Beschwerdebrief an Lego "Ich will, dass ihr Mädchen mehr Spaß haben lasst"

Arbeiten, Abenteuer erleben, sogar mit Haien schwimmen: Warum dürfen das beim dänischen Plastikspielzeug Lego nur die Jungen, während Mädchen einkaufen und rumsitzen, wollte Charlotte, 7, wissen - und schrieb einen bösen Brief an den Hersteller.


Charlotte ist sieben Jahre alt. Sie wohnt in den USA, und sie spielt gern mit Lego. Am 25. Januar ging sie in einen Spielzeugladen und schaute sich in der Lego-Ecke um. Was sie dort sah, gefiel ihr ganz und gar nicht. Wieder zu Hause schrieb sie einen Brief an den Spielzeughersteller Lego, der die Plastikfiguren herstellt.

Darin beschwert sich Charlotte über die Unterschiede zwischen Lego-Jungen und Lego-Mädchen. Ein Foto des Briefes - in krakeliger Kinderschrift verfasst - ging via Twitter und Facebook um die Welt, in fast Tausenden Tweets wurde Charlottes Brief kommentiert:

"Liebe Lego-Firma,

mein Name ist Charlotte. Ich bin sieben Jahre alt, und ich liebe Lego, aber ich mag nicht, dass es viele Lego-Jungen und kaum Lego-Mädchen gibt. Heute bin ich in ein Geschäft gegangen und habe zwei Lego-Bereiche gesehen: Die Figuren für Mädchen waren rosa, die für Jungs blau. Die Lego-Mädchen saßen immer nur zu Hause, gingen zum Strand oder zum Shoppen und hatten keine Jobs. Aber die Jungen erlebten Abenteuer, arbeiteten, retteten Menschen oder schwammen sogar mit Haien. Ich will, dass ihr mehr Lego-Mädchen schafft und sie Abenteuer erleben und Spaß haben lasst, ok!?!"

Danke.

Charlotte"

Der Vater der Siebenjährigen war so stolz auf seine Tochter, dass er den Brief an die US-Internetplattform "Sociological Images" weitergab, die soziologische Beobachtungen sammelt und über soziale Netzwerke publik macht. Von dort ging der Brief um die Welt.

Die dänische Firma Lego teilte mit, sie habe den Brief von Charlotte erhalten. Lego versicherte, auf alle Post von Kunden zu reagieren, verriet aber nicht, wie die Antwort an die Siebenjährige ausgefallen ist.

"Lego hat oft eher Jungen angesprochen", bestätigte der Sprecher des Unternehmens aus dem dänischen Billund. Die Firma bemühe sich aber, noch mehr weibliche Lego-Figuren einzubauen. Außerdem gebe es schon mehrere Lego-Mädchen: "eine Amazonin, eine Chirurgin, eine Zoologin, verschiedene Sportlerinnen, einen weiblichen Rockstar oder eine Wissenschaftlerin".

lgr/dpa



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insgesamt 30 Beiträge
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libelle82 05.02.2014
1. Ich finde
dass Lego in den letzten drei Jahren wirklich zugelegt hat. Wenn ich allei an Lego Friends denke... die gabs doch vor drei Jahren gar nicht. Und dass die Mädels jur zuhaus sitzen, no go. Lego Friends Pferde, Hundefriseur usw. Irgendjemand muss da ja auch die Pferderanch habe oder den hundesalon leiten. Oder?
01099 05.02.2014
2.
Es ist doch glasklar, dass hier die Eltern ihrem Geltungsbewusstsein nachgekommen sind. Ein Kind wächst normalerweise nicht in einem "Gender"-Bewusstsein auf, wenn nicht Mama und Papa dem auf die Sprünge helfen. Dabei wird das Kind instrumentalisiert. Der große Reiz von LEGO liegt doch darin, die angebotenen Szenarien nicht als gegeben anzusehen, sondern selbst neu zu kombinieren. Das Mädchen scheint , so die Eltern bei dem Brief nicht die Strippen gezogen haben, doch wenig phantasievoll zu sein. Wäre dem nicht so, hätte es die weiblichen Männchen aus dem "rosa Bereich" mit der Welt der männlichen Figuren aus dem "blauen Bereich" kombiniert. Bei mir jedenfalls flogen damals auch Ritter, Burgfräuleins, Geister, Polizisten und Räuber mit Raumschiffen in's All. Manchmal sogar Haie. Entspannt euch!
Dubbel1971 05.02.2014
3. Woran erkennt man das Geschlecht der Legos
Sehr rührend und doch bezeichnend. Frau will mehr Hauptrolle haben. Lego jedoch möchte Spielzeug verkaufen und da spielt es schon eine Rolle das es überwiegend Jungs sind die damit spielen. Jungs klagen dann demnächst mehr schicke Klamotten und Glitzer für Ken bei Mattel ein und am Ende sind wir alle gleicht, weil wenige so sein wollten wie die anderen. Beifall!!!! Und überhaupt glaube ich, das sind bereits alles Mädchen bei den Legos, die üben nicht nur Männerberufe aus, die ziehen sich auch gleich so an :-)
harmlos01 05.02.2014
4. Phantasielos!
Was inzwischen völlig übersehen wird, ist, dass mann aus Lego sich seine eigene Welt bauen kann. Aus einem Pferdehof kann ich eine Abenteuerfestung, oder eine Weltraumstation bauen genauso umgekehrt. Gerade in der kindlichen Phantasie spielen kleine Farbunterschiede kaum eine Rolle und die grobe Form zählt viel mehr als der einzelne Sonderstein. Sobald eine gewisse Menge an Lego da ist kann fast alles gebaut werden. Bestenfalls zeigt das der Vater dem Kind, aber eigentlich sollte das nicht nötig sein.
chrima 05.02.2014
5. optional
Das arme Kind! So jung und schon von genderwahnbefallenen Eltern mißbraucht! Früher gab es kein Geschlecht bei den Legofiguren. Das wurde als "alles Männer" interpretiert. Jetzt gibt es explizit weibliche Figuren und das passt nun auch wieder nicht! Lasst die armen Kinder mit ihren Figuren doch einfach machen was sie wollen. Heute ist die Figur eine Piratin und morgen ein Polizist.
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