulen durchaus Gestaltungsspielraum. Zum Beispiel kann ein Lehrer die Schüler ermuntern, eine Frage auf ihrem Smartphone zu recherchieren - schließlich ist der Umgang mit Medien ja auch ein Bildungsthema.

Das bayerische Kultusministerium selbst spricht daher von einem "Handy-Gebot statt Handy-Verbot". Was aber vielleicht auch daran liegt, dass es im Freistaat immer wieder Bestrebungen gibt, die Regeln zu lockern. Und zwar nicht nur von Schülern und Eltern, sondern auch von Lehrern selbst. Viele halten ein Verbot grundsätzlich für einen rückständigen Umgang mit den digitalen Möglichkeiten: Damit vermittele man kaum einen verantwortungsvollen Umgang mit der Technik.

"Bei uns hatten praktisch immer alle das Handy an", berichtet eine Abiturientin aus dem Landkreis Neu-Ulm. Im Ranzen falle das ja nicht auf. "Dumm ist nur, wer sich erwischen lässt." In der Mittelstufe hätten es viele cool gefunden, das Verbot zu unterlaufen und während des Unterrichts Onlinespiele zu zocken. In der Oberstufe sei die Einsicht größer gewesen, dass das Handy in der meisten Zeit des Unterrichts nicht hilfreich ist.

So funktioniert die Abschreckung

Ob sich Schüler an das bayerische Verbot halten, hängt stark von der Umsetzung in der jeweiligen Schule ab. Das bayerische Schulgesetz erlaubt, die Geräte einzubehalten. Oft müssen sie beim Schulleiter abgeholt werden, Standpauke inklusive. Manche Schulen händigen es erst einen Tag später wieder aus, je nach Fall müssen dafür sogar die Eltern in die Schule kommen. Das wirkt für viele abschreckend.

Bayerisches Schulgesetz
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    Im Bayerischen Erziehungs- und Unterrichtsgesetz heißt es in Artikel 56: "Im Schulgebäude und auf dem Schulgelände sind Mobilfunktelefone und sonstige digitale Speichermedien, die nicht zu Unterrichtszwecken verwendet werden, auszuschalten. Die unterrichtende oder die außerhalb des Unterrichts Aufsicht führende Lehrkraft kann Ausnahmen gestatten.

Ein Münchener Oberstufenschüler erzählt, dass es sogar Eltern gibt, die extra in ihrer Mittagspause in die Schule fahren, damit ihr Sprössling schnellstmöglich wieder online ist. Andere hätten Angst, ihren Eltern zu sagen, dass sie gegen die Handy-Regel verstoßen haben.

Der Vorsitzende der Dachorganisation der Landeselternvertretungen, Stephan Wassmuth, sieht es von zwei Seiten. "Handys stören den Unterricht, da müssen wir uns nichts vormachen." Die Schulen seien technisch aber noch nicht gut genug ausgerüstet, um ganz auf Mobiltelefone zu verzichten.

"Steinzeitliche Ausstattung"

Deutsche Schulen hätten größtenteils noch "steinzeitliche Ausstattungen", so auch der Verband Bildung und Erziehung (VBE). Lehrer müssten daher auf die Mittel zurückgreifen, die Schüler mitbrächten. Dabei sei wichtig, dass es klare Regelungen gebe, wann und zu welchem Zweck Handys eingesetzt werden dürften.

Überhaupt kann in Deutschland so etwas nicht bundesweit geregelt werden wie jetzt in Frankreich. Bildung ist Ländersache - und die meisten Länder sehen das Thema in der Verantwortung der einzelnen Schulen. "Unsere Schulen können das - eingebunden in ihr digitales Konzept - eigenverantwortlich regeln", sagt etwa Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien (CDU). In der Mehrzahl der Länder gibt es kein direktes Handyverbot im Unterricht. Oft wird die exzessive Nutzung jedoch so behandelt wie jede andere Störung des Unterrichts auch.

