Kritik an Schulessen-Kampagne "Minister Schmidt nervt Ernährungsexperten"

"Nichtssagend", "Luftnummer", "schöne bunte Bilder" - die 2,2 Millionen Euro teure Kampagne aus dem Bundeslandwirtschaftsministerium für besseres Essen in Kitas und Schulen sorgt vor allem für: Spott.

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (Mitte) bei der Grünen Woche in Berlin
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Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (Mitte) bei der Grünen Woche in Berlin


"Sie, liebe Eltern, spielen eine wichtige Rolle. Denn Sie wollen das Beste für Ihr Kind. Ihnen liegt die Qualität des Essens in Kitas und Schulen besonders am Herzen", so spricht die Ernährungskampagne "Macht Dampf" für Kinder, initiiert von Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU), Eltern in Deutschland an.

Das Ziel: Eltern sollen sich in den Kitas und Schulen ihrer Kinder "einmischen" und mit ihrem Einfluss "dafür sorgen", dass die Kinder "auf den Tellern ausgewogene und leckere Gerichte finden". Das Landwirtschaftsministerium in Berlin will die Mütter und Väter dabei unterstützen.

Doch seitdem Schmidt die Kampagne im Januar vorgestellt hat, sorgt sie vor allem für Kritik und Spott. Die Verbraucherorganisation Foodwatch teilte bereits zum Start der Kampagne im Januar mit: "Ganz in der Linie der bisherigen Politik von Minister Schmidt bleibt es auch diesmal bei Aufklärung, Appellen und dem Prinzip Hoffnung. Allein mit Maßnahmen wie Siegeln für Caterer, Empfehlungen für die Eltern oder einer Plakat- und Internetkampagne will der CSU-Politiker gesunde Ernährung fördern."

Die Kampagne habe lediglich "schöne bunte Pressebilder, nichtssagende Plakatwände und eine Website hervorgebracht, um Eltern zu animieren, sich mehr um das Essen ihrer Sprösslinge in den Schulen und Kitas zu kümmern", sagt Verbraucherexpertin Nicole Maisch (Grüne).

Und eine Kommentatorin der Berliner Tageszeitung "BZ" schreibt zu den Plakaten, die in der Hauptstadt aushängen: "An wen richten sich die Sätze? Man muss glauben, dass die Damen und Herren im Ministerium die Mütter und Väter in diesem Land für dumm halten."

"Macht Dampf" sei reine Geldverschwendung und eine "Luftnummer" zulasten der Steuerzahler, sagt Maisch. So zeigte die Antwort von Schmidts Ministerium auf eine Anfrage der Grünen: Die Kampagne kostet 2,2 Millionen Euro, "die wichtigen Vernetzungsstellen Schulverpflegung" würden dagegen laut Maisch lediglich mit knapp 1,3 Millionen Euro Bundesmitteln unterstützt. Die Stellen helfen Schulen bei der Gestaltung eines gesunden Verpflegungsangebots.

"Christian Schmidt nervt Ernährungsexperten"

Sowohl Foodwatch als auch die Grünen kritisieren, dass Strukturen und verpflichtende Standards fehlen, um tatsächlich in Schulkantinen und Kitaküchen etwas zu verändern: "Wenn der Minister Schmidt das Essen für Kinder und Jugendliche in Kitas und Schulen wirklich verbessern will, muss er helfen, das Kooperationsverbot aufzuheben", so Maisch. Schulen sind Ländersache, und das umstrittene Kooperationsverbot verbietet die Einmischung und Finanzierung des Bundes.

Das hält Bundespolitiker natürlich nicht davon ab, ihre Vorschläge zur Verbesserung von Schulen vorzubringen - so auch Schmidt, der sich neben besserem Essen auch ein eigenes Schulfach "Ernährung" wünscht - auch zum Leidwesen der Grünen: "Statt seinen Teil zu besserem Schulessen beizutragen, nervt Christian Schmidt Ernährungsexpertinnen und -experten mit der Forderung nach einem eigenen Schulfach Ernährung", so Maisch.

Diese hätten dem Minister bereits in einem Brandbrief mitgeteilt, dass sie seine Forderungen für derzeit "kontraproduktiv und eventuell sogar schädlich" halten.

lgr/dpa



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insgesamt 67 Beiträge
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Seite 1
schwaebischehausfrau 02.03.2016
1. Wieso schädlich?
Wenn es ein neues, sinnvolles Schulfach gibt, dann Ernährungskunde + Sport. Dazu muß man sich nur die ganzen adipösen Grundschüler anschauen, von der übergewichtigen erwachsenen Bevölkerung ganz abgesehen. Wieso ein solches Schulfach "kontraproduktiv" und sogar "schädlich" sein soll, wäre interessant zu erfahren.
uksubs 02.03.2016
2. schädlich
auch wenn ich ansonsten so gar nicht auf des ministers welle schwimme - die forderung aus seiner partei nach schweinefleisch ist sicherlich auch schädlich. jedoch das schulfach finde ich nun nicht so dumm.
event.staller 02.03.2016
3. Gibt es noch das Fach Biologie?
Dann wäre es doch passend, hier in den Lehrplan die Biologie der Ernährung aufzunehmen.
newsticker 02.03.2016
4. Warum Spott?
Mir fällt auf, das bei jeder neuen staatlichen Initiative , welche ja auch anregt über dieses Thema zu reden und etwas zu verbessern, gleich wieder alle Besserwisser aus ihren Löchern kommen und kleinreden oder kritisieren. Die Initiative in SH, über das Thema Schweinefleisch in KITAs , wurde auch gleich an den Pranger gestellt. Obwohl die ja nicht so unrecht haben. Es heisst ja auch in anderen Bundesländern wird Schweiniefleich nicht mehr angeboten, weil es den Muslimen verboten ist. Was soll ich davon halten?
newsticker 02.03.2016
5. Einverstanden
Zitat von schwaebischehausfrauWenn es ein neues, sinnvolles Schulfach gibt, dann Ernährungskunde + Sport. Dazu muß man sich nur die ganzen adipösen Grundschüler anschauen, von der übergewichtigen erwachsenen Bevölkerung ganz abgesehen. Wieso ein solches Schulfach "kontraproduktiv" und sogar "schädlich" sein soll, wäre interessant zu erfahren.
Ich bin da völlig bei ihnen. Ich habe leider den Eindruck, das es für jedes Thema tausend Experten gibt, die unverzüglich eine gegenteilige Meinung vertreten. Das ist kontraproduktiv..
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