Medienbericht Schulen brauchen bis 2030 Zehntausende neue Lehrer pro Jahr

An vielen deutschen Schulen werden auch in den kommenden Jahren Lehrer fehlen. Aber wie viele genau? Die Kultusminister legen eine neue Prognose vor.

Lehrerin in Bremen
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Lehrerin in Bremen


Schon heute herrscht vor allem an Grundschulen ein oft dramatischer Lehrermangel. Auch in der nahen Zukunft werden deutsche Schulen wohl heftig um neue Lehrkräfte konkurrieren.

Bundesweit sei bis 2030 mit einem durchschnittlichen Einstellungsbedarf von knapp 32.000 Lehrern pro Jahr zu rechnen, berichtet das Redaktionsnetzwerk Deutschland unter Berufung auf eine neue Prognose der Kultusministerkonferenz (KMK). Dem stünden jedoch nicht ausreichend Bewerber gegenüber. Jedes Jahr könnten Hunderte Stellen unbesetzt bleiben.

Über die Zahlen wollen die Kultusminister der Länder auf ihrer zweitägigen Konferenz in Berlin beraten, die an diesem Donnerstag beginnt. Der Mangel betreffe vor allem Ostdeutschland, heißt es weiter. Dazu sagte KMK-Präsident Helmut Holter: "Das hängt mit den Personalentwicklungskonzepten der Nullerjahre zusammen, als es einen Überhang gab und zu wenig Lehrer eingestellt wurden."

In Westdeutschland dagegen übersteigt dem Bericht zufolge das Angebot an Lehrern den Bedarf im Zeitraum bis 2030 um 3,5 Prozent. Engpässe würden vor allem bei Berufsschulen und Lehrern mit sonderpädagogischer Ausbildung erwartet. Auch bei Grundschulen gebe es erhebliche Schwierigkeiten.

Bei Gymnasiallehrern gebe es hingegen einen "deutlichen Bewerberüberhang". Im Mai hatte die KMK eine Schätzung vorgelegt, nach der die Zahl der Schüler bis 2030 um 278.000 auf 11,2 Millionen steigen wird.

Die Bundesländer versuchen auf unterschiedlichen Wegen, dem Lehrermangel entgegenzutreten. Darunter sind zum Beispiel ein Ausbau der Studienplätze (Bayern), Imagekampagnen für potenzielle Lehramtsstudenten (Nordrhein-Westfalen), Geldprämien für Referendare auf dem Land (Sachsen) oder das Umschulen von zahlreichen Quereinsteigern (Berlin).

Etliche Länder versuchen außerdem, insbesondere Grundschullehrer durch eine bessere Bezahlung oder Verbeamtungszusagen zu gewinnen - was wiederum bei anderen Ländern für deutliche Verstimmung sorgt, weil sie einen ruinösen Wettbewerb untereinander fürchten.

KMK-Chef Holter plädierte vor der Sitzung der Kultusminister für mehr Plätze in Lehramtsstudiengängen. "Es müssen mehr Lehrer ausgebildet werden", sagte Thüringens Ressortchef. Wichtig sei jedoch, dass alle Länder mitzögen. "Ansonsten bilden vielleicht wenige Länder aus und die anderen sind Nutznießer."

Die Kultusminister wollen in Berlin auch Empfehlungen zur Stärkung der Demokratieerziehung in der Schule geben und über die künftige Platzvergabe beim Medizinstudium beraten. Themen wie Rassismus, Antisemitismus, Islamfeindlichkeit, Sexismus und Homophobie sollen stärker als bisher im Unterricht erörtert werden.

Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) will im Kreis der Ressortchefs auch noch einmal auf mehr gemeinsame Standards im Schulunterricht pochen. Es brauche mehr Vergleichbarkeit, mehr Transparenz und mehr Qualität. "Offenbar gibt es erfolgreichere Länder und weniger erfolgreiche. Das zieht sich von den unverzichtbaren Grundfähigkeiten des Lesens, Rechnens und Schreibens bis zum Ganztag durch alle Themen", sagte Eisenmann der Nachrichtenagentur dpa. Die Ziele müssten die Länder in einem Staatsvertrag festzurren.

