Falsche Lehrerin Ertappte Hochstaplerin unterrichtete weiter

In Schleswig-Holstein flog die falsche Lehrerin auf, in Mecklenburg-Vorpommern machte sie einfach weiter: Eine mutmaßliche Hochstaplerin wurde nun durch Zufall ein zweites Mal enttarnt. Jetzt droht ihr eine Anklage in mindestens einem Bundesland.

Grundschulunterricht: Mutmaßliche Hochstaplerin für Deutsch und Kunst
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Grundschulunterricht: Mutmaßliche Hochstaplerin für Deutsch und Kunst


Eine falsche Lehrerin, gegen die bereits seit etwa einem Jahr die Kieler Staatsanwaltschaft ermittelt, wollte das Unterrichten einfach nicht lassen: Kurz nachdem die 48-Jährige im Februar 2013 in Schleswig-Holstein als Hochstaplerin aufgeflogen war, hatte sie sich eine neue Existenz als Lehrerin in Mecklenburg-Vorpommern aufgebaut.

Obwohl die Frau nie ein Lehrerexamen bestanden hatte, soll sie bereits 1991 in Norddeutschland mit dem Unterrichten begonnen haben. Damals hatte sie ihr Studium in den Fächern Deutsch und Staatsbürgerkunde in der DDR mit einem Diplom abgeschlossen.

Irgendwann danach hat sie sich selbst zwei weitere Zeugnisse angefertigt oder anfertigen lassen: Die falschen Dokumente bestätigten ihr herausragende Leistungen im ersten und zweiten Staatsexamen, die sie an einer Uni in Nordrhein-Westfalen absolviert haben wollte.

Auch in NRW wird jetzt ermittelt

Anlass für die laufenden Ermittlungen wegen mutmaßlichen Betrugs und Urkundenfälschung war, dass die falsche Lehrerin von 2008 bis 2013 am Lübecker Thomas-Mann-Gymnasium und am Marion-Dönhoff-Gymnasium in Mölln gearbeitet hatte. Dass sie nach ihrer Entdeckung im Frühjahr 2013 erneut aufflog, dafür sorgte der Eifer der Kieler Ermittlungsbehörden: Die hatten wegen der früheren falschen Lehrertätigkeiten zu Beginn der neunziger Jahre eine Personalakte im Schweriner Bildungsministerium angefordert.

So wurden die Ministeriumsmitarbeiter in Mecklenburg-Vorpommern erneut auf die Frau aufmerksam und stellten fest, dass sie sich ein weiteres Mal in den Schuldienst eingeschlichen hatte. Wie ein Ministeriumssprecher mitteilte, habe die Schulbehörde die Frau im August mit den Vorwürfen konfrontiert, daraufhin habe sie einem Auflösungsvertrag zugestimmt.

Zu einer baldigen Anklage in Schleswig-Holstein könnte für die Frau ein weiteres Verfahren kommen: Wegen der gefälschten Nachweise über angebliche Staatsexamen aus Nordrhein-Westfalen habe das dortige Landesprüfungsamt nun ebenfalls Strafanzeige gestellt, berichtet der NDR. Und auch die Ermittler in Mecklenburg-Vorpommern dürften sich jetzt wieder für die falsche Lehrerin interessieren.

cht/cpa/dpa



insgesamt 152 Beiträge
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Seite 1
chrisahjo 08.01.2014
1. na und ?
solange sie gut unterrichtet, sollte sie es doch weiter machen dürfen !? Die Anzeige wegen Urkundenfälschunf kann ja weiter laufen nur lasst sje doch um himmels willen weiter unterrichten !! sie war wahrscheinlich besser wie manch andere Lehrer die das studiert haben ;)
ediart 08.01.2014
2. Lehrerausbildung
"Lehrerexamen" was heist das schon. In den Ausbildungsseminaren werden angepasste "Lehrerpersönlichkeiten" herangezogen die normative Unterrichtseinheiten im dreiviertel Stundentakt zu absolvieren haben. Laienpädagogen sind meist die besseren aber nicht so staatskonform!
THINK 08.01.2014
3.
Zitat von sysopAPIn Schleswig-Holstein flog die falsche Lehrerin auf, in Mecklenburg-Vorpommern machte sie einfach weiter: Eine mutmaßliche Hochstaplerin wurde nun durch Zufall ein zweites Mal enttarnt. Jetzt droht ihr eine Anklage in mindestens einem Bundesland. Hochstaplerin: Frau unterrichtete ohne Abschluss - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/schulspiegel/hochstaplerin-frau-unterrichtete-ohne-abschluss-a-942426.html)
Da offensichtlich weder den Kollegen noch den Schülern eine fehlende Kompetenz aufgefallen ist, scheint die Dame eher eine *Tiefstaplerin* zu sein. Nach meiner Erfahrung, kann man bei vielen LehrerInnen wegen mangelhafter Fachkompetenz rätseln, wie diese ihre Examina bestehen konnten.
reutter 08.01.2014
4. Begeisterte Lehrerin
Selten von einer so eifrigen Lehrerin gehört, die ja anscheinend nicht über ihren Unterricht gestolpert ist. Wo also ist der Riesenskandal?
SchnurzelPuPu 08.01.2014
5. War sie denn eine gute Lehrerin?
wenn ja, ist das mit den Examen doch schnuppe. Ist ja schließlich keine Schönheitschirurgin - ach nein, da braucht man ja keine Spezialausbildung - Brust aufblasen darf in Deutschland ja Arzt ohne Facharztausbildung.
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