Leben und Lernen

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Helikoptereltern bei der Einschulung

"Wie oft hat mein Sohn in den ersten beiden Schulstunden geniest?"

Sie fahren mit ihrem Auto bis auf den Schulhof, kriegen Heulkrämpfe, weil ihr Kind in die angeblich falsche Klasse kommt - und lungern sogar in den Pausen in der Schule herum: Die besten Geschichten von nervigen Eltern.

Getty Images

Elterntaxi (Symbolbild)

Freitag, 07.09.2018   10:22 Uhr

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"Das Beste, was ich seit etwa zwei Monaten erlebe, ist eine Mutter, die einfach nicht heimfährt", berichtet eine Grundschullehrerin. "Sie bleibt auf dem Schulgelände und observiert ihren Sohn. In der Pause versteckt sie sich hinter Büschen und späht von dort auf den Schulhof, um sicherzugehen, dass ihm ja kein Unrecht geschieht."

Am ersten Schultag werden in Deutschland nicht nur mehr als 700.000 Kinder eingeschult, sondern auch: deren Eltern. Sie müssen - im Wortsinne - lernen loszulassen. Am Schultor, während der Pause, aber auch bereits auf dem Schulweg.

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Laut einer Forsa-Umfrage werden bundesweit zwei von drei Grundschulkindern von den Eltern zur Schule gebracht und abgeholt, meistens mit dem Auto. Mit ihren Elterntaxis verursachen Mütter und Väter nicht nur tägliche Verkehrsinfarkte und sorgen für gefährliche Situationen auf den Straßen, sondern können ihren Kindern auch in ihrer Entwicklung richtig schaden. Denn sie senden die Botschaft: Allein zur Schule zu gehen, das traue ich dir nicht zu.

Doch darüber machen sich Helikoptereltern offenbar keine Gedanken. Für sie zählt nur: Funktioniert der Peilsender im Ranzen und ist das Auto im Winter ausreichend vorgeheizt für mein Premiumkind? Doch das ist längst nicht alles, was Eltern in den Klassenzimmern und auf den Schulhöfen der Bundesrepublik veranstalten.

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Nach dem Buch "Verschieben Sie die Deutscharbeit - mein Sohn hat Geburtstag" ist nun der zweite Band zu Helikoptereltern der SPIEGEL-ONLINE-Redakteurinnen Lena Greiner und Carola Padtberg erschienen. In "Ich muss mit auf Klassenfahrt - meine Tochter kann sonst nicht schlafen" packen Hebammen, Erzieher, Lehrer, Sporttrainer, Professoren, Anwälte, Ärzte, Studienberater und Kinder aus, was sie mit übermotivierten Eltern erlebt haben.

Die gesammelten Anekdoten zeigen, wie Erziehungsberechtigte von der Schwangerschaft bis zum Studium ihren Kindern und dem Rest der Welt das Leben zur Hölle machen. Außerdem: Der Helikopterwahnsinn in elterlichen WhatsApp-Gruppen.

Lesen Sie hier Buchauszüge aus den Kapiteln Schulweg und Schule:

Es wird deutlich: Diese Eltern vertrauen niemandem mehr - keinem Arzt, keinem Lehrer und keinem Erzieher. Und ihrer eigenen Intuition am allerwenigsten. "Ich unterrichte an einer Grundschule und finde mich inmitten dieses Helikopterwahnsinns wieder", schrieb uns eine Lehrerin. "Am schlimmsten finde ich, dass diese kleinen Schätzchen einfach fehlerlos sein müssen."

Sie spüre große Ängste aufseiten der Eltern: die Angst, irgendetwas nicht perfekt zu machen, nicht genug zu fördern und, dass das Kind zurückfällt. Deshalb würden in der Schule auch ständig Einsen eingefordert, koste es, was es wolle. Die Lehrerin sagt: "Das ist fern jeder Vernunft und Realität."

  • picture alliance / Bildagentur-o
    Vom Dinkelzwang bis zur Notenklage: Sind Sie Hebamme, Lehrer, Erzieher, Kinderarzt, Studienberater, Professor, Anwalt, Sporttrainer - oder Nachbar/Freund/Bekannter? Haben Eltern schon mal absurde Forderungen an Sie gestellt oder versucht, Sie auszuhorchen, zu beeinflussen oder einzuspannen - zum vermeintlichen Wohle der eigenen Kinder?

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lgr/cpa

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