Lehrer-Gewinner bei "Wer wird Millionär?" Mr. Kay holt 100.000 Euro für seine Schule

Seine Klasse lockte ihn in eine Extraausgabe von "Wer wird Millionär?" - und Lehrer Kunkemöller holte spontan einen Riesengewinn. Den Erfolg nutzt "Mr. Kay" jetzt für eine Botschaft gegen marode Schulen: #keineLehrerInQuizshows.

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RTL / Frank W. Hempel

Nein, beteuert Tobias Kunkemöller, er habe wirklich nichts geahnt, als er vier Schüler zur Sendung "Wer wird Millionär? - Überraschungsspecial" begleiten sollte. Eine Kollegin hatte ihn darum gebeten, die Kinder aus seiner neunten Klasse hätten Zuschauertickets für die Günther-Jauch-Show gewonnen, erzählte sie ihm.

Kunkemöller, 32, den seine Schüler Mr. Kay nennen, sagte zu. Dass die Schüler der 9c des Hansa-Gymnasiums in Köln diesen Moment seit sechs Monaten geplant und ihren Klassenlehrer heimlich für die Show angemeldet hatten, wusste der Sport- und Englischlehrer nicht. "Auf einmal stand während der Sendung meine ganze Klasse vor mir und strahlte mich an", erzählt Kunkemöller. In diesem Moment zu kneifen, sei ihm nicht in den Sinn gekommen.

125.000 Euro gewann er in der Sendung, die am Montag ausgestrahlt wurde, erst an der vorletzten Frage auf dem Weg zur Million scheiterte Kunkemöller - dass er jedoch nicht für sich, sondern für die Schule antreten würde, war von Anfang an klar: Die Schüler hatten ihn im Namen des Fördervereins der Schule angemeldet.

  • RTL / Frank W. Hempel
    Das "Wer wird Millionär"-Quiz: Die Fragen und Antworten, mit denen der Lehrer 125.000 Euro gewonnen hat. Wie viele hätten Sie gewusst?
Das Gymnasium kann das Geld gut gebrauchen, denn, so Kunkemöller, es mangelt vor allem an Sportgeräten und elektronischem Equipment: "Wir haben zu wenig Material, um einen lehrplangerechten Sportunterricht zu machen. Es gibt keine Hockeyschläger, keine Reckanlage, nur einen Barren und unsere Tischtennisschläger sind nur noch Holzbrettchen."

Warum schafft es einer der reichsten Staaten dieser Welt nicht, alle seine Schulen zufriedenstellend auszustatten? Diese Frage ließ Kunkemöller auch nach der Show nicht los. Der Lehrer gründete daraufhin am Mittwoch eine Facebookgruppe und startete unter #keineLehrerInQuizshows eine gleichnamige Diskussion auf Twitter.

Doch Kunkemöller kann sich auch persönlich freuen. Nachdem er im Studio verraten hatte, dass er bald seine Freundin heiraten möchte, verkündete Günther Jauch am Ende der Sendung: 100.000 Euro gehen auf das Konto des Fördervereins der Schule - und 25.000 Euro auf das Hochzeitskonto des Lehrers.

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insgesamt 60 Beiträge
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LUAP 28.05.2014
1. sehr sympatisch...
... einen Lehrer wie man sich ihn nur wünschen kann. Das scheint seine KLasse ja ähnlich zu sehen. Und zack werden Diskussionen wie vergangene Woche über Vertrauen zu Lehrern überflüssig
pivge12 28.05.2014
2. Herzlichen Glückwunsch
Ich gönne der Schule bzw. dem Förderverein den Gewinn und hoffe das er den Schülern der Schule viel freude bereitet, gleichzeitig ist es ein Armutszeugnis für unseren Staat das er die Bildung nicht vernünftig finanzieren kann. Ich würde mir wünschen das endlich mehr investiert wird und das von der Krippe an für alle und kostenlos auf einem hohen Niveau den das wäre mal eine richtige Investition in die Zukunft der Schülerinnen und Schüler und auch in die Zukunft des Landes.
lachina 28.05.2014
3. Freue mich für diesen
netten, engagierten Lehrer! Warum schafft es einer der reichsten Staaten dieser Welt nicht, alle seine Schulen zufriedenstellend auszustatten? Diese Frage sollte wirklich öffentlich diskutiert werden. Ich selbst bin froh, dass dieses Jahr das letzte meiner Kinder die Welt der völlig maroden Schulgebäude, der abgeranzten Bestuhlung, der Unterbringung in Containern, in denen ständig die Heizung ausfällt und der Mathebücher, in denen der Euro niemals stattgefunden hat, verlässt. Freiwillig hätte ich keines meiner Kinder dorthin geschickt.
romang 28.05.2014
4. Er war sympathisch,...
Er war sympathisch, seine schüler waren sympathisch, er hat einiges gewusst bzw. gut kombiniert und allen ist das geld zu vergönnen, aber… …dass ein englischlehrer in einem gymnasium den begriff "secretary of state" nicht zuordnen kann ist fast so erschreckend wie der zustand der gezeigten tischtennisschläger.
scalawag 28.05.2014
5. gz
Herzlichen Glückwunsch für diesen Gewinn. Allerdings ist es bitter, das Schule einer der reichsten Industrienationen der Welt ihr Finanzen mit Glücksspiel aufbessern müssen. Es ist ja nun mal kein Einzelfall.
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