Lehrplan in Israel Schon Dreijährige sollen vom Holocaust erfahren

In Israel sollen künftig schon Dreijährige im Kindergarten über den Holocaust aufgeklärt werden. Das Bildungsministerium will so vermeiden, dass Kinder durch Gedenktage an die Judenverfolgung traumatisiert werden. Der Schritt wird heftig diskutiert.

Kindergarten in Israel (Archiv): Schon Dreijährige sollen künftig über den Holocaust aufgeklärt werden
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Kindergarten in Israel (Archiv): Schon Dreijährige sollen künftig über den Holocaust aufgeklärt werden


Geschichtsunterricht im Kindergarten: In Israel klären Lehrer ab dem neuen Schuljahr schon Kinder ab drei Jahren über die Judenverfolgung im Zweiten Weltkrieg auf. Das Bildungsministerium und die Holocaust-Gedenkstätte Jad Vaschem in Jerusalem haben entsprechende Lehrpläne erarbeitet und am Freitag im Vorfeld des Gedenktages an die Naziverbrechen vorgestellt.

Es handele sich um "das erste vollständige Unterrichtsprogramm zum Völkermord an den Juden, das sich an alle Schüler von der Vorschule bis zum Abitur richtet", erläuterte das Ministerium in einer Mitteilung. Wobei die "altersabhängige Befähigung, das Gelernte zu begreifen und emotional zu verarbeiten", berücksichtigt werde. Ab September wird die Aufklärung über den Holocaust Pflichtstoff in allen öffentlichen Schulen und Vorschulen Israels.

In einer Begleitbroschüre erklärt das Bildungsministerium, dass gerade jüngere Kinder traumatisiert werden können, wenn sie an den Gedenktagen mit dem Holocaust konfrontiert werden - ohne zuvor davon erfahren zu haben. Ihnen müsse vermittelt werden, dass die Sirenen, die dann im ganzen Land ertönten, an eine schwierige Zeit erinnern. Eine Zeit, in der ihre Eltern noch nicht geboren waren, eine Zeit, die in fernen Ländern stattfand.

Heftige Diskussionen im Internet

Mitarbeiter des Bildungsministeriums hätten klargestellt, dass die Kinder dabei nicht erschreckt oder verängstigt werden dürften, berichtet "Ynetnews", das englischsprachige Nachrichtenportal der israelischen Zeitung "Yedioth Ahronoth". Auf entsprechendes Unterrichtsmaterial sollen Kindergärten entsprechend verzichten. Dabei solle das Thema vor und nach den Gedenktagssirenen besprochen werden, ansonsten solle sich am gewohnten Tagesablauf im Kindergarten nichts ändern.

In sozialen Netzwerken in Israel wurde am Freitag heftig diskutiert, ob es angemessen ist, dass sich Dreijährige mit dem Holocaust befassen. "Die Methode des Geschichtenerzählens ist aber genau richtig", erklärte der Schulpsychologe Daniel Brami. Den Kindern müsse auch erklärt werden, dass die Judenverfolgung zu einer Zeit passierte, bevor der Staat Israel existierte. Das gebe ihnen Vertrauen.

fln/AFP

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 20 Beiträge
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kopp 25.04.2014
1. Ein ziemliches Schwachsinnsargument
Das Trauma findet demnach mit drei Jahren nicht statt ? In Wahrheit scheint sich die Jugend - wie überall - für die Vergangenheit wenig zu interessieren. Dem muss entsprechend vorgebeugt werden.
schwarzwälderin_ 25.04.2014
2. Dreijährige müssen noch nicht alles verstehen!
Meine 3jährige Tochter hat mich vor Ostern gefragt, warum Jesus Löcher in den Händen hatte, ob das nicht wehtut und wer denn sowas macht! Der städtische (!) Kindergarten hatte einen Ausflug zu einem nahegelegenen Pilgerziel, an dem der Kreuzweg dargestellt wird, gemacht. Ich glaube, so etwas verstehen Kinder noch nicht, warum Menschen anderen Menschen Grausamkeiten antun; kann man sie nicht noch ein bisschen davor bewahren? Selbst wenn zum Gedenken an den Holocaust in ganz Israel die Sireneb ertönen, reicht nicht die Erklärung, das erinnere an eine frühere, schlimme Zeit?
petrapanther 25.04.2014
3.
Zitat von schwarzwälderin_Meine 3jährige Tochter hat mich vor Ostern gefragt, warum Jesus Löcher in den Händen hatte, ob das nicht wehtut und wer denn sowas macht! Der städtische (!) Kindergarten hatte einen Ausflug zu einem nahegelegenen Pilgerziel, an dem der Kreuzweg dargestellt wird, gemacht. Ich glaube, so etwas verstehen Kinder noch nicht, warum Menschen anderen Menschen Grausamkeiten antun; kann man sie nicht noch ein bisschen davor bewahren? Selbst wenn zum Gedenken an den Holocaust in ganz Israel die Sireneb ertönen, reicht nicht die Erklärung, das erinnere an eine frühere, schlimme Zeit?
Genau das ist doch der Plan (wenn ich den Artikel richtig verstehe)! Den Kindern wird erklärt, dass die Sirenen heulen, um an eine schwere Zeit zu erinnern, die in einem fernen Land stattfand. Das klingt doch völlig ok - ich halte es für eher unwahrscheinlich, dass da im Kindergarten Bilder aus den KZs gezeigt werden sollen. Die Ueberschrift des Artikels ist mal wieder sehr irreführend...
lupo44 25.04.2014
4. wir wollen Frieden und Völkerverständigung...
aber doch bitte schön nicht mit dieser Basis. Ein Dreijähriger soll in diesem Alter vorbereitet werden auf Hass gegen das Volk welches vor 60 Jahren dieses Verbrechen begangen hat.Nicht,s soll vergessen werden,wir haben Gedenktage,Denkmäler KZ Mahnstellen usw. ,das reicht doch nun wohl endlich .Erzieht Dreijährige dazu ,dass sie niemals so ein Krieg zulassen sollen. Das ist ei vermittelbares Vermächtnis.
spiegelfrauchen 25.04.2014
5. Erschreckend
Kinder im Alter von drei Jahren sind in ihrer Entwicklung überhaupt nicht in der Lage das Geschehen zu verarbeiten , bzw. zu begreifen . Da werden zarte Kinderseelen mit einem unfassbar schweren Verbrechen konfrontiert . Das kann zu psychischen Störungen , z.B. Ängsten , Schlafstörungen führen und auch das Urvertrauen , das Kinder für eine gesunde Entwicklung brauchen , kann empfindlich leiden .
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