56.000 Unterstützer Schüler aus Hessen kämpfen gegen Abschiebungen - auch im Bundestag 

In Offenbach sollen mehr als 70 geflüchtete Jugendliche abgeschoben werden. Zwei Schülerinnen haben dagegen eine Petition gestartet und ihr Anliegen bis nach Berlin getragen.

Schülerdemo in Offenbach im August
Katja Lenz

Schülerdemo in Offenbach im August


Die Familie von Hibba Kauser, 18, hat selbst eine Flucht hinter sich: Ihre Eltern flüchteten aus Pakistan nach Deutschland, die Schülerin aus Offenbach kam in einer deutschen Erstaufnahme zur Welt. "Uns haben damals Menschen geholfen", sagt Kauser. "Jetzt möchte ich anderen helfen."

Kauser ist Stadtschulsprecherin in Offenbach und hat zusammen mit Julia Endres, Schülerin an der August-Bebel-Schule, eine Petition gegen Abschiebungen nach Afghanistan gestartet, die inzwischen mehr als 58.000 Menschen unterzeichnet haben.

Am Dienstagmittag übergaben die Schülerinnen ihre Petition in Berlin an die Bundestagsabgeordneten Kerstin Kassner und Sören Pellmann von der Partei Die Linke, die dem Petitionsausschuss angehören. Dort soll das Anliegen nun beraten werden.

Die Schülerinnen setzen sich dafür ein, dass mehr als 70 afghanische Jugendliche, die Offenbacher Schulen besuchen und abgeschoben werden sollen, doch bleiben dürfen. "Abschiebungen nach Afghanistan sind menschenrechtlich nicht zu vertreten", heißt es in der Petition. "Afghanistan ist kein sicheres Land!"

Hibba Kauser und Julia Endres (2.u.3. v.l.) mit Mitschülern und Lehrerin in Berlin
Hibba Kauser

Hibba Kauser und Julia Endres (2.u.3. v.l.) mit Mitschülern und Lehrerin in Berlin

Endres und Kauser schildern das Schicksal von drei afghanischen Schülern der August-Bebel-Schule, die allein nach Deutschland flüchteten und nun ihren Abschiebebescheid bekommen haben. Das Klima in ihrer Klasse habe sich seither völlig verändert. "Viele Jugendliche sind niedergeschlagen, antriebslos und klagen über Schlafstörungen, weil sie Angst haben, abgeholt zu werden. Durch die Androhung der Abschiebung wird alles, was bisher erreicht wurde, infrage gestellt", heißt es in der Petition.

Die afghanischen Schüler hätten eine Projektklasse besucht, in der sie auf eine Ausbildung in Deutschland vorbereitet werden sollten. "Warum schafft das Hessische Kultusministerium ein Projekt, das jungen Flüchtlingen eine Perspektive eröffnet, wenn man ihnen diese sogleich wieder entzieht?", fragen Kauser und Endres.

Sie wollen ein Zeichen der Menschlichkeit und Solidarität setzen, sagen die Schülerinnen. Seit Ende 2016 haben Bund und Länder insgesamt rund 200 Geflüchtete in einem knappen Dutzend Abschiebeflügen nach Afghanistan zurückgeschickt. Die Abschiebungen sind umstritten, weil sich Angriffe und Anschläge der radikalislamischen Taliban und der Terrormiliz IS in Afghanistan häufen.

Immer wieder mobilisieren ähnliche Vorfälle deutsche Schulen. So kämpft ein Gymnasium in Essen derzeit dagegen, dass ein krebskranker Mitschüler mit seiner Familie nach Armenien zurückkehren muss.

lov

TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.