Beginn des Schuljahrs Sag mir, wo die Lehrer sind

Das neue Schuljahr fängt an, und in vielen Bundesländern fehlen Lehrer. Die Kultusministerien steuern gegen: Aushelfen sollen Pensionäre, Referendare, Quereinsteiger. Der Überblick.

  Lehrer in Berlin (Symbolbild)
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Lehrer in Berlin (Symbolbild)


In einigen Bundesländern sind die Ferien schon vorbei, in anderen kehren die Schüler bald in ihre Klassenzimmer zurück. Ein Problem haben viele Länder aber gemein: akuten Lehrermangel.

Anfang August sorgte noch eine Bertelsmann-Studie für Wirbel, die Prognosen für einen dramatischen Lehrermangel in den kommenden Jahren lieferte. Im Alltag zeigt sich: Der Mangel ist längst da, vor allem an den Grundschulen.

Die Landesregierungen üben sich in Schadensbegrenzung, teils mit umstrittenen Maßnahmen. Einige Beispiele der vergangenen Wochen:

  • In Sachsen hat das Schuljahr zwar schon vor 14 Tagen begonnen, trotzdem sind noch immer rund hundert Stellen ausgeschrieben. Sie sollen gezielt an Lehrer vergeben werden, die für Grundschule, Oberschule und Förderschule ausgebildet wurden, nicht an Seiteneinsteiger. Diesen Punkt betont das Kultusministerium, weil noch im Juli Zahlen kursierten, wonach der Anteil der Seiteneinsteiger unter den neu eingestellten Lehrern im Land in diesem Jahr zwischen 45 und 50 Prozent liegen könnte - die Endabrechnung liegt noch nicht vor.
  • In Sachsen-Anhalt fehlen ebenfalls Lehrer. Bereits im Februar schrieb das Land pensionierte Pädagogen mit der Frage an, wer aushelfen könne. 2017 wurden rund 270 neue Lehrer eingestellt, zu Beginn des Schuljahres vor zwei Wochen waren aber noch 100 weitere Stellen unbesetzt. Ab Oktober soll eine neue Regelung gelten, wonach Referendare schon nach vier Wochen eigenständig unterrichten sollen - bisher hatten sie vier Monate Schonfrist.
  • Von mehr als 600 Stellen an Grund-, Haupt- und Realschulen in Niedersachsen konnten bis zum Schuljahresbeginn nur zwei Drittel besetzt werden. Hastig wurden Kollegen aus den Gymnasien zur Vertretung zwangsweise abgeordnet - und fehlen dort. Mancher Gymnasiumsdirektor klagt nun, dass er Arbeitsgemeinschaften und Angebote zum Wahlunterricht streichen muss.
  • In Nordrhein-Westfalen hatte die bisherige SPD-Regierung schon viele Grundschulfächer für Seiteneinsteiger geöffnet sowie die Einstiegsgehälter angehoben. Die Einsteigerzahl stieg - und reicht offenbar in diesem Schuljahr dennoch nicht. Vor allem an Grundschulen bleiben viele Stellen unbesetzt, nun sollen wie in Niedersachsen Lehrer aus anderen Schulformen aushelfen.
  • In Mecklenburg-Vorpommern bleiben von 449 Referendarstellen im Land in diesem Schuljahr 274 unbesetzt. Das bedeutet nicht nur Engpässe im Schulbetrieb dieses Jahres, es zeigt auch, dass sich die Situation in den kommenden Jahren eher noch verschärfen dürfte, weil es an Nachwuchslehrern fehlt.
  • In Berlin, wo der Anteil der Seiteneinsteiger schon länger hoch ist, hat man mit Plakatkampagnen nach zusätzlichen Kräften gesucht. Außerdem wurden ehemalige DDR-Lehrer, die seit der deutschen Einheit in Horten als Erzieher arbeiten, gezielt angesprochen.
  • Das Kultusministerium in Bayern hat in Erwägung gezogen, über Anträge auf Teilzeit und Vorruhestand erst zeitverzögert zu entscheiden - geht aber im Moment davon aus, dass Einschränkungen nicht nötig sind. Weil besonders viele Grundschul- und Förderlehrer gebraucht werden, hat das Land in diesem Jahr Bewerber bis zu einem Examensschnitt von 3,5 eingestellt.
  • Im Saarland beklagt Bildungsminister Ulrich Commerçon, dass die Grundschulen an der Kapazitätsgrenze arbeiten. Wo die Schulgebäude nicht ausreichen, behilft man sich mit Containern. Das Land hat rund 190 Lehrer neu eingestellt, hält damit aber lediglich die Gesamtzahl der Lehrkräfte aufrecht.
  • Baden-Württemberg hat noch bis 11. September Zeit, bis das Schuljahr beginnt, das Ministerium sprach aber bereits von Umverteilung. Das heißt: Auch hier werden wohl Lehrer aus anderen Schulen aushelfen müssen, wenn sich Lücken ergeben.
Lehrermangel an Schulen: Mit Ansage gegen die Wand

