Leben und Lernen

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"Hart aber fair" über Handyverbot an Schulen

Möglichst smart in die Zukunft

Sollten Smartphones an Schulen verboten werden? Auf der Suche nach Antworten lässt Frank Plasberg Eltern, eine Politikerin, einen Wissenschaftler und einen Medienpädagogen zu Wort kommen - nur Lehrer und Schulleiter nicht.

Von

WDR/ Klaus Görgen

Moderator Plasberg (Archivbild)

Dienstag, 11.09.2018   01:25 Uhr

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Faye Montana sollte eigentlich so langsam ins Bett gehen, am nächsten Tag muss sie früh raus, um in die Schule zu gehen. Doch die 15-Jährige sitzt kurz vor zehn Uhr abends in ihrem Zimmer, eine Schulfreundin schleicht im Hintergrund um sie herum, und Faye schaut mit hellen Augen zu Frank Plasberg ins Studio. Per Skype wird sie aus ihrem Zimmer zu "Hart aber fair" geschaltet, weil sie ganz gut zu dieser Sendung passt, die sich mit der Frage beschäftigt, ob Handys an Schulen verboten werden sollten, so wie in Frankreich.

Faye hat 318.000 Follower auf YouTube, ihren Kanal hat sie seit fünf Jahren, und sie erklärt Plasberg, warum es eine gute Idee ist, die Schule nach der zehnten Klasse zu verlassen, um das Abitur nicht auf dem Gymnasium, sondern online zu machen. Sie sei eben eher kreativ, wolle Karriere machen und könne nebenbei noch traveln. Die nötige Disziplin, um für die Prüfungen zu lernen, traue sie sich zu.

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Drei bis vier Stunden in der Woche braucht sie, um ihre YouTube-Videos zu drehen. Doch wie viel Zeit sie mit ihrem Smartphone am Tag verbringt, will Faye Montana nicht verraten. Ihre Mutter, die Schauspielerin Anne-Sophie Briest, ist entspannt. Sie sitzt als Gast in Plasbergs Show und ist sich sicher, dass Smartphones keine Gefahr für junge Menschen darstellen. Und das, obwohl sie bislang noch jeden einzelnen Post ihrer Tochter kontrolliert. Die Kinder müssten einfach nur lernen, sinnvoll mit Smartphones umzugehen - und zwar in der Schule.

"Kinder müssen auf die digitale Zukunft vorbereitet werden", sagt auch Nordrhein-Westfalens Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP). Die Politikerin weiß zwar auch, dass vielen Schulen in ihrem Bundesland Geld fehlt und sie sich in einem "grauenvollen Zustand" befinden. Doch das läge nicht an der Finanzierung, sondern an anderen Projekten in den Kommunen, die Priorität hätten.

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Mit den fünf Milliarden Euro aus dem Digitalpakt könnten die Schulen in den nächsten Jahren mit schnellem Internet und digitalen Endgeräten ausgestattet werden. Bis dahin könnten die Schüler ihre eigenen Geräte in den Unterricht mitbringen, sagt Gebauer. Sie sieht die Schulen in der Pflicht, Smartphones und Tablets sinnvoll pädagogisch einzusetzen. Zur Bildung gehöre der Umgang mit moderner Technik.

Wenn Manfred Spitzer Aussagen wie diese hört, muss er sich arg zusammenreißen. Der Hirnforscher und Leiter der Psychiatrischen Universitätsklinik Ulm ist wohl der radikalste Gast in Plasbergs Sendung. Wenn es nach ihm ginge, dürften Jugendliche erst mit 18 Jahren ein Smartphone benutzen: unter anderem, weil sie depressiv werden könnten, schlechter schlafen würden und mit den Handys Zugang zu Pornos und Gewaltdarstellungen hätten. "Wenn man das alles zusammenzählt, ist Rauchen fast ein Klacks", sagt er. Spitzer meint das ernst - und untermauert seine Meinung mit allerhand Studien.

Ein Smartphone erst mit 18?

Als die anderen Gäste beginnen, sich darüber lustig zu machen, schnaubt er in Richtung Plasberg: "Ich kann es wissenschaftlich nachweisen, deswegen haben Sie mich doch eingeladen." Vor allem Medienpädagoge Jöran Muuß-Merholz sieht sich genötigt, den Professor jetzt anzugreifen. Er stehe ja ohnehin in der Kritik, seine Thesen mit dazu passenden Studien zu belegen.

Die Eltern in der Sendung können nur müde lächeln, wenn sie Spitzer reden hören. Sie wissen, dass sie keine Chance gegen die Smartphones ihrer Kinder haben. "Wenn ich meinen Kindern gesagt hätte, sie bekämen erst mit 18 ein Smartphone, hätten sie mich darum gebeten, sie zur Adoption freizugeben", sagt Schauspieler Thomas Heinze. Auch er sieht keine andere Zukunft als die mit Smartphones in der Schule - allerdings macht er sich Sorgen um die zwischenmenschliche Diskussionskultur im Klassenzimmer.

Frank Plasberg leitet indes sehr charmant durch die Sendung, macht kleine Witzchen, nette Anmerkungen. Nennt seine Kollegin Brigitte Büscher, die Tweets, Posts und Mails der Leser vorliest, onkelhaft "die strenge Brigitte". Doch man fühlt sich recht aufgehoben bei ihm, die Sendung erscheint kurzweilig. Nur: Leider schafft er es nicht, in der Debatte in die Tiefe zu gehen.

Wie sollen Lehrer den Schülern Medienkompetenz beibringen? Was können Eltern tun, damit ihre Kinder nicht die ganze Zeit am Smartphone kleben? Wie können sie ihren Kindern den richtigen Umgang mit digitalen Medien beibringen, solange das die Schule noch nicht tut? Vielleicht hätte Plasberg Schulleiter und Lehrer einladen sollen. Oder Wissenschaftler, die schon jetzt in der digitalen Zukunft angekommen sind.

Video: Protest gegen Handynutzung - Emils Kinderdemo

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