Ob ein Lehrer dann das Handy wirklich einziehen darf - da ist die Kultusministerkonferenz (KMK) vorsichtig und empfiehlt, das Gerät am Ende des Schultags zurückzugeben. Eine Durchsuchung der Schüler sei auf keinen Fall erlaubt.

Bayerns Schulen sollen im kommenden Schuljahr neue Möglichkeiten der privaten Handynutzung testen. Dann sollen Lehrer, Schulleiter und Schüler gemeinsam mit dem bayerischen Kultusminister Bernd Sibler (CSU) über neue Regeln beraten.

Mit Material von dpa

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Textes wurde Neu-Ulm mit Ulm verwechselt. Der Fehler wurde korrigiert.

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insgesamt 56 Beiträge
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Seite 1
rocco.dino 31.07.2018
1. Was soll der Quatsch?
Verbote, Gesetze, alles kompletter Blödsinn, Störsender installieren, obliegt jeder Schule selber, und Schluss ist. So geht Schule...................
issodu 31.07.2018
2. Smartphones sind Tools, mehr nicht
Einen Taschenrechener oder sogar ein CAS-System wird auch schon in den Schulen lange eingesetzt, nachdem die Schüler die Grundlagen kennengelernt haben, die diese Geräte den Schülern abnehmen. Wichtig ist, dass die Schüler zuvor diese Grundlagen auch wirklich verstanden haben und einigermaßen nachvollziehen können, was das Gerät macht. Analog hierzu kann auch ein Tablet oder Smartphone eine sinnvolle Ergänzung des Unterrichts sein. So kann mit den Geräten die Recherchefähigkeit usw. der Schüler trainiert werden und mittels Apps können zum Unterricht passende Kleinprojekte gemacht werden oder der Unterricht interaktiver in Form von Abstimmungsapps usw. gestaltet werden. ich finde hierbei allerdings wichtig, dass andere Fertigkeiten nicht einfach durch Tablet und Smartphone ersetzt werden. So sollten Schüler auch ohne Smartphone und Tablet selbst einen Text schreiben oder sich Notizen zum Unterricht machen können, in naturwissenschaftlichen Fächern selbst experimwntieren (statt irgendwelche online-Versuche durchzuführen) und auch wissen im Kopf und nicht nur am Faumen haben. Denn um mit Informationen aus dem Internet umgehen zu können, muss man selbst einen Grundsatz an Wissen und Informationen haben, um die von verschiedene Quellen dargelegten Informationen hinsichtlich Plausiblität vorprüfen zu können. Dann werden Tablets und Smartphpne den Unterricht sehr gut ergänzen können.
sale53 31.07.2018
3. Meine Erfahrungen
Smartphones können mit in die Schule gebracht werden, werden jedoch bei Betreten des Geländes ausgeschaltet bis zum Schulende. Wer beim Daddeln erwischt wird, gibt sein Handy ab und kann es am folgenden Tag von den Eltern im Sekretariat abholen lassen. Sollte es dem Unterricht dienen, so kann das Handy auf Anweisung des Lehrers/Lehrerin natürlich benutzt werden.
weusti 31.07.2018
4.
Smartphones haben in der Schule oder zumindest im Unterricht nichts zu suchen. Außerhalb der Schule gibt es genug Zeit, um seinen Spieltrieb zu befriedigen
Crom 31.07.2018
5.
Zitat von sale53Smartphones können mit in die Schule gebracht werden, werden jedoch bei Betreten des Geländes ausgeschaltet bis zum Schulende. Wer beim Daddeln erwischt wird, gibt sein Handy ab und kann es am folgenden Tag von den Eltern im Sekretariat abholen lassen. Sollte es dem Unterricht dienen, so kann das Handy auf Anweisung des Lehrers/Lehrerin natürlich benutzt werden.
Da gehe ich soweit konform, allerdings sollte auch in den Pausen das Smartphone genutzt werden dürfen. Ausschalten muss auch nicht sein, es lautlos zu stellen und nicht zu nutzen, sollte auch niemanden stören.
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