Sprache Jugendwort des Jahres 2016 ist "fly sein"

Das Jugendwort des Jahres 2016 ist gekürt: "Fly sein" setzte sich gegen Konkurrenten wie Tindergarten und Hopfensmoothie durch.

Ob diese jungen Menschen "fly" sind?
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Ob diese jungen Menschen "fly" sind?


Zehn Begriffe standen zur Wahl, darunter Uhrensohn, Banalverkehr oder isso. Daraus sollte eine 20-köpfige Jury aus Schülern, Studenten und Sprachwissenschaftlern das Jugendwort des Jahres 2016 wählen. Am Freitag verkündete sie in München ihre Entscheidung: "fly sein" machte dieses Mal das Rennen. Das soll so viel bedeuten wie etwas oder jemand geht besonders ab.

Auf die Plätze 2 bis 5 kamen:

bae - before anyone/anything else, Bezeichnung für beste Freundin o.ä
isso - Zustimmung, Bekräftigung
Bambusleitung - schlechte Internetverbindung
Hopfensmoothie - Bier

Das Jugendwort des Jahres wird immer im Herbst bekannt gegeben. Es handelt sich dabei um eine durchaus umstrittene Werbeaktion des Langenscheidt-Verlages für ein Buch zur Jugendsprache. Immer wieder wird bezweifelt, ob Jugendliche wirklich so reden, zumal das Online-Voting allen Menschen offensteht, nicht nur den jungen.

In der diesjährigen Internetabstimmung hatte "fly sein" zuvor nur 4,4 Prozent der Stimmen erreicht. Spitzenreiter war der Begriff "isso", gefolgt von "Vollpfostenantenne" für einen Selfiestick. Der wurde nach Angaben der Jury, die nicht an die Ergebnisse der Abstimmung gebunden ist, aber schnell aussortiert, weil er zu wenig kreativ gewesen sei.

"Fly sein" komme aus der Hip-Hop-Sprache und finde gerade erst seinen Eingang in die Jugendsprache. "Es ist ein Phänomen des Jahres 2016", sagte die Sprachwissenschaftlerin Susanne Schräder. Der 19-jährige Maximilian Knab und der 18 Jahre alte Julian Prechtl, die ebenfalls in der Jury saßen, haben das Wort zwar schon mal gehört, wie sie sagten, aber noch nie benutzt.

Oft handelt es sich bei den Vorschlägen um Wortneuschöpfungen, wie zum Beispiel auch Tindergarten - Sammlung von Kontakten beim Online-Dating, Banalverkehr - belangloser Chatverlauf oder Uhrensohn - jemand, der sich zur falschen Zeit wie ein Idiot benimmt.

In den vergangenen Jahren waren einige der gekürten Jugendwörter umstritten. Klicken Sie sich für einen Rückblick durch die Fotostrecke.

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Jugendwort des Jahres: Von Babo bis Smombie

Das Prozedere zur Wahl des Jugendwortes läuft in der Regel so ab:

1. Unter dem Motto "Gib uns #Dein Wort!" kann jeder im Internet bis zu einer bestimmten Frist Vorschläge einreichen.
2. Aus einer Sammlung von 30 Begriffen stimmen Menschen per Internet ab, welches ihr Favorit für das Jugendwort des Jahres ist.
3. Aus den Top Ten wählt eine Jury, darunter in diesem Jahr der YouTuber iBlali und die Junior-Bloggerin Livia, dann das Jugendwort des Jahres aus.

Dabei geht es nicht nur darum, ob der Begriff auf Schulhöfen oder an Unis tatsächlich verbreitet ist. Kriterien sind auch sprachliche Kreativität, Originalität sowie gesellschaftliche und kulturelle Ereignisse.

fok/dpa

insgesamt 62 Beiträge
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Seite 1
Epistokrat 18.11.2016
1.
20 Jahre nachdem "Fly" in Amerika benutzt wurde ist das jetzt also auch bei uns angekommen. Kann man mal wieder sehen dass die Leute bei uns lieber den Ami kopieren anstatt sich selbst etwas auszudenken. Land der Denker und so....
Premiumbernd 18.11.2016
2. Irgendwie ist Jugend nicht mehr cool
Ich habe 50 Lenze auf den Buckel und nenne den Selfiestick "Deppenzepter" Bin ich jetzt auch cool/hipp oder wie es auch immer heißen mag? Solche Wahlen hätten mich als Jugendlichen überhaupt nicht interessiert. Und meinen Altersgenossen wäre es wohl damals ähnlich gegangen.
sarkasmis 18.11.2016
3. Mit Verlaub
War der Begriff nicht schon Ende der 90er einigermaßen populär?
Die Happy 18.11.2016
4.
Bambusleitung ist ja wohl bombe. Das nenne ich mal kreativ. Der Hopfen.. ist auch nicht schlecht.
Knossos 18.11.2016
5. Über die Schöpfung
Vielleicht paßt der Bereich Jugendsprache ja gut in die Kategorie "Moderne Kunst". Wenn einem nichts Besonderes / Sinniges einfällt / man es besser nicht kann, könnte man verkrampftes Neuschaffen ja auch bleiben lassen. Erst recht, wenn es dafür keine Galerien gibt, in denen Fehlprodukt in Investitionsmöglichkeit für Superreiche verwandelt wird, denen angesichts von Not ebenfalls nichts mehr einfällt. Einfallslosigigkeit ist schließlich gewichtiger, als gemeinhin angenommen. .
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