Hochstaplerin Falsche Lehrerin räumt Urkundenfälschung ein

Sie fälschte das Staatsexamen und erschlich sich damit eine Stelle als Lehrerin: Eine Frau aus Wismar soll jahrelang ohne Qualifikation an Schulen unterrichtet haben. Nun steht sie vor Gericht.

Gerichtssaal in Kiel: Die Angeklagte kam erst in den Raum, nachdem die Fotografen gegangen waren
DPA

Gerichtssaal in Kiel: Die Angeklagte kam erst in den Raum, nachdem die Fotografen gegangen waren


Jahrelang hatte eine Frau als Lehrerin gearbeitet, obwohl sie keine war. Mit falschen Hochschulabschlüssen und Diplomen täuschte sie Behörden, Kollegen, Eltern und Schüler. Am Mittwoch gestand die 50-Jährige vor dem Amtsgericht Kiel, ihre Abschlusszeugnisse gefälscht zu haben und sich so eine Stelle als Lehrerin erschlichen zu haben. Die Frau aus Wismar räumte ein, dass sie sich nach der Wende mit falschen Zeugnissen und Staatsexamina für das Lehramt beworben hatte. Die Staatsanwaltschaft legt ihr gewerbsmäßigen Betrug und Urkundenfälschung zur Last.

Sie habe dem Fach Staatsbürgerkunde, das in der DDR als Propagandaunterricht galt, kaum Chancen auf Anstellung gehabt, sagte die Angeklagte. "Es war eine Zeit, in der Vergangenheiten gelöscht wurden. So war es auch bei mir." Unter Tränen zeigte sie sich reuig und bat um Entschuldigung. Sie habe schon seit ihrer Kindheit Lehrerin werden wollen, sagte sie.

Der Fall war vor zwei Jahren ans Licht gekommen. Nach der Wende hatte die Frau Zeugnisse angefertigt oder anfertigen lassen, die ihr herausragende Leistungen im ersten und zweiten Staatsexamen bescheinigen. Absolviert hatte sie die Prüfungen angeblich an einer Universität in Nordrhein-Westfalen. Bereits Anfang der Neunzigerjahre soll die Frau ohne entsprechende Qualifikation in Mecklenburg-Vorpommern als Lehrerin gearbeitet haben. Später unterrichtete sie auch in Brandenburg und Berlin.

In Medienberichten heißt es, die Frau haben zur Wendezeit noch in der DDR ein Lehrer-Diplom gemacht. Um nach der Wiedervereinigung weiter unterrichten zu können, soll sie das Zeugnis manipuliert und Staatsbürgerkunde durch Sozialkunde ersetzt haben. Möglicherweise hat die Frau aber auch nie studiert. Die Staatsanwaltschaft hatte im vergangenen Jahr gesagt, die angebliche Lehrerin habe "weder einen Hochschulabschluss noch sonst eine Prüfung abgelegt, die sie als Lehrerin befähigen würde".

Den jetzigen Prozess brachte ein Schulleiter in Mölln in Gang, wo die Frau von 2008 bis Ende 2012 am Marion-Dönhoff-Gymnasium tätig war. Ihm war die Diskrepanz zwischen den guten Examensnoten der Frau und ihrer Arbeit an der Schule aufgefallen. Eine damalige Kollegin berichtete der Wochenzeitung "Die Zeit" davon, dass die Frau als Protokollantin während einer mündlichen Abiturprüfung im Fach Politik völlig überfordert gewirkt habe. So habe die angebliche Politik-Lehrerin die Grundprinzipien des Sozialstaates nicht erklären können, auch Nato-Strategien habe sie nicht gekannt. "Alle wussten, dass mit der Frau irgendetwas nicht stimmt. Und wir haben immer gewitzelt, wo sie wohl ihr Examen gewonnen hat", sagt die ehemalige Kollegin. Die falsche Lehrerin flog auf und verlor ihren Beamtenstatus.

Doch sie konnte das Unterrichten offenbar nicht lassen. Kurz darauf gelang es ihr, in Mecklenburg-Vorpommern als Lehrerin erneut angestellt zu werden. Die Staatsanwaltschaft Kiel wandte sich in ihren Ermittlungen an das Bildungsministerium in Schwerin. Erst daraufhin wurde die Hochstaplerin an ihrer neuen Schule zur Rede gestellt. Sie soll einen Auflösungsvertrag unterschrieben haben.

Das Schöffengericht in Kiel will den Fall nun drei Tage verhandeln. Das Urteil wird Mitte Juni erwartet. Möglicherweise kommen hohe Zahlungen auf die falsche Lehrerin zu, weil die Frau Beamtenbezüge bekommen hatte: Schleswig-Holstein fordere rund 133.000 Euro von ihr zurück, sagte die Frau vor Gericht. Auch aus anderen Bundesländern gebe es Rückzahlungsforderungen.

bkr/dpa

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insgesamt 94 Beiträge
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Seite 1
oliiiiwero 20.05.2015
1.
6 jahre Privatinsolvenz, danach dann 9 jahre Hartz lV bis 65, schlussendlich bis zum finalen Ende Grundrente. Und vorher Jahre schon ordentlich was beiseite legen, so kann man Leben ...
DonCarlos 20.05.2015
2. Lehrer ohne Qualifikation?
Davon kannte ich auch ein paar. Diese hatten aber Staatsexamen und daher wird der Staat von diesen keinen Cent bekommen.
Narvan 20.05.2015
3. kommt
mir aus einem Film bekannt vor^^
Dumme Fragen 20.05.2015
4. Also wirklich...
Jeder halbwegs intelligente Mensch kann als Quereinsteiger Lehrer werden. Die meisten, die ich kenne (meine Ex ist Lehrerin mit sehr großem LehrerInnenbekanntenkreis), werden es eh nur, weil ihnen a) nix besseres einfällt b) der Beamtenstatus lockt und c) sie viele Ferien haben. Didaktik lernen die Studenten eh nicht im Studium, sondern erst im Referendariat oder generell nie. Gab ja grade hier bei SPON einen Artikel von einer Lehramtsstudentin.
warum-du-so? 20.05.2015
5. ...
Wenns nach Qualifikation ginge, wäre der halbe Bundestag leer ... Klar hat war das nicht rechtens, was sie tat - trotzdem klingt das nach einer Hexenjagd - da wird jeder Mörder besser behandelt...
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