Gegen Unterrichtsausfall Berlin, Hamburg, Bremen diskutieren "Ein-Fach-Lehrer"

Muss ein Lehrer unbedingt zwei Fächer unterrichten? Drei Minister überlegen, ob Pädagogen künftig auch in nur einem Fach vor Schüler treten können sollten. Es ist ein neuer Vorstoß gegen den Lehrermangel.

Lehrer vor einem Whiteboard (Symbolbild)
DPA

Lehrer vor einem Whiteboard (Symbolbild)


Lehrer können mindestens zwei Schulfächer unterrichten - das ist bundesweiter Standard. Doch die Berliner Schulsenatorin Sandra Scheeres und ihre Kollegen Ties Rabe aus Hamburg und Claudia Bogedan aus Bremen überlegen, ob nicht auch "Ein-Fach-Lehrer" sinnvoll wären, um gegen den aktuellen Lehrermangel und den Unterrichtsausfall vorzugehen.

Die Minister der drei Stadtstaaten diskutierten die Idee am Mittwoch bei einem gemeinsamen Treffen in Bremen - konkrete Pläne gibt es aber noch nicht. "Bevor wir das angehen, müssen wir erst einmal alle Vor- und Nachteile genau abwägen", sagte Sandra Scheeres dem SPIEGEL.

Denkbar wäre demnach, dass etwa Absolventen von Kunst- und Musikhochschulen kein zweites Fach mehr brauchen, sondern nur die zusätzliche pädagogische Qualifikation, um als Lehrer eingestellt zu werden. Die Ausbildungszeiten könnten sich damit verkürzen, der Lehrerberuf auch für andere Akademiker als die bisherigen Lehramtsstudenten interessant werden.

Auch in anderen Mangelfächern - etwa in den Naturwissenschaften und der Informatik - könnten "Ein-Fach-Lehrer" eine Maßnahme gegen den aktuellen und auch für die Zukunft vorhergesagten Lehrermangel sein. Nach Berechnungen der Bildungsforscher Klaus Klemm und Dirk Zorn werden wegen steigender Schülerzahlen bis zum Jahr 2025 bundesweit über 50.000 neue Lehrer benötigt.

Doch die Idee der drei SPD-Bildungssenatoren stößt bereits auf Widerstand. "Die Anforderungen zu senken, um den Lehrkräftebedarf zu decken, ist nicht der richtige Weg", zitiert die "Berliner Morgenpost" den Landesvorsitzenden der Bildungsgewerkschaft GEW, Tom Erdmann.

Ein Alleingang der drei Stadtstaaten ist ohnehin kaum denkbar. Die Idee zielt daher wohl eher auf eine bundesweite Kampagne ab: Wenn der Leidensdruck durch den Lehrermangel in allen Bundesländern groß genug ist, so die Kalkulation der Senatoren, könnte das die Bereitschaft ihrer Ministerkollegen zu ungewöhnlichen Schritten fördern.

Und der Zeitpunkt für den Vorstoß ist gut gewählt: Allein an Deutschlands Grundschulen fehlen derzeit knapp 2000 Lehrkräfte.

him



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