Kinderbetreuung Familienministerin verspricht 500 Millionen für Kitas

Eltern sind überwiegend zufrieden, Politiker noch nicht: Familienministerin Manuela Schwesig will mit ihren Länderkollegen die Qualität in Kindertagesstätten verbessern - mit 500 Millionen Euro zusätzlich für Sprachförderung.

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Kinderkrippe in Hannover: Familienministerin Manuela Schwesig sucht bundeseinheitliche Qualitätsstandards für Kitas
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Kinderkrippe in Hannover: Familienministerin Manuela Schwesig sucht bundeseinheitliche Qualitätsstandards für Kitas


Die Familienminister von Bund und Ländern wollen bundesweite Qualitätsstandards für Kitas etablieren. Das ist das Ergebnis einer ersten Bund-Länder-Gesprächsrunde zur Kita-Qualität am Donnerstag in Berlin. Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) sagte, die Länder sollten für die Sprachförderung in Kitas bis 2017 insgesamt 500 Millionen Euro erhalten. Das helfe nicht nur Kindern aus Migrantenfamilien, sagte die rheinland-pfälzische Familienministerin Irene Alt (Grüne).

Die Zahl der Kinder unter drei Jahren, die außerhalb der Familie betreut werden, ist seit 2006 um 131 Prozent auf 660.750 gestiegen. Die Mehrheit der Eltern ist dabei mit dem Angebot an Betreuungsplätzen in Kitas und Kindergärten zufrieden: In einer am Donnerstag veröffentlichten Emnid-Umfrage sagten 45 Prozent der Mütter und Väter, sie seien mit der Qualität der öffentlichen Betreuungseinrichtungen eher zufrieden. 13 Prozent erklärten, sie seien mit dem Angebot sogar sehr zufrieden. Eher negativ wurden die Kitas dagegen von 37 Prozent der Befragten bewertet.

Die Studie wurde im Auftrag der arbeitgebernahen Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) erstellt. Die ist mit den Ergebnissen nicht zufrieden: "Bei einem so zentralen Thema halten wir die negativen Bewertungen der betroffenen Eltern für deutlich zu hoch", sagt INSM-Sprecher Florian von Hennet, "da muss die Politik dringend handeln."

Ein ähnliches Ergebnis wie bei der Zufriedenheit gab es auch bei der Frage nach der Zahl der angebotenen Betreuungsplätze: 59 Prozent der Erziehungsberechtigten zeigten sich zufrieden mit dem Angebot. Rund 36 Prozent beantworteten diese Frage negativ. Laut Umfrage sind die Eltern in den östlichen Bundesländern insgesamt deutlich zufriedener mit der Qualität der Kindertagesstätten in ihrer Umgebung als die Eltern im Westen Deutschlands.

Mehr Qualität nur für mehr Geld

Seit August 2013 gibt es für Kinder mit Beginn des zweiten Lebensjahres einen Rechtsanspruch auf einen Platz in einer Kindertagesstätte. Trotzdem finden nicht alle Eltern einen Platz für ihr Kind; immer wieder wird auch über Qualitätsprobleme bei der Betreuung berichtet. Im Interview mit SPIEGEL ONLINE hatte Familienministerin Schwesig Ende September klar gemacht: "Wer mehr Qualität will, muss auch bereit sein, dafür mehr Geld auszugeben. Ein bundeseinheitlicher Personalschlüssel von einer Erzieherin für drei Kinder würde 1,6 Milliarden Euro pro Jahr kosten. Für die Eltern sind zusätzliche Kosten nicht zumutbar."

Das von der Bundesregierung bereits auf den Weg gebrachte Kita-Ausbau-Gesetz enthält keine einheitlichen Qualitätsstandards und keinen festen Betreuungsschlüssel. Genau die wären aber wünschenswert, sagt die Ministerin - nicht zuletzt deshalb, weil die Betreuungsquoten steigen und Kleinkinder immer mehr Zeit in Kitas und Krippen verbringen. Die Minister vereinbarten, eine gemeinsame Arbeitsgruppe zu bilden, die bis 2016 einen ersten Bericht vorlegen soll. "Das ist ein weiter Weg, das ist auch ein milliardenschweres Projekt", betonte Manuela Schwesig.

