Länder kämpfen um Lehrer Für 300 Euro mehr in die Pampa

Manche Lehrer sind begehrt - so sehr, dass die Bundesländer sich um sie streiten. Brandenburg lockt mit einer "Buschprämie", andere werben mit Verbeamtung oder machen den anderen die fertigen Referendare abspenstig.

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"Ein grünes Umfeld mit einer sehr soliden wirtschaftlichen Absicherung": Brandenburger Lehrer im Imagefilm
brandenburg.de

"Ein grünes Umfeld mit einer sehr soliden wirtschaftlichen Absicherung": Brandenburger Lehrer im Imagefilm


Der Blick der Kamera schweift über die Kornfelder Brandenburgs. Seine Wälder, seine Seen, seine fröhlichen Grundschüler. Ein Lehrer, vor 20 Jahren im westdeutschen Xanten zu Hause, sagt: "Ich bin hierhergekommen und die Sonne hat gelacht." So glücklich können Pädagogen sein, ist die Botschaft. Ganz besonders in Brandenburg.

Während bundesweit angestellte Lehrer für mehr Gehalt streiken, hat Brandenburgs Bildungsminister Günter Baaske (SPD) den neuen Werbespot des Landes vorgestellt (hier bei YouTube), aus dem die Szenen stammen: Mit Klaviermusik, Landschaftsaufnahmen und den Bekenntnissen von West-und Großstadt-Pädagogen, die überglücklich ins Brandenburgische gewechselt haben.

Mehr Aufmerksamkeit als der Imagefilm erregte allerdings Baaskes Idee, künftig Lehrer mit einem 300-Euro-Zuschlag zum Gehalt in den ländlichen Raum zu locken - dorthin, wo Schulen besonders große Schwierigkeiten haben, ihre Stellen zu besetzen. Die Provinzzulage könnte monatlich und für drei Jahre gezahlt werden. Die Lokalpresse hat bereits einen Namen dafür erfunden: "Buschprämie".

Lehrer werden knapp in Deutschland, das hat der Essener Bildungsökonom Klaus Klemm in einer Studie für die Telekom-Stiftung errechnet. Allein in Nordrhein-Westfalen fehlen bis 2025 rund 7000 Lehrer in Mathematik und Naturwissenschaften. In den übrigen Bundesländern sieht es wegen der Pensionierungswelle ähnlich aus, schätzt Klemm.

Langfristig gehen Beamte ins Geld

Darum wirft sich nicht nur Brandenburg derzeit in einen Wettstreit um die besten Anreize für zusätzliche Lehrer. Sachsen verkündete Anfang März, erstmals gezielt Referendare in anderen Bundesländern abzuwerben. Und der Wettbewerb macht auch ein problematisches Lockmittelwieder sehr populär: den Beamtenstatus. Ganz offensiv setzt Mecklenburg-Vorpommern seit 2013 auf den Reiz des Beamtenseins. Die erstmalige Verbeamtung in seinem Land inszenierte Minister Mathias Brodkorb (SPD) mit seinen fröhlichen neuen Landesdienern auf einem Gruppenfoto.

Eigentlich waren viele westliche Bundesländer in der Vergangenheit nach ostdeutschem Vorbild dazu übergegangen, neue Lehrer nur noch auf Angestelltenbasis zu beschäftigen. Konsequent blieben nur wenige. Und wie Mecklenburg-Vorpommern rücken auch die ostdeutschen Länder in ihrer Not von ihren Prinzipien ab. Auch Brandenburg wirbt bereits seit Längerem mit dem Beamtenstatus offensiv um Berliner Lehrer, die in der Hauptstadt nur angestellt werden.

Auf den ersten Blick nützt die Verbeamtung allen. Die Finanzminister freut, dass sie ihren Beamten zwar ein höheres Grundgehalt bezahlen müssen, dafür aber keine Sozialabgaben. Langfristig allerdings kommen Beamten die Bundesländer sehr teuer zu stehen. Die Pensionslasten für den Landeshaushalt sind enorm, angestellte Lehrer bekommen ihr Ruhegeld aus der Rentenversicherung.

Mehr Gehalt für Mangelfächer?

Auch Bildungsökonom Klaus Klemm weist auf dieses Dilemma hin: "Die Umstellung von der Verbeamtung zur Anstellung von Lehrern zahlt sich erst in 20 oder 30 Jahren aus", sagt er. "So etwas dauert länger als die Amtszeit eines Parlamentariers oder Finanzministers." Solange die Bundesländer sich gegenseitig Lehrer abspenstig machen, treiben sie einander immer wieder in das kostspielige Manöver der Verbeamtung.

Brandenburgs Provinzprämie läuft dem entgegen, wofür die angestellten Lehrer derzeit streiken - mehr Lohngleichheit in Lehrerzimmern. Umschwärmte Lehrer in Mangelfächern können damit mehr für sich herausschlagen. Der neue Physiklehrer in einer ländlich gelegenen Schule streicht die Zulage ein. Sein älterer Kollege, der Deutsch und Geschichte unterrichtet, muss sich an der gleichen Schule mit dem Normalsold begnügen.

