Studie zum Lehrer-Alltag Zu wenig Kollegen und zickige Schüler

Sie müssen Kollegen vertreten, sich mit schwierigen Schülern herumärgern und mit uneinsichtigen Eltern reden. Lehrer lösen oft Probleme - eine Umfrage gibt Einblicke in die größten Herausforderungen.

Konfliktgespräch (Symbolbild)
Getty Images/Westend61

Konfliktgespräch (Symbolbild)


Was sind die größten Herausforderungen für Lehrer? Dieser Frage ist das Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag der Robert Bosch Stiftung nachgegangen und hat etwa 1000 Lehrer offen dazu befragt.

Nach der größten Herausforderung gefragt, nannten die Befragten am häufigsten:

  • den Lehrermangel (30 Prozent),
  • das Verhalten der Schülerinnen und Schüler (23 Prozent),
  • Inklusion (22 Prozent) und
  • Kommunikation mit den Eltern (21 Prozent)

Problem an Grundschulen am größten

Am schwierigsten ist die Kooperation mit Eltern offenbar

  • an Grundschulen: Jede dritte Lehrkraft sieht darin eine der größten Herausforderungen.
  • An den weiterführenden Schulen der Sekundarstufe I ist es nur jede fünfte.
  • Und 15 Prozent der Gymnasiallehrer finden den Austausch mit Eltern als herausfordernd

Eine Herausforderung sei auch die zunehmende Heterogenität an Schulen, sagte Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Deutschen Lehrerverbands. Es sei schwierig, wenn nicht unmöglich geworden, sich ohne Weiteres mit den Eltern einer Klasse auf gemeinsame Erziehungsziele zu einigen, etwa im Umgang mit Computern.

Wer hat die Studie in Auftrag gegeben?
Die Umfrage wurde von der unternehmensverbundenen Robert Bosch Stiftung GmbH finanziert.
Wie wurden die Daten erhoben?
Die Umfrage wurde vom Forschungsinstitut Forsa durchgeführt. Insgesamt wurden von Mitte November bis Mitte Dezember 2018 bundesweit 1.001 Lehrerinnen und Lehrer an allgemeinbildenden Schulen befragt.

Meidinger rät Lehrern, sich häufiger an Eltern zu wenden - nicht nur, wenn es Konflikte gebe. Das schaffe Vertrauen. Allerdings bräuchten die Lehrer dafür mehr Zeit, etwa indem sie weniger Stunden unterrichten würden.

