Leben im Internat Badesee und Drogentests

Von Jasper Tjaden

4. Teil: Eike: "Man muss anpassungsfähig und tolerant sein"


Eike: "Es ist wichtig, anpassungsfähig und tolerant zu sein"
Jasper Tjaden

Eike: "Es ist wichtig, anpassungsfähig und tolerant zu sein"

Eike, 19, seit der 8. Klasse auf dem Landschulheim, hat gerade ihr Abitur beendet. Der Schulwechsel war allein ihre Entscheidung. Wie viele Teenager suchte sie damals Abstand zu den Eltern und mehr Freiraum. Heute ist das Verhältnis entspannt: "Sie sind sehr stolz auf mich."

Auf ihrer alten Schule war Eike wegen einer Mathe-Fünf sitzengeblieben. Jetzt hat sie eine Eins. "In diesem Jahr haben alle Internatsschüler das Abitur, den Realschulabschluss und die Fachhochschulreife geschafft", sagt Internatsleiter Völker. Schulpädagoge Orlikowski: "Die Durchfallrate der Groves liegt bei etwa ein bis zwei Prozent."

"Es gibt viele Problemkinder, Rauchen und Trinken sind hier stärker ausgeprägt, einige nehmen auch Drogen", sagt Eike. "Im letzten Jahr wurden vier Schüler aus disziplinarischen Gründen von der Grovesmühle verwiesen", berichtet Völker. Die Gründe sind meist Drogen, übermäßiger Alkoholkonsum, Diebstahl, Mobbing oder selten auch Tritte und Schläge.

"Ich hasse das Warten auf das 'Guten Appetit'"

Eike nervte das teilweise "asoziale Verhalten" mancher Mitschüler. Wenn sie Ruhe suchte, ging sie zu den Ponys auf die Weide - "Pferde sind immer ehrlich."

Sie sei jetzt selbstsicherer, sagt sie. Das Internat trainiere vor allem soziale Kompetenzen und Selbstbewusstsein. Der Druck, angepasst und cool zu sein, sei für ein 15-jähriges Mädchen sehr groß. Jetzt sei das kein Problem mehr für sie. Eike hat keine Zweifel, dass das Internat bis jetzt fast allen etwas gebracht habe.

Sonst nervte nichts? "Ich hasse es auch, beim Mittagessen immer auf das 'Guten Appetit' warten zu müssen." Und wer nicht pünktlich erscheint, muss bis zum nächsten Essen warten. Eike erinnert sich an ein Mittagessen, als am Ende einige Pommes auf dem Boden lagen: Ein Lehrer drohte, nie wieder werde es Pommes geben, wenn der Schuldige nicht sofort sauber mache. Nach einer Pause stand ein 15-Jähriger auf und tat es. "Der hatte gar keine Pommes gegessen. Das hat mir imponiert", erinnert sich die Abiturientin.

Eike hatte gute und schlechte Momente auf dem Internat. Aus allen habe sie gelernt. Trotzdem: "Vier Jahre sind eine lange Zeit. Ich will endlich meinen eigenen Kühlschrank und Ruhe."

insgesamt 2384 Beiträge
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Broko 25.09.2009
1.
Zitat von sysopNach Pisa wurden die Staatlichen Schulen in Deutschland einer grundsätzlichen Kritik unterzogen. Bildungshoheit der Länder, Beamtenstatus für Lehrer, Inhalte und Organisation der Lehrformen wurden diskutiert. Wie steht es hierbei um die privaten Schulen - sind sie besser als das staatliche Angebot?
Die Kinder sind das Problem, nicht die Schulen...
e-ding 30.09.2009
2. ...
Zitat von BrokoDie Kinder sind das Problem, nicht die Schulen...
Nö, die Eltern!
poppi 30.09.2009
3.
Zitat von sysopNach Pisa wurden die Staatlichen Schulen in Deutschland einer grundsätzlichen Kritik unterzogen. Bildungshoheit der Länder, Beamtenstatus für Lehrer, Inhalte und Organisation der Lehrformen wurden diskutiert. Wie steht es hierbei um die privaten Schulen - sind sie besser als das staatliche Angebot?
Ja, total super. Für die Bundesländer sind Privatschulen jedenfalls eine prima Sparbüchse und deshalb mehr als gewollt. Qualitativ macht das alles natürlich unterhalb einer bestimmten Finanzierung keinen Unterschied mehr. Das weiß man nicht erst, aber bestimmt seit PISA...
Onsager 30.09.2009
4.
Zitat von e-dingNö, die Eltern!
Wie wuerde man bei Heise jetzt sagen? Doppelplus!
elbdampfer 30.09.2009
5.
Zitat von e-dingNö, die Eltern!
Richtig. Ich finde es skandalös, daß noch immer lieber der Zigarettenkonsum der Eltern mit "Kindergeld" finanziert wird, statt mit diesem Geld z.B. kostenlose Schulspeisung oder -bücher für bedürftige Kinder zu sicherzustellen.
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