Kollaps bei Tokio Hotel "Holt mich hier raus!"

Tokio Hotel live, das bedeutet Ausnahmezustand für Sanitäter, denn Hunderte Mädchen kollabieren bei ihren Konzerten. Célia und Denise, 15, standen um drei Uhr morgens auf, um ihren Lieblingen nah zu sein - doch im entscheidenden Moment wurden sie ohnmächtig.


Denise: Wir sind extra früh aufgestanden, morgens um drei. Um vier Uhr sind wir in Hofheim losgefahren, unsere Eltern haben uns nach Bonn gebracht. Um sechs Uhr morgens standen wir in der Schlange. Ich war froh, als wir dann herein konnten, immerhin hatten wir fast elf Stunden draußen gewartet. Andere haben sogar in Zelten vor der Bundeskunsthalle übernachtet. Das Warten hat sich aber gelohnt, wir konnten uns einen Platz weit vorne ergattern. Um halb acht ging es endlich los: Tokio Hotel kamen auf die Bühne und spielten das erste Lied, "Jung und nicht mehr jugendfrei". Ich war total begeistert!

Doch sofort wurde es extrem eng und warm und alle haben nach vorne gedrückt. Da wurde geboxt und geschubst. Plötzlich habe ich Angst bekommen und mir wurde schwarz vor den Augen. Zum Glück stand jemand vom Roten Kreuz direkt neben mir. Der hat mich herausgezogen und zu einer Trage gebracht. Ich bin dann hinter die Bühne in ein Sanitätszelt gekommen, und da musste ich zwanzig Minuten bleiben. Zwanzig Minuten! Ich habe fünf Lieder verpasst.

Célia: Als Denise umgekippt ist, stand ich noch in der Menge. Ich habe mich zuerst gewundert, dass ich sie nicht mehr gesehen habe. Dann wurde immer mehr gedrängelt und ich wurde einquetscht. Das wurde mir zu krass, und ich habe gerufen: "Holt mich hier raus!" Mir ging es ziemlich schlecht. Als mich die Sanitäter aus dem Pulk herauszogen, hat sich mein Schuh im Gitter verfangen und ich habe Panik bekommen. Auf eine Trage musste ich nicht. Ich habe dann Denise gesucht und erst gefunden, als sie von den Sanitätern wieder zurück gebracht wurde. So etwas habe ich noch nie erlebt. Wir waren schon öfters zusammen auf Konzerten, aber so eng wie hier bei Tokio Hotel war es noch nie.

Denise: Wir haben uns dann einen besseren Platz gesucht. Wir standen immer noch direkt vor der Bühne, nur etwas weiter an der Seite. Ich hätte nie gedacht, dass man so nah an den Jungs dran sein kann. Manchmal standen Bill und Tom direkt vor uns und haben gewunken. Wir finden alle vier Bandmitglieder toll, die sind uns alle sympathisch, auch Gustav und Georg. Ich könnte mir gar nicht vorstellen, mich in einen anderen Jungen zu verlieben. Tokio Hotel sind einfach toll, nicht nur vom Aussehen her, sondern auch vom Charakter.

Célia: Die sind total locker, wenn man die mal im Fernsehen sieht. Und so natürlich. Ganz normal, wie andere Jugendliche. So etwas gibt es nicht oft. Und dazu sehen sie noch so gut aus. Auch die Texte berühren mich, zum Beispiel Lieder wie "Gegen meinen Willen". Da geht es ja um die Trennung der Eltern und dieses Lied hat einen richtig tiefen Sinn. Tokio Hotel singen oft von Problemen, die Jugendliche in unserem Alter haben. Das ist etwas anderes als diese Rapper, die immer nur von Frauen und Partys singen.

Denise: Deswegen wollen wir die auch immer wieder sehen. Das hier ist schon unser drittes Konzert von Tokio Hotel. Wir waren vorher schon in Frankfurt und Ludwigshafen. In unserem Leben dreht sich alles nur noch um die Band: Wir denken den ganzen Tag an die und wenn wir telefonieren oder uns treffen, reden wir nur über Tokio Hotel. Wir erzählen uns dann Geschichten, die passieren könnten, wenn wir die mal treffen. Das würden wir uns so wünschen, aber wir wissen nicht, wie wir das machen sollen.

Célia: Wenigstens kann ich sie den ganzen Tag sehen. In meinem Zimmer ist kein Stück Wand mehr frei. Alles hängt voller Poster von Tokio Hotel. Sogar auf meinen Kissen sind Fotos von denen.

Denise: Wir sind wirklich große Fans! Und da gehört es einfach dazu, dass ganz viele Poster bei mir im Zimmer hängen, sodass ich sie angucken und an sie denken kann. Die sind einfach was Besonderes. Ich schlafe mit Tokio Hotel ein und ich wache mit Tokio Hotel auf. Ich könnte den ganzen Tag nur von ihnen träumen. Und auf ein Konzert möchte ich auch noch mal gehen. Auch wenn es heute zunächst nicht so gut war - gelohnt hat es sich auf jeden Fall. Alles!

Aufgezeichnet von Britta Mersch



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