sun



insgesamt 8 Beiträge
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freigeistiger 28.02.2019
1. Schüler, Eltern, Kollegen
Alle sind Selbstbestimmt, Unangepasst, Selbstständig, lassen sich Nichts sagen und haben Rechte. Wir sind eine liberale Gesellschaft. Regeln sind diskriminierend. Außer bei den Anderen.
scgtef 28.02.2019
2. Die Kooperation mit den Eltern
der Grundschüler könnte aufgrund einer Sache als so schwierig empfunden werden: die Eltern möchten, dass ihr Kind aufs Gymnasium gehen kann, damit es die ( vermeintlich?) besten Zukunftschancen hat. Wenn dann die Noten nicht passen, geht der Stress los. Man sollte die Eltern in jedem Bundesland entscheiden lassen, welche weiterführende Schule ihr Kind besuchen soll, nach einem Beratungsgespräch mit der Klassenlehrerin und einem unverbindlichen Empfehlungsschreiben derselben. Dann geht der Leistungsdruck und das Aussieben eben in der 5. Klasse los, aber immerhin kann an der Grundschule ruhiger gelernt werden. Außerdem sollte es viel bekannter gemacht werden, wie viel Geld man z. B. als selbständiger Handwerksmeister verdienen kann. Übrigens kann man in vielen Fällen mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung ein Studium aufnehmen, auch ohne Abitur.
Claudius32 28.02.2019
3. Jedes Kind ist speziell
Kinder sind heute individualistischer als früher und erwarten, dass der Lehrer auf alle ihre Wünsche und Vorstellungen eingeht. Damit spiegeln Sie das Verhalten ihrer Eltern. Inklusion ist problematisch, weil im Sinne der geschilderten Verhaltensweise alle Kinder Inklusionsfälle sind.
HelmutEck 01.03.2019
4. Blindflug der Politik im Bildungsbereich
Jeden Tag wird im Bildungsbereich eine neue Sau durchs Dorf getrieben: Ganztagsschule, Inklusion, neue Schreibmethoden, Digitalisierung, etc. ohne nur ansatzweise eine dieser Probleme ordentlich gelöst zu wissen. Dies vor dem Hintergrund des Lehrermangels, Lehrerbashings und immer höherem Anspruchsdenken der Eltern, die meinen, den Lehrer als Vertreter des Staates für die Steuern, die sie ja bezahlen, auch verantwortlich machen zu können. Zudem wird ihnen ja auch täglich suggeriert, dass ein Mensch ohne Abitur in der Arbeitswelt ja nichts tauge. Was tut die Administration dagegen? Derzeit sind wieder Lohnverhandlungen im Öffentlichen Dienst des Landes BW. Kein Geld da, wird gebetsmühlenhaft wiederholt und das angesichts dieser horrenden Problemematik. Ich kann da nur wiederholen: Nichts verstanden, setzen, 6!
st.esser 02.03.2019
5. Grundannahme: Eltern sind vernünftig
Ein großes Problem ist, dass davon ausgegangen wird, dass Eltern immer vernünftig sind. Das stimmt auch (noch) für die große Masse, aber es gibt Extremfälle (von Alkohol- oder Drogen abhängige Eltern, bei religiösem Extremismus, psychischen Problemen von Eltern) mit denen die Schule nicht vernünftig umgehen kann. Es gibt Eltern, die jede Kooperation mit der Schule vermeiden, ihre Kinder zu Aggressionen anderen Kindern gegenüber anstacheln, die Autorität der Lehrer untergraben, Hilfsangebote verweigern. Wenn das nur dem eigenen Kind schadet ist das bedauerlich, aber sehr oft sind andere Kinder massiv davon betroffen, zum Beispiel wenn gewalttätige Kinder trotz Begleitung durch einen "Einzelfallhelfer" immer wieder Mitschüler angreifen und zum Teil ernsthaft verletzen. Ein solcher Schüler kann das Kollegium in Summe hunderte Arbeitsstunden im Jahr kosten, für die Dokumentation des Verhaltens, für Gespräche mit den Eltern der Opfer, die nicht verstehen, dass im Rahmen der Inklusion gewalttätige Kinder einen Anspruch auf Beschulung in Regelschulen haben, Förderkonferenzen mit Sozialarbeitern, Jugendamt und weiteren Beteiligten, in denen eine Lösung gesucht wird. Der Elternwille steht praktisch immer an erster Stelle, wenn Lösungen für solche Probleme gesucht werden. Manche Schulen versuchen, solche Eltern und Kinder zu "vergraulen" und damit die Last abzuwälzen (und den Ruf der Schule zu retten, der durch aggressive Kinder zerstört werden kann). Absolut keine Lösung, und kaum eine andere Schule wird ein solches Kind aufnehmen. Im "sozialen Brennpunkt" ist es fast der Normalfall, dass man nicht auf die Kooperation der Eltern setzen kann. Viele haben selber Probleme, oft liegt der Grund für das Verhalten der Kinder in Gewalt in der Familie oder auch in überforderten Eltern, denen jegliches Talent und Wissen (und zum Teil auch Interesse) für die Erziehung ihrer Kinder fehlt. Diese Eltern sind in Verordnungen und Gesetzen nicht vorgesehen, weder die Schulen noch Jugendämter können etwas für ihre Kinder tun. Die Inklusion (der Kinder mit "emotional-sozialem Förderbedarf) führt dazu, dass ganze Klassen darunter leiden und Lehrer in Überforderung und Zusammenbruch getrieben werden. Und das liegt zum erheblichen Teil an der Hilflosigkeit, die sie erleben, wenn es ohne Zustimmung der Eltern keine Lösung gibt und die Eltern jede Kooperation verweigern.
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