Gemeinsamer Schulunterricht Lehrerverband will Inklusions-Pause

Die Schulpolitik müsse bei der Inklusion auf die Bremse treten - das fordert der Präsident des Deutschen Lehrerverbands. Die bisherige Inklusion sei mit schuld an den schlechten Leistungen von Schülern.

Inklusiver Schulunterricht in Baden-Württemberg (Archivbild)
DPA

Inklusiver Schulunterricht in Baden-Württemberg (Archivbild)


Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Deutschen Lehrerverbands, verlangt ein Aussetzen der Inklusion an den Schulen. "Was wir jetzt brauchen, ist ein Moratorium bei der Inklusion", sagte Meidinger in einem Interview mit der "Welt". Unter inklusiver Pädagogik versteht man das gemeinsame Unterrichten aller Kinder an Regelschulen, also auch von Kindern mit besonderem Förderbedarf wegen einer Behinderung.

Meidinger sagte, er sei zwar "absoluter Anhänger" des Inklusionsgedankens. "Aber in vielen Bundesländern haben wir den zweiten Schritt vor dem ersten gemacht, also Förderschulen geschlossen, ohne die Regelschulen auf Inklusion vorzubereiten." Nötig sei jetzt erst einmal eine Bestandsaufnahme: "Was funktioniert, und was funktioniert nicht?"

Co-Teaching in jeder Inklusionsklasse

Man werde dann zu dem Schluss kommen, dass es ohne massive zusätzliche Finanzmittel nicht gehen werde. "Im Endeffekt braucht jede Klasse, die Inklusionsschüler hat, eine Zweitlehrkraft." Wenn in den Klassen zu viele Schüler mit komplett unterschiedlichen Voraussetzungen säßen, "können Sie das als Lehrkraft oft gar nicht abdecken", sagte Meidinger.

Dass die OECD, die für die Pisa-Studien verantwortlich ist, Heterogenität in Klassen als große Chance sieht, kann der Lehrerlobbyist nicht verstehen: "Dass die letzten Grundschulleistungsvergleiche enttäuschend ausgefallen sind, liegt auch an der Art und Weise, wie in manchen Bundesländern Inklusion umgesetzt wurde. Und ich denke, dass sich das an den weiterführenden Schulen fortsetzen wird, wenn wir nicht gegensteuern."

him/dpa



insgesamt 37 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
maximovie 05.02.2018
1. Vernachlässigung von Förderschülern
"Inklusion" war eine ideologische und eine Kostenentscheidung, behindert aber oft nur den Unterricht, weil die Inklusion ungeachtet des BEDARFs des Kindes angeordnet wird. Man hätte dafür auch die Klassengrößen halbieren müssen. So, wie das gemacht wird (mit "reinstopfen"), kann das gar nicht funktionierne. Typische Förderschulkinder werden in normale, große Schulklassen geschickt, sogar Autisten, stark verhaltensauffällige Kinder usw. Ich halte das für verantwortungslos, solchen Kindern keine bedarfsgerechte Beschulung zur Verfügung zu stellen. Das Inklusionsmodell ist zu 90-95% gescheitert. Nur für einen Teil der Kinder mit Integrationsbedarf passt das. Es ist klar, dass die Lehrer daran in der Praxis verzweifeln, denen tun vor allem auch die Kinder mit besonderem Förderbedarf leid.
order66 05.02.2018
2.
Die Inklusion ist nicht schuld, Schuld sind Politiker die gerne blindwütig etwas umsetzten ohne Gelder für die Rahmenbedingungen beizustellen. Kleines Beispiel? Gerne! In einer nahliegenden weiterführend Schule soll ein blindes Kind beschult werden. Im Prinzip eine gute Sache, leider hat weder der Schulträger noch das Land in die dafür notwendige Infrastruktur investiert, oder Lehrer geschult oder Material angeschafft oder einen Sonderpädagogen bereit gestellt. Blöde nur das das Kind einen Rechtsanspruch hat und diesen auch durchsetzt. Und jetzt?
Europa! 05.02.2018
3. Bitte keine Experimente mit Kindern
Die rührselig/ideologische Vorstellung, alle Kinder in derselben Klasse unterrichten zu können, ist eine Ungerechtigkeit gegenüber allen normal oder überdurchschnittlich begabten Kindern. Dass diese Experimente vor allem an öffentlichen Schulen stattfinden, wird nur dazu führen, dass immer mehr Eltern nach privaten Schulen suchen, wo ein halbwegs normaler Unterricht stattfindet.
dnicklass 05.02.2018
4. Inklusion geht nur mit Personal
Meine Tochter geht in eine Außenklasse einer Förderschule. Dabei wird sie mit ihren 4 Klassenkameraden mit einer Regelklasse mit 20 Kindern zusammen unterrichted. Die 5 Förderschüler haben haber ihre Lehrkräfte von der Förderschule mitgebracht. Die Klasse wird also permanent von 2-3 Lehrern unterrichtet. Können die Schuler ein Thema mal nicht zusammen bearbeiten, warden die Förder- und die Regelklasse Stundenweise getrennt. Ich finde das ein tolles Konzept und kann nur sagen es funktioniert. Aber eben nur, weil die Sonderpädagogen an der Schule sind. Einfach einzelne Kinder in eine Regelklasse stecken ohne zusätzliche Lehrkräfte wird nicht klappen.
fox69 05.02.2018
5. Irreführendes Symbolfoto
Es sind gerade nicht der geistg normal entwickelte Rollstuhlfahrer, die bei der Inklusion Probleme verursacht, der braucht ganz sicher keine zusätzliche Lehrkraft, möglicherweise kommt er sogar schon ohne zusätzliche Hilfe klar, wenn die baulichen Gegebenheiten passen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.