Sommerwetter Hitzefrei - was Schüler, Lehrer und Eltern wissen müssen

Uwe und Vinicius heißen die beiden Hochdruckgebiete, die derzeit über dem Norden und Nordosten Europas für Sommerwetter sorgen - und an manchen Schulen auch für hitzefrei. Wann darf der Unterricht ausfallen?

Zweitklässler an einer Grundschule in Dresden (Archivbild)
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Zweitklässler an einer Grundschule in Dresden (Archivbild)


2000 Schüler waren es am Dienstag allein im Landkreis Lüneburg in Niedersachsen, mehrere Hundert in verschiedenen Grundschulen in Bremen: Sie hatten zum ersten Mal in diesem Jahr hitzefrei.

Freuen konnten sich auch Hunderte Schüler in Mecklenburg-Vorpommern, etwa am Elbe-Gymnasium in Boizenburg oder in Dömitz im Landkreis Ludwigslust-Parchim.

Eltern allerdings stellt die Hitzefrei-Entscheidung oft vor Probleme.

Ob der Unterricht verändert, verkürzt oder ganz ausgesetzt wird, dafür gibt es in den Bundesländern keine einheitliche Regelung. In Brandenburg etwa können Schulen nach Angaben des Bildungsministeriums selbst über Hitzefrei entscheiden. Der Grund: Es kommt immer auf die Situation der einzelnen Schule an, je nach Bauart und Standort können die Temperaturen in den Klassen stark voneinander abweichen.

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Als Richtschnur für die Schulleiter in Brandenburg gilt dabei: Werden um zehn Uhr draußen bereits 25 Grad im Schatten gemessen, soll der Unterricht nicht länger als bis zwölf Uhr dauern. Wie in anderen Ländern müssen allerdings die Schüler der Oberstufe bis zum Schluss durchhalten - wie die Lehrer übrigens auch.

In Nordrhein-Westfalen kommt es ebenfalls auf die Schulleiter an. "Als Anhaltspunkt ist von einer Raumtemperatur von mehr als 27 Grad Celsius auszugehen. Beträgt die Raumtemperatur weniger als 25 Grad Celsius, darf Hitzefrei nicht erteilt werden", heißt es im entsprechenden Erlass des Schulministeriums.

"Auf die bei hohen Temperaturen verminderte Leistungsfähigkeit der Schülerinnen und Schüler ist Rücksicht zu nehmen. Klassenarbeiten sollen nach Möglichkeit nicht geschrieben werden", legt der Erlass fest. Die Regelungen seien sinngemäß auch auf andere extreme Wetterverhältnisse anzuwenden - so wie beispielsweise am Dienstag, als Gewitter und heftige Niederschläge in Wuppertal für ein Chaos sorgten.

In allen Bundesländern wird dabei allerdings Wert darauf gelegt, vor allem jüngere Kinder nicht einfach nach Hause zu schicken. Denn auch dann, wenn beide Eltern arbeiten, muss die Betreuung gesichert sein. Weil dieser Aspekt mittlerweile so wichtig geworden ist, heißt die entsprechende Regelung in Bremen offiziell auch gar nicht mehr "Hitzefrei", sondern "wärmebedingte Beendigung des Unterrichts", berichtet der "Weser-Kurier". Unterrichtet wird dann nicht mehr, betreut dagegen schon.

Ein Aspekt, auf den auch der niedersächsische Erlass zur Unterrichtsorganisation eingeht. "Selbstverständlich muss die Schule auch bei hochsommerlichen Temperaturen ihrer Aufsichtspflicht nachkommen", heißt es in einer Erklärung des Kultusministeriums in Hannover.