Anmerkung der Redaktion: Wir haben die Angaben zu Teilzeit / Ruhestand und dem erforderlichen Examensschnitt in Bayern korrigiert.

mamk/dpa



insgesamt 135 Beiträge
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Seite 1
wiese 25.08.2017
1. Ländersache
Ausbildung, Einstellung und Vergütungen sind ja in dem Fall Ländersache. Sachsen will unbedingt die schwarze Null. Das Personal badet es seit Jahren aus... Warum wundert man sich?????
imo27 25.08.2017
2.
Man vergleiche mal die reale Situation mit den unseriösen Wahlkampfversprechen der Parteien. Seriös wäre das politische Ziel, die drohende deutliche Verschlechterung im Bildungswesen sowohl in quanitativer wie auch in qualitativer Hinsicht durch politischen Handeln im Rahmen zu halten. Ich erinnere mich an Zeitungsberichte, dass 300.000 Kitaplätze fehlen und 500.000 Ganztagsplätze in Schulen
stoffi 25.08.2017
3. wer heue Lehrer noch wird
muss ich von Schülern beschimpfen und bedrohen lassen, ohne Handhabe, dagegen was zu unternehmen. Er steht allein auf weiter Flur, ohne Hilfestellung. Die Eltern drohen mit dem Anwalt, sollte es dem Lehrer einfallen, Sanktionen zu verhängen und in dem einen oder anderen Fall, wurde ein Lhrer schon verurteilt, weil er gegen den Protest der Eltern seine Sanktionen durchgesetzt hatte. Das Lehrer bedroht und verprügelt werden ist auch nicht mehr selten. So ab und an, lässt sich dann ein Lehrer von einem Sreifenwagen nach Hause bringen und sind sie eine Lehrerin, werden sie viel Nichtbeachtung als Frau erfahren und werden so dann und wann auch erfahren, das sie nach Ansicht mancher Väter, ihre Söhne so zu behandeln haben, wie es sich nach ihrem Frauenverständnis geziemt. Ne Leute, das muss man nicht haben. Ich sehe, was in meinem Verwandschaftskreis und im Bekanntenkreis vorgeht, die aus Überzeugung Pädagogen geworden sind und eine hat schon den Beruf gewechselt, weil sie in einer Duisburger Gesamtschule erleben durfte, wie toll es ist, in einem sozialen Brennpunkt als Frau zu unterrichten Das, obwohl es doch angeblich mit der Integration so positiv voran geht.
karlchen_1 25.08.2017
4. Rekordüberschuss
Auf der einen Seite Rekordüberschuss - auf der anderen Seite aber nichts investieren... Dabei ist gerade Bildung eine Investition die sich am ehesten bezahlt macht...
qjhg 25.08.2017
5. Das sind die Auswirkungen
der schwarzen Null; Herr Schäuble und die unfähige Regierung Merkel einschl. der SPD haben es in den letzten vier Jahren wieder geschafft über notwendige Bildungsausgaben zu sprechen, aber nichts unternommen, die Situation zu verbessern. Armselig!
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