OECD-Studie Deutschlands Lehrer - älter, weiblich, gut bezahlt

Nur in Italien sind die Lehrer noch älter: An deutschen Schulen arbeiten zu viele Pädagogen über 50 Jahre, wie eine internationale Bildungsstudie feststellt. Und an Grundschulen unterrichten fast nur Frauen.

Lehrerin an der Tafel
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Lehrerin an der Tafel

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Sie sind oft schon leicht ergraut, haben erwachsene Kinder und sind vielleicht nicht mehr ganz so belastbar wie ihre jüngeren Kollegen: Lehrer über 50. Deutschland hat laut der OECD-Bildungsstudie "Bildung auf einen Blick", die an diesem Dienstag vorgestellt wird und den Zeitraum zwischen 2010 und 2015 untersucht, zu viele alte Lehrer. Nur Italien hat demnach eine ältere Lehrerschaft.

Rund 41 Prozent der Grundschullehrer (Primarbereich), 48 Prozent der Lehrer an Gesamtschulen und Gymnasien (Sekundarbereich I) und 42 Prozent an der gymnasialen Oberstufe (Sekundarbereich II) sind mindestens 50 Jahre alt. Im OECD-Durchschnitt sind es im Primar- und Sekundarbereich rund zehn Prozent niedriger.

Vor zehn Jahren waren allerdings noch sieben Prozent mehr Lehrer mindestens 50 Jahre alt. Die Lehrerschaft in Deutschland hat sich demnach bereits etwas verjüngt.

Deutschlands Lehrer verdienen gut

Im Gegensatz zu vielen anderen OECD-Ländern bezahlt Deutschland seine Lehrkräfte gut: Sie verdienen fast doppelt so viel wie ihre Kollegen in anderen Ländern. Grundschullehrer erhalten in Deutschland laut der Studie ein Anfangsgehalt von rund 54.000 US-Dollar, der OECD-Durchschnitt liegt bei 30.838 US-Dollar.

Im Sekundarbereich I und II sind die Unterschiede noch größer. In Deutschland bekommen Lehrer demnach ein Anfangsgehalt von rund 61.000 US-Dollar, in anderen Ländern liegt es bei rund 33.000 US-Dollar.

Zwischen 2010 und 2015 hat sich Deutschland darum bemüht, die Wettbewerbsfähigkeit der Lehrergehälter zu steigern. Die Gehälter wurden demnach um sechs bis zehn Prozent erhöht. Dagegen sind die Lehrergehälter in anderen OECD-Ländern im gleichen Zeitraum unverändert geblieben.

Lehrer in Deutschland arbeiten im Schnitt auch etwas mehr als ihre Kollegen im Ausland. Im Jahr sind es an Gesamtschulen und Gymnasien etwa 750 Stunden (OECD: 712 Stunden) und in der gymnasialen Oberstufe 714 Stunden (OECD: 662 Stunden).

Vor allem Frauen arbeiten an den Schulen

Wie in allen anderen Ländern der OECD arbeiten vor allem Frauen im Lehrerberuf. Vor allem in den ersten Klassenstufen gibt es sehr viele weibliche Lehrkräfte. So sind rund 87 Prozent aller Grundschullehrer Frauen, an Gesamtschulen und Gymnasien sind es 66 Prozent und an der gymnasialen Oberstufe 53 Prozent. Im Tertiärbereich, also etwa an Hochschulen und Universitäten, beträgt der Anteil 38 Prozent.

Der Anteil weiblicher Lehrkräfte hat sich zudem in den vergangenen Jahren noch mal erhöht. An Gesamtschulen und Gymnasien sind 73 Prozent aller Lehrkräfte unter 30 Jahren weiblich, gegenüber 49 Prozent der Lehrkräfte ab 50 Jahren.

Auch an Deutschlands Hochschulen sind Frauen in pädagogischen Fächern überrepräsentiert: 80 Prozent der Studienanfänger sind in diesem Bereich weiblich. Andererseits sind Frauen in den meisten technischen Fächern unterrepräsentiert. Dort machen sie nur 28 Prozent aller Studienanfänger aus. In den Naturwissenschaften, Mathematik und Statistik sind 46 Prozent der Studienanfänger weiblich, bei Wirtschafts- und Rechtswissenschaften sind es 54 Prozent.

MINT-Absolventen mit guten Jobaussichten

Insgesamt machen die MINT-Studenten in Deutschland einen hohen Anteil aus. Rund 37 Prozent der Hochschulabsolventen hatten im Jahr 2015 ein Studium in den MINT-Fächern absolviert. Das ist der höchste Anteil unter allen OECD- und Partnerländern, dahinter liegen Indien (31 Prozent) und Korea (30 Prozent).