Beamtenrechtlich seien solche Zulagen grundsätzlich möglich, heißt es im Ministerium. Brandenburgs Schulminister Baaske sieht keine andere Möglichkeit: "Wenn die Stelle nicht besetzt wird, wenn da keiner hingeht, dann muss ich ja irgendetwas machen", sagte er im RBB.

Ob verbeamtete oder angestellte Lehrer - der Streik überdeckt auch den gravierenden Einkommensunterschied, den es zwischen den Schulformen gibt. In der Regel gilt: Je kleiner die Kinder, desto kleiner der Lohn. Ein Gymnasiallehrer mit einer vergleichsweise pflegeleichten Schülerschaft verdient deutlich mehr als ein Grund- oder Hauptschullehrer.

Schleswig-Holstein will davon abweichen: Zumindest an weiterführenden Schulen sollen künftig alle Lehrer gleich bezahlt werden. "Sie tun das Gleiche, und sie bekommen das Gleiche", sagte Kultusministerin Britta Ernst (SPD) kürzlich.

In einem anderen Punkt soll sich aber nichts ändern: Ende der Neunzigerjahre entschloss sich das Land, nach einem gerade einmal zweijährigen Experiment mit angestellten Lehrern, alle neuen Lehrer wieder zu verbeamten - aus Kostengründen.

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 97 Beiträge
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Seite 1
Diskutierender 13.03.2015
1. Marktwirtschaft
Interessant, dass selbst staatliche Stellen mehr von Marktwirtschaft verstehen als die versammelte Deutsche Unternehmerschaft. Wo ein Mangel ist, steigen die Preise, und das haben diese Politiker und Beamten erkannt bzw. dass man für Jobs mit unattraktiven Randbedingungen den Leuten an anderer Stelle z.B. bei der Bezahlung einen Ausgleich geben muss. Dagegen kommt aus der Wirtschaft immer nur das dreiste Dauergejammer vom Fachkräftemangel statt konstruktiv die Mängel in den betreffenden Branchen zu beheben bzw. auszugleichen - schlimmstes Beispiel ist die Gastronomie, wo schlechte Bezahlung und schlechte Arbeitsbedingungen und -zeiten zusammen treffen.
bartholomew_simpson 13.03.2015
2.
So schlecht ist das Leben in der sog. Provinz nun auch wieder nicht. Für das Geld, das man in einer angesagten Großstadt für das Dasein in einer Mietskaserne aufwenden muß, kann man dort ein schönes Eigenheim finanzieren.
Phil2302 13.03.2015
3.
Ist mir ja ein Rätsel. Hier im Forum schwärmen doch alle davon, dass Lehrer überbezahlt sind, nie arbeiten müssen und machen können was sie wollen. Warum gibt es dann einen Mangel? Ich habe es richtig gemacht: Mir angeschaut, welche Fächer Mangelware sind, und die dann studiert. Mathematik und Physik für Gymnasien und Gesamtschulen. Aber ich hoffe doch (und rechne auch fest damit), dass ich hier in NRW verbeamtet werde. Denn in den Osten möchte ich nicht.
spon-facebook-10000747070 13.03.2015
4. Verbeamtung ?
Bitte um Aufklärung: Wenn ein heute 25 jähriger Lehrer verbeamtet wird bedeutet dies eine Zahlungsverpflichtung des Staates für 40 Jahre ! Die Schülerzahlen sind aber stark rückläufig - in 10 Jahren wird ein Rückgang von 1,6 Millionen Schüler erwartet (Kultusministerkonferenz). D.h. um eine kurzfristige Lücke zu schließen stellt der Staat Beamte ein von diesen viele in einigen Jahren überflüssig sein werden - aber weiter bezahlt werden müssen ? !
OskarVernon 13.03.2015
5.
Zitat von DiskutierenderInteressant, dass selbst staatliche Stellen mehr von Marktwirtschaft verstehen als die versammelte Deutsche Unternehmerschaft. Wo ein Mangel ist, steigen die Preise, und das haben diese Politiker und Beamten erkannt bzw. dass man für Jobs mit unattraktiven Randbedingungen den Leuten an anderer Stelle z.B. bei der Bezahlung einen Ausgleich geben muss. Dagegen kommt aus der Wirtschaft immer nur das dreiste Dauergejammer vom Fachkräftemangel statt konstruktiv die Mängel in den betreffenden Branchen zu beheben bzw. auszugleichen - schlimmstes Beispiel ist die Gastronomie, wo schlechte Bezahlung und schlechte Arbeitsbedingungen und -zeiten zusammen treffen.
Die haben zunächst mal, genau wie die Wirtschaft, den Mangel selber herbeigeführt, den sie jetzt beklagen - allerdings im Gegensatz zu jener weder Konkurrenz noch wegbleibende Kundschaft zu fürchten.
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