Laura Dekker Triumph des Segelmädchens

Mehr als 500 Tage war sie unterwegs, an diesem Samstag beendet Laura Dekker in der Karibik ihren großen Törn: Sobald die Niederländerin ankommt, ist sie mit 16 Jahren der jüngste Mensch, der allein um die Welt gesegelt ist. Wie viel Jubel verträgt die Jugendliche nach dem einsamen Abenteuer?

AP

Aus Sint Maarten berichtet


Der Ort ihrer größten Niederlage soll zum Ort ihres größten Triumphes werden. Wenn alles klappt, wird Laura Dekker, 16, an diesem Samstag auf Sint Maarten in der Karibik an Land gehen. Sie wird ihren Zweimaster "Guppy" festmachen, zwölf Meter lang, vier Meter breit, ein Großserienschiff der französischen Werft Jeanneau, auf dem sie die vergangenen anderthalb Jahre verbracht hat.

Sie wird von Bord kommen als die jüngste Seglerin, die allein um die Welt gefahren ist, über 500 Tage unterwegs, um 15 Uhr Ortszeit, vielleicht eine halbe Stunde später; in Deutschland ist es dann schon Abend.

Für Laura Dekker wird es sich anfühlen wie ein Sieg über all jene, die ihr im Weg standen, die Jugendschützer und Gutachter, die Richter und Beamten, die Polizisten und Lehrer. Jene, die versucht haben, sie "fertigzumachen", wie sie es einmal nannte. Kann es sich für eine Jugendliche, deren an Trotz grenzende Willensstärke sie zur Weltumsegelung trieb, überhaupt anders anfühlen als ein Triumph?

Lauras Schmach von Sint Maarten liegt nur zwei Jahre zurück, da ist sie gerade 14 Jahre alt. Ein Familiengericht in Utrecht verbietet ihr, zum Solo-Segeltörn um die Welt zu starten. Das Sorgerecht der Eltern ist da längst eingeschränkt. Laura reißt aus, angeblich ohne fremde Hilfe, fliegt in die Karibik, sucht nach Booten, die für ihren Plan in Frage kommen. Doch sie scheitert grandios: Polizisten erkennen sie auf einem Fahndungsfoto, nehmen sie fest und schicken sie zurück.

Sie verzweifelt so sehr, dass Behörden und Richter doch irgendwann nachgeben. Die Eltern sollen entscheiden - und die lassen Laura lossegeln. Der Vater unterstützt sie, die Mutter hat ihre Widerstände aufgegeben.

Als ginge es um die Zukunft des Landes

Als Laura schließlich starten darf, ist sie bereits etwas, von dem sie sagt, dass sie es nie sein wollte: eine Berühmtheit. "Ich mag die Medien nicht so sehr", sagt sie einmal. "Und es war nicht meine Absicht, auf diese Weise in die Medien zu kommen." Da gibt es schon unzählige Zeitungsartikel über das "Segelmädchen", das sich nicht stoppen lässt und über das die Niederlande so heftig streiten, als ginge es um die Zukunft des Landes.

Für Laura ist es ein Dilemma: Einerseits hilft ihr die Aufmerksamkeit bei der Sponsorensuche, deshalb wird die Weltumrundung vermarktet mit Website und Blog. Anderseits hat auf einmal jeder eine Meinung über sie. Selbst was Psychologen über sie denken, kann sie in den Zeitungen nachlesen. Und ihr Vater wird angefeindet, man wirft ihm Verantwortungslosigkeit vor. In Holland gibt es Meinungsumfragen: Soll Laura allein segeln dürfen?

Ihre Route führt sie von Gibraltar über den Atlantik; durch die Karibik und den Panamakanal geht es dann nach Australien, schließlich südlich an Afrika vorbei wieder zurück in die Karibik. Menschen, die sie besser kennen, erzählen, Laura habe es genossen, ganz für sich zu sein. Sie versichern, es gehe ihr nicht um den Superlativ "Jüngste Weltumseglerin", sondern um das Segeln selbst. Wenn sie unterwegs irgendwo an Land geht, wird das blonde Mädchen oft nicht erkannt, trotz des immer wieder aufflammenden Medieninteresses. In Kapstadt etwa schreit ein Küstenwächter sie an, sie könne mit ihrem Boot nicht einfach irgendwo ankern.

