Spionage-Verdacht gegen Moscheeverband Lehrer in Deutschland von Predigern bespitzelt

Neue Vorwürfe gegen den Moscheeverband Ditib: Dessen Imame sollen im Auftrag des türkischen Religionsamts Islamlehrer an staatlichen Schulen in Deutschland ausspioniert haben.

Islamunterricht an einer Bonner Schule (Archivbild)
DPA

Islamunterricht an einer Bonner Schule (Archivbild)


Die Spionagevorwürfe gegen den türkischen Moscheeverband Ditib weiten sich aus. Einem Zeitungsbericht zufolge sind auch Pädagogen betroffen. In Nordrhein-Westfalen seien fünf Lehrer, die an staatlichen Schulen islamischen Religionsunterricht geben, von Ditib-Imamen ausspioniert worden, berichtet der "Kölner Stadtanzeiger".

Das habe das NRW-Innenministerium auf Anfrage bestätigt. Demnach tauchten die Namen der Lehrer auf sichergestellten Spionagelisten auf. Insgesamt seien dort 28 Personen und elf Einrichtungen aufgeführt. Diese Listen, so der Bericht, sollen im Auftrag der türkischen Religionsbehörde Diyanet von Ditib-Predigern in Köln, Düsseldorf und München zusammengestellt und nach Ankara übermittelt worden sein. Ditib-Imame werden von der Türkei entsandt und bezahlt.

Diyanet hatte im September 2016 alle für Religion zuständigen Mitarbeiter türkischer Botschaften und Konsulate dazu aufgefordert, Berichte über Aktivitäten der Gülen-Bewegung in ihrer Region zu verfassen und diese nach Ankara zu schicken. Ditib-Generalsekretär Bekir Alboga hatte eingeräumt, dass "fälschlicherweise" einige Ditib-Imame der Anweisung gefolgt waren. Er sprach von einer "Panne".

Niedersachen stoppt Verhandlungen

Die Spionagevorwürfe gegen den Moscheeverband hatten vergangene Woche zu Ermittlungen der Bundesanwaltschaft geführt. Nicht zuletzt deshalb überprüfen derzeit mehrere Bundesländer ihre Zusammenarbeit mit Ditib im Bereich der islamischen Seelsorge und damit auch im Hinblick auf islamischen Religionsunterricht in staatlichen Schulen.

So hatte die niedersächsische Landesregierung Verhandlungen über eine Zusammenarbeit auf Eis gelegt, weil sich "die Rahmenbedingungen für die in Aussicht genommene Vereinbarung in den vergangenen beiden Jahren deutlich verschlechtert haben", so Ministerpräsident Stephan Weil.

Dem Bericht zufolge wurden die ausgeforschten Lehrer vom Innenministerium nicht darüber unterrichtet, wer sie konkret bespitzelt hat. Sie hätten deshalb Anzeige gegen unbekannt erstattet.

him/mit Material von dpa



insgesamt 45 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
spon_3064063 24.01.2017
1. Seit Jahren
Wundere ich mich über die deutschen Behörden. Wie man zulassen kann das Imame und Religionslehrer die aus der Türkei importiert werden und von dort bezahlt werden hier in den Moscheen ihr konservatives Gedankengut verbreiten können, grenzt schon an Dummheit. Die naiven Landespolitiker sind den türkischen Religiongemeinschaften voll auf den Leim gegangen. Es geht darum, dass in Deutschland der Islam verbreitet wird und Erdogan dadurch die hier anwesende Türken kontrollieren kann! Ich hoffe, das das hier den zuständigen Politiker die Augen öffnet!
heinrich-wilhelm 24.01.2017
2. Höchste Zeit
die von der türkischen Religionsbehörde ausgesuchten und nach Deutschland geschickten Imame postwendend Erdogan zurückzuschicken. Und Ditib sollte unter dem Gesichtspunkt einer verfassungsfeindlichen Gruppierung beobachtet und ggf. Zur Rechenschaft gezogen werden. Was nutzt all das Lamentieren und Schreiben über die Entdemokratisierung der Türkei und Inthronisierung des Sultan E. ,wenn man dessen 5. Kolonne hier bei uns unter dem Mantel Religionsfreiheit spionieren und und agieren lässt?
seamanslife 24.01.2017
3. Ditib, Graue Wölfe, Osmanen Germany und Moschee-Vereine aller Art!
Der türk. Geheimdienst MIT hat überall ein Ohr und offensichtlich nicht nur das. Es wird auf unserem Staatsgebiet breit gefächert und völlig ungeniert agiert, eben wie zu Hause. Kein Wunder das gegenüber Cem Özdemir und anderen deut. Parlamentariern ganz offen Morddrohungen im Zusammenhang mit der Armeniendeklaration gemacht wurden. Die Ermordung von drei türkischstämmigen Frauenrechtlerinnen in Paris geht nach Erkenntis der franz. Polizei auch auf deren Konto. Wer ist der oberste Dienstherr des MIT, na wer wohl. Es ist an Zeit das die Herren des BND mal aufwachen und das tun wofür sie bezahlt werden.
ichbinschuld 24.01.2017
4.
Und wann zieht man staatlicherseits Konsequenzen und verbietet den Verband, der offensichtlich hier lebende und arbeitende Menschen im Auftrag eines diktatorisch regierenden Erdogan ausspioniert? Oder wird das auch alles auf dem Altar der "guten Beziehungen" geopfert?! Es ist wirklich kein Wunder, daß uns niemand mehr ernst nimmt......
wpeitze 24.01.2017
5. DITIB war
bis Ende des vorigen Jahrhunderts - im Vergleich zu allen anderen religiösen Vereinen - ein für deutsche Stellen zuverlässiger Verband. Seit der Machtergreifung Erdogans dürfte der Verband überhaupt kein Gesprächspartner mehr sein und müsste wie alle Islamisten überwacht werden.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.