Schülerzeitung in Kansas Direktorin kündigt nach kritischem Artikel

Redakteure einer Schülerzeitung in Kansas haben so intensiv zur Vita ihrer neuen Schulleiterin recherchiert, dass sie am Ende mehr Fragen hatten, als der Direktorin lieb war. Sie kündigte.

Redakteure der Schülerzeitung, Maddie ist die dritte von links
Emily Smith / Pittsburg High School

Redakteure der Schülerzeitung, Maddie ist die dritte von links


Sechs Redakteure einer Schülerzeitung an der Pittsburgh High School im US-Bundesstaat Kansas haben Ungereimtheiten im Lebenslauf ihrer neuen Schulleiterin aufgedeckt - und damit deren Kündigung bewirkt. Die Lehrerin, Amy Robertson, verzichtete nach einem Bericht in der Schülerzeitung auf den Job, wie die Zeitung "Kansas City Star" berichtet.

Die Schülerin Maddie, 17, hatte zunächst ein normales Interview mit der neuen Schulleiterin geführt. Sie wollte über sie schreiben, um sie der Schulgemeinschaft von rund 900 Schülern vorzustellen, berichtete Maddie der Zeitung. Denn: "Keiner wusste, wer sie war."

Bei der anschließenden Recherche im Internet fanden Maddie und weitere Schülerzeitungs-Redakteure allerdings Informationen über ihre neue Direktorin, die sie skeptisch machten:

Die Bildungsbehörde in Dubai beschuldigte demnach Robertson, dort eine private Schule ohne die dafür nötigen Zertifikate geleitet zu haben. Schulinspektoren zufolge habe die Schule zudem "nicht zufriedenstellend" gearbeitet und wurde 2012 geschlossen. "Da haben bei uns die Alarmglocken geschrillt", sagte Maddie.

Zweifel an der Echtheit der Uni-Zeugnisse

Drei Wochen lang recherchierten die Schüler intensiv weiter und hatten danach große Zweifel, ob die Abschlusszeugnisse der neuen Schulleiterin alle echt waren. Denn aus ihrer Sicht passten einige Dinge in Robertsons Vita nicht zusammen. Demnach hatte sie ihren Masterabschluss und Doktortitel an der Corllins Universität erworben. Aber die Schüler bezweifelten, ob es sich dabei um eine richtige Hochschule handelte.

Die Website der Uni funktionierte nicht, und die US-Bildungsbehörde konnte keine Nachweise dafür finden, dass es an der Hochschule einen aktuellen Lehrbetrieb gab. Vielmehr tauchte die Uni in Medienberichten als Briefkastenfirma auf, bei der man Zeugnisse und Zertifikate kaufen konnte.

Emily Smith, die das Team der Schülerzeitung betreut, erzählte der "Washington Post": "Alle haben den Schülern gesagt, sie sollten ihre Nase nicht in Dinge stecken, die sie nichts angehen, aber die Schüler ließen nicht locker."

Schulleiterin: Vorwürfe gründen sich nicht auf Fakten

Am 31. März veröffentlichten die Redakteure ihre Informationen in der Schülerzeitung und setzten die neue Leitung damit offenbar so unter Druck, dass sie wenige Tage später ihr Amt aufgab. "Nach den Dingen, die ans Licht gekommen sind, hält Amy Robertson es für das Beste für den Schulbezirk, wenn sie kündigt", zitiert der "Kansas City Star" den zuständigen Superintendenten, Destry Brown, der Robertsons Einstellung zuvor befürwortet hatte.

Die Schulleiterin wies die Vorwürfe zurück. "Meine drei Uni-Abschlüsse sind alle von der US-Regierung anerkannt", sagte sie. Sie werde die kritischen Fragen der Schüler dazu nicht kommentieren, denn ihre Vorwürfe gründeten sich nicht auf Fakten. Robertson betonte: Die aktuelle Situation der Corllins Universität sei nicht relevant, weil sie dort schon vor mehreren Jahren ihre Abschlüsse erworben hatte.

fok

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