Helikoptereltern in der Notaufnahme "Hilfe, unsere Tochter hat einen halben Eiswürfel verschluckt!"

Das Premiumkind hat in eine Brennnessel gefasst? Es hat sich den kleinen Zeh gestoßen? Oder einfach nur komisch geguckt? Dann ab zum Arzt! Die besten Anekdoten von überbesorgten Eltern in der Notaufnahme.

Ein Kind bekommt eine Spritze
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Ein Kind bekommt eine Spritze


Wenn ein Krankenwagen mit Blaulicht losfährt oder gar ein Rettungshubschrauber startet, bedeutet das: Notfall. Es kann aber auch bedeuten: Helikoptereltern im Ausnahmezustand. "Wir haben heutzutage immer mehr Einsätze wegen Bagatellverletzungen von Kindern oder wegen sehr aufgeregter Eltern, die völlig hilflos sind", berichtet ein Rettungssanitäter.

Da wird schon mal wegen einer Schürfwunde ein Krankenwagen plus Hubschrauber gerufen, ernsthaft. Das kostet die Sanitäter und Notärzte Zeit und Nerven und alle viel Geld.

Überlastete Lebensretter: Wenn der Notfall kein Notfall ist

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Richtig gefährlich wird es aber, wenn Eltern dann andererseits vor lauter Sorge, Unwissenheit und Kontrollwut eine dringend notwendige Behandlung ihres Kindes verzögern oder gar verhindern - weil das Kind "keine Spritzen mag" oder keine Schmerzmittel bekommen soll.

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Neue unglaubliche Geschichten über Helikopter-Eltern

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"Generell sind Helikoptereltern bei einem Kindernotfall das Worst-Case-Szenario", erzählt ein Sanitäter. Und eine Kinderchirurgin sagt: "Diese Eltern sind so anstrengend, dass sie mir manchmal die Kraft und Konzentration für die wirklichen Notfälle rauben."

In dem neuen Buch "Ich muss mit auf Klassenfahrt - meine Tochter kann sonst nicht schlafen" der SPIEGEL-ONLINE-Redakteurinnen Lena Greiner und Carola Padtberg packen Hebammen, Erzieher, Lehrer, Sporttrainer, Professoren, Anwälte, Ärzte, Studienberater und Kinder aus, was sie mit übermotivierten Eltern erlebt haben.

Lesen Sie hier Buchauszüge aus dem Kapitel über den Helikopter-Wahnsinn in Notaufnahmen:

Natürlich machen sich Eltern Sorgen, wenn ihr Kind gestürzt ist, blutet, schreit. Aber haben sie so wenig Urteilsvermögen für Verletzungen, dass sie einen einmaligen "komischen Husten" mit lebensbedrohlicher Atemnot verwechseln? Dreist sind auch die Eltern, die absichtlich spätabends oder nachts im Krankenhaus auftauchen mit der Begründung, dass sie ja tagsüber arbeiten würden.

"Ich glaube, viele Eltern haben keine Grundkenntnisse mehr über banale Erkrankungen", sagt eine Ärztin. "Wer mit einem Kindergartenkind, das gespuckt oder seit einem Tag Fieber hat, in die Notaufnahme fährt statt am nächsten Tag zum Kinderarzt, muss mal aufgeklärt werden über tatsächliche Indikationen für einen Krankenhausbesuch."

Wenn sich überfürsorgliche Eltern dann bei der Anmeldung im Krankenhaus vorstellen, geben die Mitarbeiter ihren ersten Eindruck häufig direkt an die behandelnden Ärzte oder Pfleger weiter. "Wir schicken ein Kind hoch, es hat nichts, aber die Eltern sind ängstlich und überfordert", heißt es dann.

  • picture alliance / Bildagentur-o
    Vom Dinkelzwang bis zur Notenklage: Sind Sie Hebamme, Lehrer, Erzieher, Kinderarzt, Studienberater, Professor, Anwalt, Sporttrainer - oder Nachbar/Freund/Bekannter? Haben Eltern schon mal absurde Forderungen an Sie gestellt oder versucht, Sie auszuhorchen, zu beeinflussen oder einzuspannen - zum vermeintlichen Wohle der eigenen Kinder?

