Solidaritätsaktion Haare ab für Max!

Der 15-jährige Max verliert bei einer Chemotherapie all seine Haare. Um ihn zu trösten, lassen sich die meisten seiner Klassenkameraden eine Glatze schneiden.

Es sind doch nur Haare: Die Klasse 10a der Johann-Georg-August-Wirth-Realschule. Seit der Rasur für Max sind die Haare schon wieder ein wenig nachgewachsen
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Es sind doch nur Haare: Die Klasse 10a der Johann-Georg-August-Wirth-Realschule. Seit der Rasur für Max sind die Haare schon wieder ein wenig nachgewachsen


Den Anfang macht vor gut zehn Tagen Gilian Offial, 15. "Ich hatte eh schon einen Friseurtermin ausgemacht. Als ich eine Glatze wollte, hat die Friseurin erst ein paarmal nachgefragt, ob ich mir wirklich sicher bin."

Gilian war sich sicher - die Haare kamen runter. Denn mit seinen Klassenkameraden in der Johann-Georg-August-Wirth-Realschule im nordbayerischen Hof hatte er besprochen, dass sich alle Glatzen schneiden. Seine Eltern hatte er vorgewarnt. Aber die hätten zunächst nicht geglaubt, dass er das durchziehen würde. "Sie fanden die Aktion gut."

Der Grund für Gilians Glatze ist sein Schulkamerad Max, 15. Der weiß nichts von dem Plan. Er hat selbst eine Glatze, unfreiwillig. Bei einer Chemotherapie gegen seine Krebserkrankung sind ihm die Haare ausgefallen.

Erst als er zum Termin für das offizielle Klassenfoto in die Schule kommt, sieht er die Glatzköpfe. Insgesamt 14 Schüler machen mit, der größte Teil der Klasse.

Max sei sprachlos gewesen, sagt Enrico Baake, 15. "Ich bin mit einem Kumpel zum Friseur gegangen. Der dachte dann erst, wir hätten eine Wette verloren." Als sie ihm den Grund für die Rasur erzählen, bekommen sie die Glatze sogar gratis.

"Mein Vater hat ja auch eine Glatze"

Inzwischen wachsen die Haare der Schüler schon wieder nach. Und bestätigen damit die Intention der Schüler: "Wir wollten Max zeigen: Das sind ja nur Haare, die wachsen wieder", sagt Jonas Gold, 16. Max sei sein bester Freund. Und der sei "fertig gewesen", als ihm die Haare ausfielen. Jonas findet es selbstverständlich, auch eine Glatze zu tragen. Seine Eltern hätten es nicht schlimm gefunden. "Mein Vater hat ja auch eine Glatze."

Die Eltern von Kevin Kießling waren von der Idee dagegen erst nicht begeistert. Als er allein daheim ist, greift er heimlich doch zum Rasierer. Die Eltern seien zunächst geschockt gewesen. "Aber dann fanden sie es gut."

Marina Lazar, 16, das einzige Mädchen in der Klasse, tut sich mit der Entscheidung schwer: Soll sie sich von ihren langen Haaren trennen? Schließlich lässt sie sich die braune Mähne kürzen, um gut 20 Zentimeter: "Eine Glatze habe ich mich nicht getraut." Ihre Eltern seien beeindruckt von der Aktion, sagt sie. Hoffentlich könnten sie damit auch anderen krebskranken Jugendlichen und Kindern Mut machen.

Benjamin Reuther, der stellvertretende Schulleiter, findet die Solidaritätsbekundung seiner Schüler gut. Zumal die Initiative allein von ihnen selbst ausgegangen sei, wie er betont. Dass einige Klassenkameraden nicht mitmachen wollten oder durften, sei nicht schlimm. "Solidarität kann man ja auch anders zeigen."

mamk/dpa-afx



insgesamt 17 Beiträge
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Seite 1
pianissimo100 30.03.2017
1. Well done boys (and girls)
Grandiose Aktion der Schüler! -- Tut mal richtig gut, zwischen den ganzen bad news des Tages so eine positive Nachricht zu lesen!
Wofgang 30.03.2017
2.
Schöne Geste. Die ausgehenden Haare sind wohl das deutlichste äußere Zeichen für die Auswirkungen der Chemo. Darunter leiden die Betroffenen besonders. In Zeiten in denen Mobbing, Cybermobbing etc. ein Thema ist finde ich diese Anteilnahme besonders schön.
ancoats 30.03.2017
3.
Coole Aktion, Respekt!
familienvater_2_kids 30.03.2017
4. Klasse
Toll! Chemo ist nicht ohne - da ist es gut, wenn die Freunde in der Klasse moralische Unterstützung geben. Schöne "good News".
RalfMurmann 30.03.2017
5.
Toll !
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