Die Behörden bestellen den Vater wieder ein

In Sint Maarten wird sich das jetzt ändern. Im Yachtclub hängen schon am Vorabend der Empfangsparty die Willkommenstransparente. Absperrgitter trennen den Steg vom Clubhaus: Von hier aus sollen Fotografen, Kamerateams und Schaulustige zusehen, wie zuerst die Eltern ein Boot besteigen, um der Tochter in die Simpson Bay entgegenzufahren - und sie dann, zwei Stunden später, bei ihrem Landgang zu begleiten. Es soll ein ganz großes Ereignis für die Insel werden, orchestriert von einem Eventmanager. Selbst die Regierungschefin hat sich angekündigt. Es dürften zwar keine Zehntausende zusammenkommen wie bei der Australierin Jessica Watson, der bisherigen Rekordhalterin, als sie in Sydney einlief. Doch ein heftigeres Gegenprogramm zur Einsamkeit auf See ist kaum vorstellbar. Was macht das mit einem Teenager?

Das fragen sich auch einige Gäste und Mitglieder im Yachtclub, die bei Heineken, Rum und Weißwein zusammensitzen. Viele schwärmen zwar von der Zähigkeit und den seglerischen Fähigkeiten des Mädchens. Aber auch hier, wenige Stunden vor der großen Party, fragen sich einige: Warum haben die Eltern das überhaupt zugelassen?

Gut, jetzt ist sie fast da, es kann nichts mehr schiefgehen. Aber was, wenn sie verunglückt wäre? Und was ist mit der Schule? Es sind Fragen, die Laura begleiten, seit sie den Entschluss fasste, um die Welt zu segeln - und sie auch weiter verfolgen. Jetzt haben sich auch die niederländischen Behörden wieder eingeschaltet. Sie wollen Lauras Vater einbestellen: Das Mädchen habe sich bei seiner Weltumrundung zu wenig um Schularbeiten gekümmert.

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 54 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Cortado#13, 21.01.2012
1. Laura Dekker: Dieses hübsche.....
Zitat von sysopMehr als 500 Tage war sie unterwegs, an diesem Samstag beendet Laura Dekker in der Karibik ihren großen Törn: Sobald die Niederländerin ankommt, ist sie mit 16 Jahren der jüngste Mensch, der allein um die Welt gesegelt ist. Wie viel Jubel verträgt die Jugendliche nach dem einsamen Abenteuer? http://www.spiegel.de/schulspiegel/ausland/0,1518,810232,00.html
Mädchen hatte einen Traum, ein Ziel, dass sie mit äusserster Disziplin, Mut und Ausdauer verwirklichen konnte. Welch eine Freude, dass sie es geschafft hat. Meine aufrichtige Gratulation!!!
Mindbender 21.01.2012
2. ...
Zitat von Cortado#13Mädchen hatte einen Traum, ein Ziel, dass sie mit äusserster Disziplin, Mut und Ausdauer verwirklichen konnte. Welch eine Freude, dass sie es geschafft hat. Meine aufrichtige Gratulation!!!
Blödsinn. Was sie mit Geld (!) verwirklichen konnte.
huberwin 21.01.2012
3. Wäre Laura ein Bankhaus
dann hätte sie alles machen dürfen. Frei leben, frei Geld anlegen wo und wie es ihr beliebt. Aber dummerweise ist sie ein Mensch und die darf man nicht frei herumlaufenlassen. Die muß man regeln, erziehen und auf das richtige Maß zusammenstumpfen. Es geht halt nicht um Menschenrechte in dieser unserer Welt.
huberwin 21.01.2012
4. Blödsinn ist ihre Geldsichtweise
Zitat von MindbenderBlödsinn. Was sie mit Geld (!) verwirklichen konnte.
-und nicht der freiheitsdrang dieses Mädchens. Wir werden geboren um frei zu sein und nicht um in den Geldmechanismus reingezwängt zu werden.
GSYBE 21.01.2012
5. lol
Zitat von Cortado#13Mädchen hatte einen Traum, ein Ziel, dass sie mit äusserster Disziplin, Mut und Ausdauer verwirklichen konnte. Welch eine Freude, dass sie es geschafft hat. Meine aufrichtige Gratulation!!!
Und wenn das Mädchen hässlich wäre??? Da gibt es nichts zu gratulieren; ausser dazu, dass sie noch am Leben ist. Und der Adressat für diese Gratulation sind die Eltern, denn: wäre es anders gekommen würden wohl - voll und ganz berechtigt - ein paar Jahre Zelle auf diese warten. Und so mancher huldvoller Kommentar würde eher ein entrüsteter sein.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.