Experten listen eine Reihe von Mängeln auf, die in deutschen Kitas immer wieder auffallen:

  • Personalmangel: Eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung zeigt, dass Kinder, die in personell schlecht ausgestatteten Einrichtungen betreut werden, häufiger krank werden. Außerdem gilt der Grundsatz "Bildung ist Bindung". Das heißt, frühkindliche Bildung kann nicht funktionieren, wenn sich eine Erzieherin um sechs Zweijährige kümmern soll. Kita-Mitarbeiterinnen in den westdeutschen Bundesländern versorgen im Durchschnitt 3,4 Kinder im Alter von unter drei Jahren. In den östlichen Ländern trägt dagegen eine Erzieherin statistisch die Verantwortung für 5,8 Kinder.
  • Qualität der Ausbildung: Erzieherinnen sind durch ihre pädagogische Ausbildung oft nicht auf den großen Beratungsbedarf in Erziehungsfragen vorbereitet, den viele Eltern und vor allem Alleinerziehende heute haben. Das ist jedoch aus Sicht älterer Erzieherinnen dringend nötig. Sie sagen: Heute gibt es viel mehr überforderte Eltern und dadurch steigt auch die Zahl der verhaltensauffälligen Kinder.
  • Öffnungszeiten: Die meisten Kitas öffnen um 7 Uhr und schließen zwischen 17 und 18 Uhr. Wer im Schichtdienst arbeitet, in der Gastronomie oder im Einzelhandel tätig ist, kommt damit nicht hin. Das gilt zum Teil auch für Architekten, Werber, Journalisten und andere Berufsgruppen mit unregelmäßigen Arbeitszeiten.
  • Ungesundes Essen: Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung stellt fest, dass nur in jeder dritten Kita kindgerechtes Essen angeboten wird.
  • Ausstattung: Viele Kitas haben für die freie Entfaltung der Kinder nicht genügend Platz. Möbel für Kindertagesstätteneinrichtungen sind oft nicht bedarfsgerecht, sondern einfach nur "Möbel für Grundschulkinder im Kleinformat".

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Mit Material von dpa



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Luscinia007 06.11.2014
1. Augenwischerei
Die Qualität einer Kita steht und fällt mit der Qualität und Quantität der Erzieher. Wobei nach meiner Erfahrung die Qualität und das Engagement der Erzieher wichtiger ist als die finanziellen (Sach-)Mittel. Und solange das Personal der Kitas von den Kommunen bezahlt werden muss, kann die Bundesministerin noch so viel Geld als einmalige Anschubfinanzierung oder für zweckgebundene Sachmittel bereitstellen, Personal ist nach wie vor die Hauptlast und dafür müssen die Kommunen aufkommen - und zwar dauerhaft und Jahr für Jahr! Und es gibt immer noch viel zu viele Kitas, auch in reichen Bundesländern, die sich ihrer Erfolge rühmen (wir kriegen Mittel aus diesem Topf und Förderung aus jenem Topf) und damit versuchen darber hinwegzutäuschen, wie mies die Betreuung der Kinder in Wirklichkeit ist.
ljamcoh 06.11.2014
2.
Die Qualität unserer Kita ist zum Glück recht gut, das Essen wird frisch gekocht, der Betreuungsschlüssel ist Okay. Allerdings sind die Öffnungszeiten auch nicht optimal. Was mich am meisten stört, sind die Kosten. Während in anderen Regionen keine Beiträge bezahlt werden müssen, kostet uns die Kita monatlich ca. 600 Euro, gestaffelt nach dem Haushaltseinkommen. Da hat man das Gefühl, fürs Arbeiten gehen bestraft zu werden.
baiki 06.11.2014
3. auch eine frage des gehalts
Ohne mit einem konkreten finanzierungsplan aufwarten zu können: trotz der aufstockung des personals ist es für mich unumgänglich, das einkommen der erzieherInnen zu erhöhen. schulungen sollen die kompetenz im umgang mit verschiedenen elterngruppen, teilweise aus "bildungsfernen schichten" erhöhen? Wunderbar. Leider fühlen sich die erzieher selbst als abgehängte berufsgruppe, die bspw aus zig kilometern in die kitas der metropolen pendelt, weil sie selbst dort nicht mehr wohnen kann. das sich das - bei einigen - auf die einstellung zum beruf auswirkt, ist nicht löblich, aber nachvollziehbar. man darf diesen berufsstand gern mehr fördern und fordern, dazu muss man ihn aber auch finanziell attraktiver machen. Die kinder werden dankbar sein, eine motivierte erziehungsperson ist sprichwsprichwörtlich gold wert.
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