Junger Fotokünstler Brians Düsternis

Seine Bilder sind beklemmend, mit einem Hang zum Kitsch: Der amerikanische Fotokünstler Brian Oldham ist erst 19, aber kann schon gut von seiner Arbeit leben. Im Interview erklärt er, wie er sich mit seiner Kunst therapiert - und warum dazu auch sein eigener inszenierter Tod gehört.


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Junger Fotokünstler Oldham: Tod am Haken
SPIEGEL ONLINE: Brian, du machst surreale Bilder, die Menschen mit brennenden Armen zeigen. Auf einem Bild bist du an einem Angelhaken hängend zu sehen. Warum so düster?

Brian Oldham: Das sind keine angenehmen Motive, weil ich mich darin mit dem Tod auseinandersetzte. Die Idee für das Bild des brennenden Pärchens war, dass sich die Arme zweier Liebender selbst entzünden, sie sich also in einer lebensbedrohlichen Situation befinden, es aber nicht bemerken. Das Bild, auf dem ich am Angelhaken hänge, ist ein Selbstporträt meines eigenen Todes.

SPIEGEL ONLINE: Du bist erst 19, warum ist der Tod für dich ein Thema?

Oldham: Ich habe meine Erfahrungen mit dem Tod gemacht. Meine Mutter starb als ich 15 war. Damit hatte ich zu kämpfen und das kommt in meinen Bildern zum Ausdruck. Diese Erinnerungen und die damit verbundenen negativen Emotionen will ich ergründen und verarbeiten.

SPIEGEL ONLINE: Deine Bilder sind mehr als Fotos, sie sind stark bearbeitet. Warum?

Oldham: Ich fotografiere zwar gern, manipuliere im Nachhinein aber noch lieber am Computer. Das habe ich mir vor zwei Jahren selbst beigebracht, nach der Highschool. Seitdem lässt es mich nicht mehr los.

SPIEGEL ONLINE: Einige der Bilder basieren auf Selbstporträts. Wer modelt noch für dich?

Oldham: Ich rekrutiere Freunde oder Verwandte. Mit denen ist es aber manchmal schwierig, weil sie schüchtern sind und man ihnen nicht so gut Anweisungen geben kann. Darum setze ich jetzt mehr auf Models. Meine Cousins sind eine Ausnahme. Die machen super mit, mit denen arbeite ich sehr gerne.

SPIEGEL ONLINE: Was hast Du Dir bei dem Selbstporträt gedacht, das dich bedeckt von Rosenblättern zeigt?

Oldham: Es zeigt eine Person, die sich körperlich und seelisch in der Atmosphäre auflöst - zu erkennen an den Blättern, die sich nach und nach vom Körper ablösen.

SPIEGEL ONLINE: Da geht es also schon wieder um den Tod?

Oldham: Naja, die Ideen hinter meinen Bildern sind düster, aber ich versuche, dunkle Ideen mit schönen Motiven zu kontrastieren. Mein Ziel ist, die Schönheit in der Düsternis zu zeigen.

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Das Interview führte Christoph Titz



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insgesamt 17 Beiträge
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Seite 1
LaBiba 02.10.2012
1. Honorarfreie Nutzung
Hallo, gilt die honorarfreie Nutzung nur für diese Aktion, oder möchte Der Spiegel die Fotos auch z.B. als Illustration für seine Artikel honorarfrei nutzen können?
2049er 02.10.2012
2. das ist ja tatsächlich das einzig Gute, was ich in den letzten
Jahren im Spon an Fotografie gesehen habe.... zwischen all den geschiedenen Ehefrauen und anderen Selbstdarstellern, die 1000fach fotografierte "lost places" etc. fotografieren...
nadennmallos 02.10.2012
3. Auf den Punkt gebracht ...
Zitat von 2049erJahren im Spon an Fotografie gesehen habe.... zwischen all den geschiedenen Ehefrauen und anderen Selbstdarstellern, die 1000fach fotografierte "lost places" etc. fotografieren...
dieser Junge kann was!
jamblichos 02.10.2012
4.
Das Bild mit dem Angelhaken ist großartig. Ich hätte aber im Artikel gern mehr darüber gelesen, was genau und wie er es bearbeitet und welche Programme er dafür benutzt. Außerdem beschäftigt mich die Frage, inwiefern die digitale Bearbeitung als "richtige" oder "falsche" Kunst aufgefasst wird und wie sich andere Fotokünstler in der Diskussion positionieren.
Augustusrex 02.10.2012
5. Sehr gut
Richtig gute Ideen!
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