Grundschule in Köln Shitstorm wegen Schulklo

Wie sorgt man dafür, dass sich Kinder auf der Schultoilette nicht ekeln? Eine Grundschule in Köln hatte eigentlich eine gute Lösung gefunden. Bis im Netz ein Shitstorm über sie hereinbrach.

Schultoilette in Berlin (Archiv)
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Schultoilette in Berlin (Archiv)


Spülung verstopft, Toilettenpapier leer, Wände bekritzelt, und auf der Klobrille glitzern gelbe Tröpfchen: Viele Menschen haben gruselige Erinnerungen an die Toiletten in ihrer Schule.

Die Schulen stehen oft vor einer Herausforderung: Wie hält man Anlagen, die ohnehin sanierungsbedürftig sind und täglich von Hunderten Kindern und Jugendlichen benutzt werden, zuverlässig sauber? Das Thema ist so heikel und emotional, dass es auch Menschen umtreibt, die gar nicht mehr an Schulen lernen - oder lehren.

Bei Facebook und Twitter regten sich in den vergangenen Tagen Nutzer über eine Kölner Grundschule auf, die Eltern in einem Brief dazu aufgefordert hatte, pro Halbjahr sieben Euro zu zahlen - "damit Ihre Kinder auch weiterhin eine saubere und sichere Toilette benutzen können", wie es in dem Schreiben von Anfang September heißt.

"Ich bin sprachlos", schreibt ein Nutzer auf Facebook. "Wie weit sind wir denn gekommen, dass Eltern jetzt für die Toilette in der Schule bezahlen müssen?" Die "Kölnische Rundschau" und andere Medien berichteten über einen "Shitstorm" wegen des Toilettengeldes.

Die Grundschule selbst fühlt sich hingegen völlig missverstanden. Schulleiterin Brigitta Föhres sagte SPIEGEL ONLINE, es handele sich nicht um eine "Gebühr für die Toilettennutzung", sondern um eine freiwillige Abgabe für einen zusätzlichen Hygieneservice.

Freiwillige Spenden für mehr Sauberkeit sind erlaubt

Seit nun schon 14 Jahren sammele die Schule von den Eltern regelmäßig einen kleinen Betrag dafür ein, dass eine Betreuerin den Kindern während der Schulzeit helfe, auf die Toilette zu gehen. "Sie sorgt dafür, dass die Toiletten sauber und sicher sind", sagt Föhres.

Die Entrüstung im Internet über den Elternbrief sei absurd und aus dem Zusammenhang gerissen. Auch für dieses Schuljahr hätten Elternvertreter und Lehrer auf der Schulkonferenz wieder einstimmig beschlossen, den Betrag von 7 Euro pro Halbjahr einzusammeln. Wer sich das jedoch nicht leisten könne, werde dazu auch nicht gedrängt.

Laut der Kölner Bezirksregierung und dem nordrhein-westfälischen Schulministerium sind freiwillige Spenden für mehr Sauberkeit auf den Toiletten erlaubt. "Es gibt die Möglichkeit, auf diese Weise Geld für zusätzliche Reinigungskräfte zu sammeln", sagte eine Sprecherin der Bezirksregierung. Seit Jahren werde das an mehreren Kölner Schulen so gehandhabt.

Wegen verpflichtender Toilettengebühren hatte es allerdings schon in der Vergangenheit immer wieder Streit gegeben. Vor drei Jahren untersagten die Behörden einer Bochumer Schule, Geld von Schülern zu verlangen, die die besonders schmucken Premium-Toiletten der Schule benutzen wollten.

Vor zwei Monaten verbot die Hamburger Schulbehörde einer Schule, von Schülern für jeden Toilettengang eine Gebühr zu kassieren.

Was war Ihr persönlicher Klo-Horror?
  • DPA
    Liebe große Leser: Worüber haben Sie sich früher geekelt, wenn Sie in der Schule mal mussten? Liebe junge Leser: Wie sehen Eure Schultoiletten jetzt aus? Wir freuen uns über Fotos und Anekdoten per E-Mail (bitte mit Ortsangabe). Eine Auswahl zeigen wir auf SPIEGEL ONLINE. (Mit einer Einsendung erklären Sie sich mit einer anonymen Veröffentlichung auf SPIEGEL ONLINE einverstanden. Und mit der Einsendung unter Ihrem vollen Namen bestätigen Sie, dass Sie die Fotos selbst geschossen haben und dass SPIEGEL ONLINE Ihre Aufnahmen kostenfrei zeigen darf.)

lov



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purple 26.09.2016
1. Pflichtverletzung
Ich halte es für eine Amtspflichtverletzung der jeweiligen Direktoren, wenn die Toiletten nicht regelmäßig gesäubert werden. Hier von den Schülern faktisch eine Toilettenbenutzungsgebühr zu verlangen schlägt dem Fass den Boden aus. In einer vernünftigen Haushaltsplanung einer Schule ist die Gebäudereinigung zu berücksichtigen und zwar in einer Weise, daß die hygienischen Verhältnisse gewahrt sind - und das heißt bei Toiletten nun mal mindestens tägliche Reinigung.
inmado 26.09.2016
2. Gute Lösung?
Eine gute Lösung wäre es, wenn dir Mittel für benutzbare Toiletten Teil des regulären Schuletats wären. Wenn es um Milliarden für ... - ich erspare mir die Aufzählung hier - geht, ist Geld kein Problem. Aber an den Schulen unserer Kinder wird gespart. Nicht einmal für benutzbare Toiletten ist Geld da. Ein Armutszeugnis.
he.ro.lito 26.09.2016
3. Nicht schön!
Ist natürlich ärgerlich für Eltern und Kinder, dass an fundamentalen Dingen gespart werden muss, gerade im Bereich Schule. Eltern sollten aber auch dafür sorgen, dass Kinder fundamentale Dinge der Hygiene und des Umgang mit entspr. Einrichtungen frühzeitig lernen!!! Sagt ein Schulexperte...
rainerwäscher 26.09.2016
4.
Da es eine Schulpflicht gibt, sollte der Staat auch Schulen mit dem nötigen Personal zur Verfügung stellen. Dazu gehört auch Personal für saubere und sichere Toiletten, genauso wie Hausmeister, Sekretärin und ausreichend Lehrkräfte.
Mario V. 26.09.2016
5. Traurig genug...
dass die Schule die Eltern um Geld "anbetteln" muss. Während alle Politiker sich immer wieder gern verbal für Bildung und bessere Ausstattung der Schulen stark machen, klafft zur Realität eine so große Lücke. Sauberkeit von sanitären Anlagen gehört genauso dazu wie Ausstattung mit ausreichender Anzahl von Lehrern und moderner Technik. Aber weder für das eine noch das andere ist genug Geld da.
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