Kita-Plätze in Deutschland Riesiger Bedarf, mickrige Finanzierung

400.000 Kita-Betreuungsplätze werden in Deutschland in den kommenden Jahren gebraucht - aber nur für ein Viertel davon steht Geld bereit. Experten warnen deshalb vor dem "Kita-Notstand".

Kita-Kinder in Hannover (Archivbild)
DPA

Kita-Kinder in Hannover (Archivbild)


Die Prognose macht Gerd Landsberg ziemlich unruhig: 400.000 neue Betreuungsplätze in Kitas, sagt der Hauptgeschäftsführer beim Deutschen Städte- und Gemeindebund, würden bis 2025 in Deutschland benötigt. "Die Geburtenrate steigt, die Flüchtlingskinder benötigen Plätze und immer mehr Eltern sind auf der Suche nach einem Betreuungsangebot", sagte Landsberg dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

Alleine in den kommenden drei Jahren fehlen schon 350.000 Kita-Plätze, schätzt auch Franziska Brantner, Familienexpertin bei den Grünen, und fordert "entschiedene Schritte gegen den Kita-Platz-Mangel." Es gebe eine riesige Lücke bei der Finanzierung, bestätigt Gerd Landsberg: "Die Mittel reichen bei weitem nicht aus, um den notwendigen Bedarf zu decken."

Laut RND sind nur etwa 100.000 zusätzliche Kita-Plätze gesichert - gerade mal ein Viertel dessen, was eigentlich nötig wäre. So seien die aktuellen Bundesmittel für den Ausbau schon jetzt nahezu komplett verplant, heißt es in dem Bericht: 550 Millionen Euro aus dem so genannten dritten Investitionsprogramm bis Ende 2018 habe der Bund inzwischen für nahezu alle Länder komplett bewilligt.

Nach Nordrhein-Westfalen gehen demnach aus diesem Programm 118 Millionen Euro, nach Niedersachsen knapp 51 Millionen, nach Schleswig-Holstein 18,2 Millionen, nach Mecklenburg-Vorpommern 10,53 Millionen und nach Brandenburg 15,6 Millionen.

Aus einem weiteren, gerade angelaufenen Kita-Investitionsprogramm mit 1,12 Milliarden Euro, das bis 2020 rund 100.000 Plätze finanzieren soll, sind bereits 68 Millionen Euro genehmigt. Das bestätigte eine Sprecherin des Bundesfamilienministeriums.

Der Kita-Bedarf vor Ort in den Kommunen ist so groß, dass einige Länder wie Bayern, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz mit ihren jetzt vorliegenden Projektanträgen das für sie eingeplante Budget bereits ausgeschöpft haben. Gerd Landsberg fordert deshalb dringend finanzielle Hilfe aus Berlin: "Die Kommunen dürfen mit dieser Aufgabe nicht allein gelassen werden, sonst droht ein Kita-Notstand."

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insgesamt 23 Beiträge
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Atkins 11.11.2017
1. Kein Problem
In Kürze bekommen wir doch neue Regierung, deren Parteien sich in Wahlkampf unisono für Verbesserung der Bildung eingesetzt haben. Und höhere Steuereinnahmen sind doch auch schon angekündigt, also kann es doch überhaupt kein Problem sein, oder?
vliege 11.11.2017
2. Die Alten und die Jungen,
sind eben noch nicht oder nicht mehr produktiv, also nicht wichtig in Deutschland im Jahre 2017. Der Staat zieht sich immer mehr aus seinen gesellschaftlichen Pflichten zurück. Seien es Kitaplätze oder die Lücke im Pflegesystem, wir zahlen/ subventionieren mit Steuermitteln jeden erdenklichen Unsinn in der Welt aber für die schwächsten in unserer "modernen" Gesellschaft ist kein Geld da.
FinWir.de 11.11.2017
3. Unsere Zukunft, also unsere Kinder, ist halt nichts wert
Wie schnell es doch in der Finanzkrise ging, Milliarden aus dem Ärmel zu schütteln um Banken, die sich verzockt haben zu retten. Bei der Finanzierung von Kitas, die gerade sozial schwächeren Familien helfen, wird um jeden Cent gefeilscht. Wir sollten in diesem Land wirklich neue Prioritäten setzen und die Politik frei von der massiven Wirtschaftslobby machen.
hansgustor 11.11.2017
4. Heute
Den Kita-Notstand gibt es heute schon in nahezu allen Großstädten. Passiert ist in den letzten 3 Jahren aber fast nichts. Immerhin ist bei uns jetzt eine neue Kita geplant: Fertigstellung Ende 2022.
whitewisent 11.11.2017
5.
Es sollte doch jedem klar sein, daß hier die Unfähigkeit von Provinzpolitikern der letzten 10 Jahre die Ursache ist. Wieso meint mancher, daß sich daran etwas ändern würde, wenn noch mehr Geld aus Berlin kommt. Das durch eine geänderte Gesetzeslage und einem Anstieg der Geburten die Plätze gebraucht werden war schon lange klar. Aber per Fixierung auf die Rentner und Pflegebedürftigen wurde das Problem schlicht ignoriert. Klar, Kinder können ja auch nicht wählen. Ansonsten sei der Hinweis gestattet, daß es derzeit in Deutschland gar nicht genügend Fachpersonal für noch mehr Betreuungsplätze gibt, wenn man die bisherigen (stark abweichenden) Standards der Bundesländer behalten will. Seit 2012 gönnt man sich dazu den Luxus, die Betreuungsschlüssel auch noch zu senken, als ob es diesen Bedarf nicht gäbe. In den Krippen kommen heute 4,3 statt 4,8 Kinder auf eine Arbeitsstelle, bei den Kitas statt 9,8 nun 9,2 Kinder. Man könnte also auch die These aufstellen, daß die Gelder aus Berlin in der Vergangenheit zweckwidrig zur Verbesserung der Betreuung verwendet wurden, und nicht zur Erhöhung der Kapazitäten. Wenn Beides wichtig ist, aber nicht genug Geld vorhanden, erscheint es wie ein selbstgestricktes Problem der Kommunen. Ansonsten vieleicht auch ein Blick auf die Betreuungsschlüsse. Im BW sind es 6 Kinder je Fachkraft, in MVP 14 Kinder. Selbst wenn man BW nicht auf diese Level heben möchte, schon bei einer Steigerung auf den bundesdeutschen Durchschnitt hätte die Schwaben auf einmal 50% mehr Kapazität. Luxus kann man sich aber nur leisten, wenn man ihn selbst bezahlt. MVP zeigt, wie es wirklich arme Regionen machen müssen.
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