Lehrerbeleidigung im SchülerVZ 14-Jährige fliegt von der Schule

Zwei Siebtklässlerinnen aus Bad Kissingen lästerten im Internet über ihre Lehrer. Die Pädagogen bekamen Wind von der Sache und erstatteten Anzeige. Die Schülerinnen entschuldigten sich - doch eine musste die Schule nach dem Vorfall trotzdem verlassen.


Sie sitzen mehrmals täglich am Computer, klicken sich durch You-Tube-Videos, SchülerVZ-Profile und Myspace-Seiten. Doch obwohl sie mit dem Internet aufwachsen, scheinen viele Jugendliche nicht zu ahnen, dass Dinge, die sie dort veröffentlichen, auf der ganzen Welt nachzulesen sind

Nur so lässt sich erklären, dass sich in den vergangenen Monaten Fälle häufen, in denen Schüler im Netz über ihre Lehrer lästern und glauben, dass die Betroffenen von den bösen Sprüchen nie erfahren werden. Das jüngste Beispiel: Zwei 14-jährige Mädchen aus Bad Kissingen meckerten auf einer SchülerVZ-Profilseite über ihre Lehrer. Die eine saß in Sylt am Rechner, die andere in Petersburg. Via Internet hielten die beiden miteinander Kontakt, beleidigten eine Lehrerin und einen Lehrer, berichtet die Zeitung "Mainpost".

Die beiden Realschülerinnen verhielten sich so, als tuschelten sie miteinander auf dem Schulhof. Doch die Beleidigungen konnten von jedem nachgelesen werden, der ein SchülerVZ-Profil besitzt. Von wem sie stammten - auch das war nachzuverfolgen. Die Schülerinnen hatten ihre Namen weder abgekürzt noch verändert.

Als die betroffenen Lehrer Mitte Oktober 2007 von den Beleidigungen hörten, erstatteten sie Anzeige, berichtet die "Mainpost". Anfang Dezember wurden die beiden Schülerinnen dann in einer Schulstunde per Lautsprecher ins Sekretariat gerufen - und von Polizeibeamten im Streifenwagen nach Hause gefahren.

Die Siebtklässlerinnen entschuldigten sich schließlich bei den Lehrern. Die eine wurde dazu verdonnert, Nachhilfestunden zu geben. Bei der anderen beschloss der Disziplinarausschuss, ein Verfahren zur Entlassung von der Schule einzuleiten. Ihre Entschuldigung sei "oberflächlich" gewesen. Sie lasse "echte Einsicht und Reue vermissen". Der 14-Jährigen werde "schweres Fehlverhalten" vorgeworfen. Sie missachte die Rechte anderer und belaste die "vertrauensvolle, unbeschwerte Atmosphäre in der Schule", störe deren Bildungs- und Erziehungsauftrag, heißt es in einem Schreiben an ihre Eltern.

Die beiden betroffenen Lehrer haben ihre Anzeige später zurückgezogen. Trotzdem blieb es dabei: Die eine Schülerin musste nach dem Vorfall die Schule wechseln. Ihr Vater wehrt sich dagegen, dass die beiden Schülerinnen so ungleich behandelt wurden. Er kritisierte die Unverhältnismäßigkeit der Entscheidung und legte Widerspruch ein. Parallel dazu reichte er beim Ministerialbeauftragten eine Petition ein, berichtet die Zeitung. Das Verfahren läuft noch.

kat

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