"Schülerinnen und Schüler der Grundschule und der Jahrgangsstufen 5 und 6 dürfen nur nach Absprache mit den Eltern vor dem regulären Unterrichtsschluss entlassen werden", legt auch das NRW-Schulministerium fest. Deshalb müssten beispielsweise die Fahrzeiten von Schulbussen berücksichtigt werden.

him/mit Material von dpa



insgesamt 9 Beiträge
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Seite 1
Nania 30.05.2018
1.
Ich habe noch eine sehr gute Erinnerung an einen sehr heißen Sommertag im Jahre 2008, etwa drei Wochen vor dem Beginn der Sommerferien. Wir waren damals in der Oberstufe hatten in der siebten und achten Stunde - also von 13.15 - 14:40 - noch Unterricht - und zwar nicht Religion, sondern eine Fremdsprache. Es war brütend heiß im Klassenraum, es konnte sich kaum noch einer konzentrieren, der Schweiß lief uns und der Lehrerin gleichermaßen von der Stirn und wir waren einer von zwei Kursen, der überhaupt noch im Gebäude war. Damals meinte unsere Lehrerin - und tags drauf unter der Hand auch der spätere Schulrektor -, dass wir einfach hätten gehen sollen. Unterricht bei 30 Grad im Schatten und Temperaturen jenseits von gut und böse in den Unterrichtsräumen hat keinen Sinn und schlaucht lediglich. Diese Unterichtsstunde ist mir nicht wegen ihres Inhaltes im Gedächtnis geblieben, sondern aufgrund der Temperatur. Wer jetzt kommt mit "aber auf der Arbeit"... Ja. Auf der Arbeit muss man gewissermaßen zwangsläufig bleiben, ohne Frage. Der Unterschied ist nur in vielen (nicht in den meisten) Fällen, dass man dort nicht sitzt und versucht, noch irgendwelchem Unterricht zu folgen oder neuen Stoff zu lernen.
xfor 30.05.2018
2. Und zwar nur mit Ankündigung!
Vielleicht sollte noch erwähnt werden, dass (zumindest in einigen Bundesländern und einigen Jahnrgangsstufen) Hitzefrei im voraus (also 2 Tage) angekündigt werden muss.
fht 30.05.2018
3. am besten auch,
Zitat von xforVielleicht sollte noch erwähnt werden, dass (zumindest in einigen Bundesländern und einigen Jahnrgangsstufen) Hitzefrei im voraus (also 2 Tage) angekündigt werden muss.
wenn der Unterricht wegen Gewitter oder einem Brand in der Schule ausfallen soll
dickebank 30.05.2018
4. sonstige Katastrophen
Auch bei Brand, Amoklagen, Gewitter oder Sturm dürfen die SuS nicht einfach nach Hause geschickt werden. Die SuS dürfen in solchen Fällen die Erziehungsberechtigten anrufen, um zu fragen, ob sie ausnahmsweise vor regulärem Schulschluss nach Hause dürfen. Wenn die Eltern dem zustimmen ist es gut; wenn nicht, dann müssen die betroffenen SuS bis zum Ende des regulären Schultages betreut werden. Ist nix mit einfach 'mal nach Hause schicken ...
TS_Alien 30.05.2018
5.
Zitat von dickebankAuch bei Brand, Amoklagen, Gewitter oder Sturm dürfen die SuS nicht einfach nach Hause geschickt werden. Die SuS dürfen in solchen Fällen die Erziehungsberechtigten anrufen, um zu fragen, ob sie ausnahmsweise vor regulärem Schulschluss nach Hause dürfen. Wenn die Eltern dem zustimmen ist es gut; wenn nicht, dann müssen die betroffenen SuS bis zum Ende des regulären Schultages betreut werden. Ist nix mit einfach 'mal nach Hause schicken ...
Sie liegen falsch. Sobald die Eltern zu Beginn des Schuljahres der Schule erlaubt haben, dass die Kinder vorzeitig nach Hause entlassen werden dürfen, muss niemand mehr die Eltern informieren. Ist der vorzeitige Unterrichtsschluss bereits am Vortag bekannt, reicht auch das aus. Nur die Kinder, deren Eltern dies der Schule nicht erlaubt haben, müssen ausreichend lange betreut werden. Natürlich gibt es da auch Ausnahmen. Sobald die Schule geschlossen werden muss (Brand, ...), endet die Betreuungsaufgabe der Schule. Auch ein drohendes Unwetter kann dazu führen, dass die Kinder früher nach Hause geschickt werden, damit sie rechtzeitig von der Straße kommen.
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