EU-Förderprogramm Tschechisch und Polnisch für Kita-Kinder

Viele Ostdeutsche sind schneller in Polen oder Tschechien als in Dresden oder Leipzig. Doch die Verständigung mit den Nachbarn fällt vielen schwer. Das soll sich jetzt ändern - mit Sprachunterricht in Kitas.

Grundschüler (Symbolfoto)
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Grundschüler (Symbolfoto)


Gebannt hängen die 18 Mädchen und Jungen einer Kita im tschechischen Luby an den Lippen von Pavlína Kellerová. Sie erzählt von einem Pfannkuchen, der um keinen Preis verspeist werden möchte - auf Deutsch.

Die 41-Jährige vermittelt spielerisch die Sprache des Nachbarlandes, das nur knapp fünf Kilometer entfernt liegt. Kellerová ist freiberufliche Sprachanimateurin, drei Kindergärten auf tschechischer und sieben auf deutscher Seite sowie zwei Grundschulen besucht sie jede Woche.

Die Quereinsteigerin hat sich beim Deutsch-Tschechischen Jugendaustausch-Tandem, einem EU-Projekt, weiterbilden lassen. Rund 200 Menschen haben die Ausbildung in Regensburg und Pilsen schon durchlaufen. Finanziert wird ihr Einsatz mit Fördermitteln der Europäischen Union.

Vorteile auf dem Arbeitsmarkt

"Mir geht es vor allem darum, dass die Kinder keine Vorbehalte gegenüber dem Nachbarland haben und ihre Neugier geweckt wird", sagt Kellerová, die seit 20 Jahren in Deutschland lebt. Ihre Tochter sei zweisprachig aufgewachsen und im wöchentlichen Wechsel in Bad Elster und Luby in die Kita gegangen. "Dadurch konnte sie zu hundert Prozent in die Sprache eintauchen."

In den Grenzregionen gehöre die Sprache des Nachbarlandes zur Lebenswelt der Kinder, sagt auch Regina Gellrich, Leiterin der Landesstelle für frühe nachbarsprachige Bildung in Sachsen. Von ihrem Wohnort Zittau fahre man keine halbe Stunde bis Liberec in Tschechien, nach Dresden brauche man mehr als 90 Minuten. "Wir sind mittendrin in Europa, diese Erkenntnis braucht aber Zeit."

Gellrich plädiert dafür, allen Kindern in den Grenzregionen Polnisch oder Tschechisch beizubringen. Davon könnten sie später auch auf dem Arbeitsmarkt profitieren, ist sie überzeugt. Schließlich gehören Polen und Tschechien zu den zehn wichtigsten Wirtschaftspartnern Deutschlands.

Viele Kitas seien noch recht zurückhaltend beim Thema Sprachunterricht, sagt Gellrich. Aber immerhin seien viele Eltern in den vergangenen Jahren offener geworden. Entlang der sächsischen Grenze gebe es mittlerweile rund 50 Kindergärten, die sich in unterschiedlicher Form mit Tschechisch oder Polnisch beschäftigen. Das Angebot reiche von länderübergreifenden Kita-Partnerschaften über regelmäßige Sprachangebote bis hin zur Betreuung durch Muttersprachler im Kita-Alltag.

In einer Kita in Hirschfelde bei Zittau sind fünf der 80 Plätze für Kinder aus den Nachbarländern reserviert, Sprachassistenten laufen im Kita-Alltag mit. Polnische oder tschechische Erzieher einzustellen, scheitere bislang aber an bürokratischen Hürden, sagt Kita-Leiterin Ute Engler.

In Sachsens Schulen lernen aktuell rund 5200 Kinder und Jugendliche die Sprachen der Nachbarn. Die Zahl hat sich nach Angaben des Kultusministeriums in den vergangenen zehn Jahren fast verdoppelt. Vor allem Polnisch wird nun verstärkt an Grundschulen unterrichtet.

vet/dpa



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