    Schicken Sie uns hier Ihre absurden Anekdoten über Helikoptereltern und/oder anonymisierte (WhatsApp)-Dialoge. (Mit einer Einsendung erklären Sie sich mit einer anonymen Veröffentlichung auf SPIEGEL ONLINE und sämtlichen anderen Medien der SPIEGEL-Gruppe einverstanden.)

lgr/cpa

insgesamt 202 Beiträge
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Seite 1
coyote38 19.10.2018
1. Und da wundert man sich, ...
... dass die Kinder und Jugendlichen alle so lebensunfähig, nervig und anstrengend sind ... wenn doch die Eltern auch schon lebensunfähig, nervig und anstrengend sind. Wir erleben die ersten Auswirkungen der Post-1968-Generation ... heidi-deidi, feel me touch me, Regeln sind doof, Erziehung ist anachronistisch, Grenzen sind unmenschlich und schaden dem Kindeswohl. Spätestens, wenn uns die heute im Berufsleben stehende und bis zur Selbstverleugnung arbeitende Baby-Boomer-Generation in Rente geht, fällt uns der ganze Laden "unterm Ar***" zusammen. Amen.
Leser161 19.10.2018
2. Internetpranger?
An anderer Stelle spricht man sich gegen Pranger aus. Wenn es aber darum geht Eltern anhand von Anektdoten schlecht zu machen und auch ganz normale Eltern in Helikopterverdacht zu stellen, dann kennt SPON kein Halten? Ich sehe täglich sehr viele Miteltern, bisher sind mir keine mit Helikoptern aufgefallen. Das heisst entweder es gibt Helikoptereltern nur in so homöopathischen Dosen das sie nicht relevant sind oder ich und alle Eltern die ich kenne sind Helikoptereltern (weil dann würde ich es ja auch nicht bemerken). Entscheiden Sie selbst. Und fragen sie sich was das soll, warum muss man Eltern schlecht machen?
Gros Minet 19.10.2018
3. Medikamente verschluckt
Voller Panik „Sie hat meine Medikamente geschluckt!“. „Was genau?“ „Die Globuli“ :)
c.PAF 19.10.2018
4.
Zitat von Leser161An anderer Stelle spricht man sich gegen Pranger aus. Wenn es aber darum geht Eltern anhand von Anektdoten schlecht zu machen und auch ganz normale Eltern in Helikopterverdacht zu stellen, dann kennt SPON kein Halten? Ich sehe täglich sehr viele Miteltern, bisher sind mir keine mit Helikoptern aufgefallen. Das heisst entweder es gibt Helikoptereltern nur in so homöopathischen Dosen das sie nicht relevant sind oder ich und alle Eltern die ich kenne sind Helikoptereltern (weil dann würde ich es ja auch nicht bemerken). Entscheiden Sie selbst. Und fragen sie sich was das soll, warum muss man Eltern schlecht machen?
Äh, ich glaube, Sie haben die Funktionsweise eines Prangers nicht verstanden. Ich jedenfalls kann aus den Anekdoten keine Rückschlüsse auf konkrete Personen ziehen...
hamish1966 19.10.2018
5. Mal abgesehen von der Hähme...
...kann der Spiegel nicht mal unter Buchtipps einen Ratgeber für Eltern in Sachen Kinderkrankheiten und Behandlung von Bagatellverletzungen vorstellen? Meine Mutter hat so ein Buch noch zu meiner Geburt bekommen und konnte sich einlesen. Im Gegensatz zu in Panik gegoogelten Symptomen und Bildern zu Hautausschlägen, könnten junge Eltern sich dann vorab und in Ruhe mit Bildtafeln, Listen mit Symptomen und eventuell Hausmitteln wie z.B. Wadenwickeln oder Tees beschäftigen. Sich ständig über Eltern lustig zu machen, die auf Grund fehlender gesammelter Informationen und fehlendem Wissenstransfers durch die eigenen Eltern falsche Entscheidungen treffen, hilft doch wirklich keinem. Also: Her mit einem umfassenden Buch. das ohne missionarischem Schnickschnack wie esoterischem Pendeln bei Bauchschmerzen daherkommt.
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