Kroatien Richter verbieten Sexualkundeunterricht

Liebe, Sex und Zärtlichkeit haben in kroatischen Schulen vorerst nichts mehr zu suchen. Das Verfassungsgericht des Landes hat den gerade eingeführten Sexualkundeunterricht an Schulen verboten. Das Fach propagiere Homosexualität, hatten Gegner erklärt.

Sexualkundeunterricht in der Schule: Und die Erde dreht sich um die Sonne
DPA

Sexualkundeunterricht in der Schule: Und die Erde dreht sich um die Sonne


Zagreb - Wie benutzt man ein Kondom? Wie funktioniert der Eisprung? Was ist Homosexualität? Über diese Fragen werden kroatische Schüler vorerst nicht mehr mit ihren Lehrern diskutieren. Das Verfassungsgericht des Landes hat am Mittwoch den Sexualkundeunterricht verboten. Er war erst zu Schuljahresbeginn im Januar eingeführt worden.

Die Begründung: Die Unterrichtsmaterialien würden das Grundrecht der Eltern auf die Erziehung ihrer Kinder missachten. Der Staat müsse die Inhalte überarbeiten.

Schon seit Weihnachten war vor allem die erzkonservative katholische Kirche gegen das neue Unterrichtsfach vorgegangen. Schulkinder würden in Pornografie, Masturbation, Empfängnisverhütung, "Sex ohne Emotionen" sowie Homosexualität unterrichtet, so hohe Kirchenvertreter im Januar. Der Streit hatte sich zu einem "Kalten Krieg" zwischen der katholischen Kirche und der linksgerichteten und kirchenkritischen Regierung um Premierminister Zoran Milanovic ausgeweitet, wie einheimische Medien schreiben.

"Dem größten heutigen Übel den Krieg erklärt - der Realität"

Die Regierung begründete das Fach mit der hohen Zahl minderjähriger Schwangerer und Abtreibungen. Unter dem Namen "Gesundheitserziehung" sollten die Lehreinheiten neben Sexualaufklärung auch Körperhygiene und Prävention von Sucht und Gewalt umfassen. Gerade einmal zwölf Stunden pro Schuljahr waren insgesamt dafür vorgesehen.

Den Kirchenoberen passte vor allem das Modul "Sexuelle Gleichstellung der Geschlechter" nicht. Es setze sich für gleichgeschlechtliche Partnerschaften ein und verstoße gegen die "natürliche und von Gott gewollte Ehe von Mann und Frau", so Bischof Mile Bogovic.

Die kroatischen liberalen Medien ätzten von Beginn an über die Haltung der Bischöfe. Sie hätten dem "größten heutigen Übel den Krieg erklärt - der Realität", so die Zeitung "Slobodna Dalmacija". "In dieser schrecklichen Realität bekommen Mädchen mit elf Jahren die Regel, masturbieren und betreiben Mittelschüler auf der Couch die Liebe - und dreht sich die Erde um die Sonne."

seh/dpa



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