Inklusion in Baden-Württemberg Sonderschulpflicht soll fallen

Ade Sonderschulpflicht! Ministerpräsident und Kultusminister von Baden-Württemberg haben neue Eckpunkte zur Inklusion vorgestellt. Künftig sollen Eltern behinderter Kinder entscheiden dürfen, auf welche Schule ihre Söhne und Töchter gehen.

Schülerin im Rollstuhl (Archiv): Wie gelingt Inklusion?
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Schülerin im Rollstuhl (Archiv): Wie gelingt Inklusion?


In Baden-Württemberg sollen die Eltern von behinderten Kindern künftig selbst entscheiden, ob ihr Kind eine Sonderschule oder eine Regelschule besuchen soll. Das sehen die vom Stuttgarter Kabinett beschlossenen Eckpunkte zur Inklusion vor, die Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) und Kultusminister Andreas Stoch (SPD) am Dienstag vorgestellt haben.

So soll die bisherige Sonderschulpflicht für Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf fallen. Zum Schuljahr 2015/2016 soll das Schulgesetz entsprechend geändert werden.

Kretschmann sprach von einem "Meilenstein auf dem Weg zu einem inklusiven Bildungswesen in Baden-Württemberg". Stoch sagte: "Wir wollen an unseren Schulen eine Kultur des Miteinanders, nicht der Ausgrenzung." Es müsse "selbstverständlich werden, dass ein Kind mit Behinderung an einer allgemeinen Schule unterrichtet wird".

Ein absolutes Elternwahlrecht für eine bestimmte Schule soll es nach Angaben der Landesregierung aber auch nach der Änderung des Schulgesetzes nicht geben. Ausschlaggebend müsse sein, ob ein inklusives Bildungsangebot zu verwirklichen sei.

Inklusion, also das gemeinsame Lernen von Schülern mit und ohne Behinderungen, ist ein zentrales Thema in allen Bundesländern. Grundlage ist die 2009 in Deutschland in Kraft getretene Uno-Behindertenrechtskonvention. Darin ist auch das Recht auf einen gemeinsamen Unterricht aller Schüler festgeschrieben.

Im Südwesten erzeugte vor allem der Fall eines Jungen mit Downsyndrom Aufsehen, dessen Eltern ihn auf eine eine reguläre Schule schicken wollen.

