Gegen den Lehrermangel Mehr Quereinsteiger in den Klassenzimmern

Erst Pharmazeut, dann Pädagoge: Fast jeder zehnte Lehrer, der in diesem Schuljahr neu angefangen hat, ist einem Medienbericht zufolge ein Quereinsteiger. In manchen Bundesländern werden sie besonders hofiert.

Lehrerin in Hannover (Archivbild)
DPA

Lehrerin in Hannover (Archivbild)


Jeder zehnte Lehrer, der im vergangenen Sommer neu in die Schulen kam, ist eigentlich gar keiner. Einem Bericht der "Frankfurter Allgemeine Zeitung" zufolge sind von den bundesweit eingestellten 29.000 Lehrern zu Beginn des laufenden Schuljahres fast zehn Prozent Quereinsteiger ohne didaktisches Fachstudium - und damit rund doppelt so viele wie im Jahr davor.

An weiterführenden Schulen sind demnach besonders Mangelfächer wie Mathematik, Informatik, Physik oder Kunst betroffen. Viele Quereinsteiger gibt es dem Bericht zufolge auch an Grundschulen. Spitzenreiter sei Sachsen, wo jeder zweite neue Grundschullehrer kein Fachstudium mitbringt. An Berliner Grundschulen lag die Quote bei 40 Prozent, in Brandenburg bei 36 Prozent.

Quereinsteiger in Schulen: Von null auf Lehrer

Die Zahlen beruhen auf einer Umfrage der Bundesvereinigung der Oberstudiendirektoren unter den Bundesländern. Die Kultusministerkonferenz wertet die Daten für 2016 noch aus, bestätigte aber einen gewachsenen Bedarf an Quereinsteigern in fast allen Ländern.

Die im FAZ-Bericht für 2016 genannten Zahlen liegen deutlich über denen, die die Kultusministerkonferenz für 2015 veröffentlicht hatte. Demnach waren vor zwei Jahren 32.636 Lehrer neu eingestellt worden, gut 1500 davon als Quereinsteiger. Mit 4,6 Prozent war die Quote damals nur halb so hoch wie im aktuellen Schuljahr.

Quereinsteiger werden in der Regel während des laufenden Schulbetriebs monate- bis jahrelang nachqualifiziert. Solche Programme seien nötig, könnten aber nur Notlösungen sein, zitiert der FAZ-Bericht die Oberstudiendirektoren. Die Bundesvereinigung befürchte, durch den Einsatz zu vieler Nichtpädagogen würden Schlüsselqualifikationen wie Lesen, Schreiben und Rechnen vernachlässigt.

him



insgesamt 49 Beiträge
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spigalli 22.03.2017
1.
Super, das kommt dann ja gerade zur rechten Zeit, wo zumindest in den erstgenannten Fächern auch sonst kein Mangel an Arbeitskräften herrscht. Kurz: Wer wird wohl Lehrer werden wollen, wenn er als halbwegs kompetenter Ingenieur leicht erheblich mehr Geld verdienen kann? Genau - diejenigen, die mangels fachlicher Kompetenz keine andere Möglichkeit haben. Aber die kann man ja immer noch leicht zu Pädagogen machen, dann erklären sie wenigstens etwas Falsches so, dass es jeder versteht und keinen seelischen Schaden davonträgt. Auf lange Sicht wird das das erstgenannte Problem wohl noch verschärfen!
evilbernd 22.03.2017
2. wenn man
unterrichten kann, dann ist es egal ob Quereinsteiger oder direkt auf Lehramt. Problem ist nur, wenn man z.B. nie Kinder unterrichten wollte, die Unikarriere aber nichts wurde und Schule dann die Notlösung ist. Dann werden beide Seiten nicht glücklich werden. Wundert mich aber, dass es nicht genug Lehramtsabsolventen gibt, ich meine, der Beruf ist doch so lau und überbezahlt ;-)
chrismuc2011 22.03.2017
3.
Ich bin Ingenieur, und würde gerne an einer Grundschule oder Berufsschule Kindern und Jugentlichen Matthe und Physik beibringen. Wobei ich noch ob der Lehrpläne im Zweifel bin. Doch ich bin, wie auch in meinem eigentlichen Beruf, zu alt um noch genommen zu werden. Bisher wurden mir nur 20Wochenstunden a 10Euro als Deutschlehrer für Migranten angeboten.
sven2016 22.03.2017
4.
Pädagogische und didaktische Grundkenntnisse sind sicher wichtig, aber bei Interesse an der Schultätigkeit auch nach-vermittelbar. Außerdem haben Viele an der Uni auch schon zumindest als Hilfskraft in der Lehre gearbeitet. Das hilft, einzuschätzen, ob man da richtig sein kann. Wer in den schlechtbezahlten Schuldienst geht, ist ein Versager im eigentlichen Beruf? Dummer Spruch. Es gibt auch weitere Kriterien für die Wahl von Beruf oder einen Wechsel. Sas sind nicht alles nur alles BWLler mit Dollarzeichrn in den Augen
spigalli 22.03.2017
5. Sie Glücklicher!
Zitat von chrismuc2011Ich bin Ingenieur, und würde gerne an einer Grundschule oder Berufsschule Kindern und Jugentlichen Matthe und Physik beibringen. Wobei ich noch ob der Lehrpläne im Zweifel bin. Doch ich bin, wie auch in meinem eigentlichen Beruf, zu alt um noch genommen zu werden. Bisher wurden mir nur 20Wochenstunden a 10Euro als Deutschlehrer für Migranten angeboten.
Knapp vor Einführung des Mindestlohns bot mir (als promovierter Physiker) ein Realschuldirektor an, vertretungsweise für ein Jahr eine 9. Klasse in Physik zu übernehmen: für 7,50€ die Stunde. Grund: Ich sei nicht pädagogisch qualifiziert, daher würde der Personalrat einer Hohorareinstufung als Lehrer nicht zustimmen. Die Klasse hat dann eben 1 Jahr lang kein Physik gehabt.
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