Iglu-Studie Schlechtere Noten für Jungen

Frech kommt weiter? Nicht an deutschen Grundschulen, wie der Iglu-Vergleichstest zeigt: Jungen werden bei gleicher Leistung in Deutsch und Sachkunde nicht so gut benotet wie Mädchen - denn die sind braver.


Schon in der Grundschule sind Mädchen besser in Deutsch, dafür haben Jungen in Mathematik die Nase vorn. Was wie ein klassisches Vorurteil klingt, bestätigten die Ergebnisse der Internationalen Grundschul-Lese-Untersuchung (Iglu), die am Montag in Dortmund vorgestellt wurde. Besonders bemerkenswert: Für die gleichen Leistungen gibt es nicht die gleichen Noten. "Jungen werden in den Fächern Deutsch und Sachkunde leicht benachteiligt", sagte Wilfried Bos, wissenschaftlicher Leiter der Studie für Deutschland.

Bildungsforscher Bos: "Jungen sind schreibfaul"
DPA

Bildungsforscher Bos: "Jungen sind schreibfaul"

Der Leistungsunterschied im Fach Deutsch lässt sich aber nicht nur durch Benachteiligung erklären. Mädchen liegen laut Iglu tatsächlich vorn. Sie haben Mädchen mehr Spaß am Lesen und verbringen viel Zeit mit Geschichten in Zeitschriften und Erklärbüchern, während sich Jungen lieber mit Comics, Gebrauchsanleitungen oder Untertiteln auf dem Fernseher beschäftigten. Zeitungen lesen Jungen und Mädchen gleich häufig. "Jungen sind nicht nur schlechter im Lesen, sie sind auch schreibfaul", sagte Bos.

Doch selbst bei gleichen Leistungen würden Mädchen besser benotet als Jungen, stellte der Bildungsforscher fest. Offenbar würden Mädchen für ihr Wohlverhalten oder ihre Angepasstheit mit besseren Noten belohnt. Bos kritisierte außerdem die Auswahl der Literatur im Deutschunterricht: "Vielleicht werden zu viele Texte gelesen, die nicht den Interessen von zehnjährigen Jungen entsprechen."

Insgesamt zeigten sich Mädchen zufriedener mit ihrer Schule. Befragt wurden je 3800 Mädchen und Jungen. 45 Prozent Schülerinnen gehen sehr gern zur Schule, bei den Jungen machen sich nur 32 Prozent morgens gern auf den Weg.

Zufriedene Lehrer, aber kaum Kooperation

Die deutschen Grundschullehrer sind laut Iglu mit ihrer Arbeit zufrieden. Noch glücklicher mit ihrem Job zeigten sich nur die Lehrer in Griechenland, Schweden und den Niederlanden. Schlechte Noten erhielten die deutschen Pauker für ihre Kooperation untereinander. "In fast allen anderen Ländern arbeiten Lehrer deutlich besser zusammen. Da wird sich noch einiges ändern müssen", sagte Bos.

An der Studie hatten sich 35 Länder beteiligt. Die Hauptergebnisse zur Leseleistung waren bereits 2003 vorgestellt worden. Deutschland erreichte dabei Platz elf. Ein zweiter Bericht mit einem Vergleich von mehreren deutschen Bundesländern war Anfang 2004 erschienen. Der nun vorgelegte dritte Teil enthält weitere Auswertungen der Untersuchungen.

Eine zweite Iglu-Studie soll im kommenden Jahr in rund 45 Staaten starten, darunter erneut auch Deutschland. Dabei sollen im April und Mai an 400 Schulen in allen Bundesländern etwa 8000 bis 9000 Schüler getestet werden. Mit ersten Ergebnissen rechnet Bos frühestens für Ende 2007.



© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.