otr/AFP

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andersdenkende 29.07.2014
1. Halte ich für den falschen Ansatz
Zitat von sysopDPAAdé Sonderschulpflicht! Ministerpräsident und Kultusminister von Baden-Württemberg haben neue Eckpunkte zur Inklusion vorgestellt. Künftig sollen Eltern behinderter Kinder entscheiden dürfen, auf welche Schule ihre Söhne und Töchter gehen. http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/inklusion-baden-wuerttemberg-will-sonderschulpflicht-abschaffen-a-983506.html
Vielerorts werden Schulen aufgrund sinkender Schülerzahlen geschlossen. Viele Schulen sind in einem katastrophalen Zustand, weil Gelder zur Sanierung fehlen. An der Grundschule meiner Tochter haben die Lehrer und Eltern in Eigenregie Toiletten saniert, sich um eine angenehmere Gestaltung der Innenräume und Außenbereiche gekümmt. Mithilfe von Spenden und vielen ehrenamtlichen Helfern. Anders wäre es nicht gegangen, weil einfach das Geld fehlt. Nun möchte man auch behinderte Kinder in Regelschulen unterbringen. Nur: Sind die alle z.B. Rollstuhlgerecht? Und wenn nicht, wer zahlt dann die Umrüstung? Der Staat? Bund? Länder? Die Städte, die so schon nicht genug Geld haben? (siehe Beispiel oben). Und wie soll es mit Kindern vonstatten gehen, die nicht körperlich, sondern geistig behindert sind? Dürfen die Eltern dann entscheiden, ob sie meinen, ihr Kind wäre auch in einem Gymnasium aufgehoben oder wird es dann von Fall zu Fall (auch zum Wohle des Kindes) von Fachleuten entschieden? Ganz ehrlich: Ein Kind, das dem Unterricht nicht folgen kann, aus welchen Gründen auch immer, ist eine Belastung für sich selbst und auch für alle anderen. Das behinderte Kinder in besondere Schulen gehen, hat doch nicht damit zu tun, das man sie ausgrenzen oder ihnen etwas verwehren möchte. Vielmehr geht es darum, diesen Kindern gerecht zu werden, auf ihre speziellen Bedürfnisse eingehen zu können. Das kann eine Regelschule doch gar nicht bieten. Warum also dieser Blödsinn? Und: Was nützt es dann, wenn ein Kind bis zum Abitur irgendwie mit durchgeschleift wird? Klagen die Eltern dann einen Studienplatz und anschließend eine gehobene Position in der Wirtschaft ein, weil ihr Kind schließlich die gleichen Chancen haben soll, wie alle anderen, obwohl es eventuell gar nicht die Anforderungen erfüllt? Ich halte von dieser Sache nichts. Zumindest bei geistig behinderten Kindern sollte mehr das Wohl des Kindes, als das egoistische Gehabe der Eltern im Vordergrund stehen.
austenjane1776 29.07.2014
2. Was hier fehlt...
Zitat von sysopDPAAdé Sonderschulpflicht! Ministerpräsident und Kultusminister von Baden-Württemberg haben neue Eckpunkte zur Inklusion vorgestellt. Künftig sollen Eltern behinderter Kinder entscheiden dürfen, auf welche Schule ihre Söhne und Töchter gehen. http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/inklusion-baden-wuerttemberg-will-sonderschulpflicht-abschaffen-a-983506.html
Die Wahl ist die einer "Regelschule" - da kann das Schulamt immer noch verhindern, dass nicht schulfähige kinder aufs Gymnasium kommen. Was ferner fehlt, ist jede Aussage zur Förderung der nihct schulfähigen Kinder. Schulfähige Kinder mit Behinderungen brauchen oft keine Förderung - aber manche andere eine permanente Begleitperson oder sonderpädagoischen Unterricht. Wenn davon keine Rede ist, dann kann man das wohl vergessen - wie in NRW ist das nicht schulfähige "Inklusions"-Kind dann mit der Regelschulklasse allein - und das gibt Stress - in der Klasse wie mit den Eltern. Leider.
torben40 29.07.2014
3. Schön...
...und woher will man dann das Personal(Erzieher, Pflegepersonal, etc...) nehmen? Und wer zahlt das? Wer baut die Gebäude entsprechend um? usw... usw... Solange solche grundlegenden Fragen aus ideologischen Gründen bewusst nicht beantwortet werden, wird das nichts! Oder es leiden darunter die "normalen" Kinder, Lehrer, Schulbegleiter und selbstverständlich die Kinder mit Förderbedarf.
hador2 29.07.2014
4.
De facto gab es die Sonderschulpflicht in weiten Teilen doch auch in BaWü schon seit Jahren nicht mehr. Bereits heute haben z.B. bei Lernbehinderung die Eltern das letzte Wort. Letztlich wird aber alleine dadurch gar nichts besser. Inklusion ist eine tolle Sache, aber nur wenn man auch bereit ist dafür zu zahlen, dass die behinderten Kinder in der Regelschule behindertengerecht beschult werden können. Das heißt Lehrer mit Sonderpädagogischer Ausbildung, behindertengerechte Gebäude und vor allem KLEINERE Klassenteiler. In Klassen mit 28-30 Schülern und einem einzelnen Lehrer ohne entsprechende Ausbildung kann man Inklusion vergessen und es leiden am Schluss alle darunter. Leider ist aber gerade das in fast allen Bundesländern der Normalzustand.
wassollsdenn 29.07.2014
5.
Schon das Bild ist falsch. Es geht nicht um die Inklusion körperbehinderter Kinder. Das hat sich schon längst als zu teuer herausgestellt. Die Inklusion betrifft an erster Stelle die Schülerinnen und Schüler, für die sie von Nachteil ist. Denn Kinder mit dem Förderschwerpunkt Lernen stellen die weit überwiegende Zahl aller zu inkludierenden Kinder. Ihre Elternschaft ist leicht zu überzeugen, schließlich lässt sich so der "Makel" geringerer Leistungsfähigkeit noch eine Weile verschleiern. Es ist auch kaum mit Widerspruch zu rechnen, wenn diese Kinder dann in der Regelschule untergehen. Und für die jeweilige Landesregierung bedeutet deren Inklusion schnelle Erfolgszahlen. Ohnehin endet die Inklusion bereits nach der 4. Klasse, wenn man die Gymnasiasten aussortiert.
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