Wer einen Hochschulabschluss hat, hat nach der Studie auch gute Chancen, einen Job zu bekommen. Rund 88 Prozent aller Hochschulabsolventen im Alter von 25 bis 64 Jahren gehen demnach einer Beschäftigung nach. Diejenigen, die etwa ein technisches Studium abgeschlossen haben, kommen dabei allerdings eher in Beschäftigung als Absolventen geistes- oder sozialwissenschaftlicher Fächer.

Je höher der Bildungsgrad, desto weniger Depressionen

Und: Wissen, Arbeit und Geld halten gesund. Die Lebenserwartung steigt mit höherem Bildungsgrad. Zudem gilt: Je höher der Bildungsstand und das Einkommen, desto seltener gaben Menschen an, an Depressionen zu leiden - und zwar war dies in allen europäischen Ländern der Fall, die im Jahr 2014 an der europäischen Gesundheitsumfrage teilgenommen hatten.

Generell kommen Depressionen bei Menschen, die erwerbtätig sind, weitaus seltener vor als bei Arbeitslosen. So gaben in Deutschland 17 Prozent der Befragten, die eine Ausbildung unterhalb der gymnasialen Oberstufe haben, an, unter Depressionen zu leiden (OECD-Durchschnitt: 12 Prozent). Bei Menschen, die studiert haben, lag der Anteil dagegen nur bei 9 Prozent (OECD-Durchschnitt: 6 Prozent).

Deutschland spart bei den Studenten

Die Jobaussichten nach einem Hochschulabschluss spiegeln sich auch in den Studentenzahlen wider: Rund 2,8 Millionen Menschen studierten im Wintersemester 2016/2017 Deutschland, knapp eine Million mehr als noch vor zehn Jahren. Doch obwohl den Hochschulen mehr Geld zur Verfügung steht, hält die Ausgabenerhöhung nach Angabe der OECD nicht mit der Zunahme der Studentenzahlen Schritt.

In dem OECD-Bericht stellt die Organisation fest, dass die Zahl der Studenten zwischen 2010 und 2014 zwar um 23 Prozent stieg, die Ausgaben stiegen hingegen nur um 9 Prozent. So wurden im Jahr 2014 rund 17.180 US-Dollar pro Student ausgegeben, 11 Prozent weniger als vier Jahre zuvor.

insgesamt 104 Beiträge
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keery 12.09.2017
1. "Zuviele alte Lehrer"
Das ist ein bisschen irreführend, wenn man eigentlich meint, dass der Anteil der jungen Lehrer zu gering ist. Wenn es zuviele alte Lehrer an den Schulen gibt, was stellt man sich denn so vor, was Lehrer machen sollten, wenn sie älter als 50 sind?
leserbriefanspon 12.09.2017
2. Die Zahlen zum Anfangsgehalt sind Quatsch
Hier sind die tatsächlichen Anfangsgehälter zu finden: http://www.oeffentlichen-dienst.de, die weit unter den falschen Zahlen des Artikels liegen. Und ja: ich finde, dass Lehrer gut bezahlt werden sollen und müssen und nein: ich bin selber kein Lehrer.
Ontologix II 12.09.2017
3. Ältere Lehrer haben mehr Erfahrung
Mir war immer klar, dass meine letzte Unterrichtsstunde meine beste sein wird. Wie alle anderen Menschen lernen auch Lehrer dazu.
ned divine 12.09.2017
4. wie.... zu alt????????
Was soll denn diese Altersdiskrimienierung der Autoren? "Nur in Italien sind die Lehrer noch älter: An deutschen Schulen arbeiten zu viele Pädagogen über 50 Jahre, wie eine internationale Bildungsstudie feststellt." Sorry was für eine bescheuerte Studie wird hier denn verwendet... Wie können Lehrer mit 50 zu alt sein?? Außerdem kennt diese Altersgruppe wenigstens noch Werte und bringt den Kindern Regeln und Anstand bei, oder? Sie haben Erfahrung und können sich wahrscheinlich auch viel besser durchsetzen. Wo wir auf die Rente erst ab 70 und älter zugehen, ist so eine Aussage absolut überflüssig, da ist 50 dann gerade mal leicht überdurchschnittlich. Erst nachdenken dann vielleicht äussern!
lomasdezamora 12.09.2017
5. Verrechnet?
Hat die OECD sich evtl. verkalkuliert? Aus meiner bisherigen Erfahrung gehen Lehrer (und andere Staatsbedienstete) in Italien doch zumeist schon im Alter von 56 - 60 in Frühverrentung.
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