Gelungener Coup Schüler ergattert Interview mit US-Verteidigungsminister

Direkter Draht zum Pentagon-Chef: Wovon viele Journalisten träumen, ist einem Schüler-Reporter jetzt gelungen. Er entdeckte zufällig die private Telefonnummer von US-Verteidigungsminister Mattis - und rief einfach mal an.

James Mattis
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James Mattis


Einfach mal ein bisschen forsch sein, dann kommt man schon weiter. Diese Lektion hat Teddy Fischer in seinem Leben schon gelernt - und ein 45-minütiges Interview mit dem US-Verteidigungsminister James Mattis ergattert.

Der Schüler aus dem US-Bundesstaat Washington hatte auf Facebook einen Artikel der "Washington Post" entdeckt, in dem es um den Bodyguard Donald Trumps, Keith Schiller, ging. Ein Foto zeigte Schiller mit einem Arm voller Unterlagen. An einem der Papiere klebte eine Haftnotiz, darauf die private Nummer des Pentagon-Chefs. Der Post wurde später gelöscht.

Schülerreporter Fischer beschloss dennoch, die Nummer einfach mal auszuprobieren und nach einem Interview zu fragen. Mattis ging jedoch nicht ans Telefon. Also hinterließ der Schüler eine Textnachricht.

"Ich denke nicht, dass er tatsächlich an den Erfolg seiner Aktion geglaubt hat", sagte Fischers Lehrer Chris Twombley der "Huffington Post". "Aber der General rief ihn zurück und hinterließ eine persönliche Nachricht für Teddy."

Das Team der Schülerzeitung unternahm alles Erdenkliche, um sicherzugehen, dass tatsächlich der Verteidigungsminister angerufen hatte. Nach einem Hin und Her zwischen der Schule und Mattis Angestellten war jedoch klar: Die Schülerzeitung wird ein 15-minütiges Interview mit dem US-Verteidigungsminister bekommen. Am Ende dauerte das Gespräch sogar noch eine halbe Stunde länger.

Keine Angst vor heiklen Themen

Schülerreporter Fischer scheute sich nicht vor heiklen Themen. Er sprach mit Mattis über die Konflikte im Nahen Osten, über das Verhältnis der USA zu Iran, über Protektionismus und die Nato.

Der Verteidigungsminister seinerseits hatte einen guten Rat für den Schüler: "Was auch immer du beruflich machst, Geschäfte oder Politik, du kannst nichts falsch machen, wenn du dich weiterhin für Geschichte interessierst." Wenn er selbst gewusst hätte, was auf ihn im Leben zukomme, hätte er sich mehr für Geschichte interessiert, so Mattis. Denn nichts unter der Sonne sei wirklich neu, außer vielleicht die Technologie der Menschen.

Mattis sagte, er habe Fischer zurückgerufen, weil er mit Schülern in Kontakt bleiben wolle. "Ich glaube wir schulden es euch jungen Leuten, weiterzugeben, was wir auf unserem Weg gelernt haben, damit ihr eure eigenen Fehler macht und nicht unsere", sagte der US-Verteidigungsminister.

Fischers Lehrer Twombley ist stolz auf seinen Schüler. Dessen starke Nerven seien ein Vorbild für Journalisten. "Die Aufgabe der Medien ist es, heikle Fragen zu stellen. Viele Kinder in Teddys Alter hätten sich das nicht getraut."

koe



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