Ziel der derzeitigen Beratungen in Berlin sei es festzulegen, welche Themen in dem Staatsvertrag berücksichtigt werden sollten, sagte Eisenmann. Das CSU-regierte Bayern und das von Schwarz-Grün regierte Baden-Württemberg hatten bereits mehrfach auf verbindliche Bildungsstandards und einen entsprechenden Staatsvertrag gepocht.

Im Video: Lehrermangel - Wenn die Deutschlehrerin täglich aus Polen anreist

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lov/dpa

insgesamt 26 Beiträge
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Knack5401 11.10.2018
1. Immer das gleiche geseiere,
die haben schon immer vollkommen neben den tatsächlichen Bedarfen gelegen. Ein Haufen eingebildeter Politiker, die nichts zustande brachten und auch dieses Mal wieder vollkommen daneben liegen werden.
ranenberger 11.10.2018
2. Demographische Entwicklungen
sind doch im Zeitalter des Computers ein Kinderspiel. Warum können /wollen die verantwortlichen Behörden/Regierungen diese Erkenntnisse nicht nutzen? Warum gibt es einen Numerus Clausus für das Studium von Förderschullehrern? Warum müssen sich Grundschullehrer mit höherer Mathematik im Studium herumquälen, wenn sie nur das kleine Einmaleins und die Grundrechnenarten vermitteln sollen? Es muss an vielen Stellen geschraubt werden, aber es gibt keine Handwerker in der Regierung. Traurig, aber wahr. Und was macht man dagegen? AFD wählen?
GerhardFeder 11.10.2018
3. "Wir schaffen das"
Die Kultusmisterien haben seit Jahrzehnten den "Normalfall" des Bildungswesens nicht bewältigt. Zahllose "Reform"-Experimente, Kleinstaaterei, mangelnde Zusammenarbeit, Obrigkeitsstaatliches Denken, das waren die "Eckpfeiler" der Arbeit der Kultusminister/innen. Irgendwann rächt sich eben jeder Schlendrian.
frankfurtbeat 11.10.2018
4. na ...
na das schaffen wir auch noch ... dann planen wir eben 50 Schüler pro Klasse ein und alles wird gut. Schlimm sind auch die damit einhergehenden Pensionsansprüche der 10.000 ausscheidenden Lehrer - das Problem wird aber auch nicht gesehen oder nur ungern diskutiert. Das "weiter so" auf den Wahlplakaten in 2017 ist wie ein Schlag ins Gesicht angesichts der ungelösten Probleme ...
scgtef 11.10.2018
5. 1.Warum gibt es mehr Gymnasiallehrer als Grundschullehrer?
Sie verdienen mehr! Also sollten Grundschullehrer mehr verdienen. 2. Warum kann die Anzahl der benötigten Grundschullehrer nicht genau vorhergesagt werden? Das liegt an der EU Freizügigkeit. Die Leute kommen, wann sie wollen, oft mitten im Schuljahr. Dazu kommt, dass sie vor der Zuwanderung keinerlei (!) Deutschkenntnisse vorweisen müssen, ihre Kinder können natürlich auch kein Deutsch. Deshalb braucht man noch mehr Lehrer, um diesen Kindern in kleineren Gruppen (in Bayern heißt das neuerdings Deutsch Plus) Deutsch und den Unterrichtsstoff zu lehren. ( Ich unterrichte seit Jahren an einer Grundschule mit 95 Prozent Ausländeranteil). Mein Vorschlag: wer nach D Zuwanderungspolitik will, soll vorher(!) Deutschkenntnisse vorweisen. Vielleicht sollte in den osteuropäischen Ländern in den Schulen Deutsch die erste Fremdsprache sein...
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